Die Rolle ist ihr auf den Leib geschneidert: Schauspielerin Heidi Mahler auf der Beverunger Bühne. - © Burkhard Battran
Die Rolle ist ihr auf den Leib geschneidert: Schauspielerin Heidi Mahler auf der Beverunger Bühne. | © Burkhard Battran

Beverungen Klassiker der Unterhaltungskultur

Theater: Das Ohnsorg-Theater gastiert vor 700 Besuchern in Beverungen. Heidi Mahler hält das kulturelle Erbe der Mutter Heidi Kabel lebendig

Burkhard Battran

Beverungen. Willy Millowitsch in Köln und Heidi Kabel in Hamburg waren zwei Persönlichkeiten, die in besonderer Weise das Genre des Volksschauspielers geprägt haben. Wenn Stücke aus dem Kölner Millowitsch-Theater oder der Hamburger Ohnsorg-Bühne übertragen wurden, traf sich die gesamte Republik bei denen, die einen Saba-Fernseher ihr Eigen nennen konnten. Ein Klassiker aus dieser Zeit ist das Lustspiel „Tratsch im Treppenhaus" aus dem Ohnsorg-Theater. Dieses Kapitel deutscher Unterhaltungsgeschichte stand nun auf der Bühne der Beverunger Stadthalle. „Ich sehe das Stück heute zum ersten Mal in Farbe", sagte ein Besucher aus Höxter. 1962 flimmerte der erste TV-Mitschnitt des Stückes über die Mattscheibe. Mit Heidi Kabel, die damals 48-jährig die Hauptrolle der Meta Boldt für Generationen prägen sollte. Stoff des Stückes hat nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt Und weil der Stoff des Stückes von Bühnenautor Jens Exler bis heute nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt hat, wurde das Stück 2016 neu verfilmt und am Silvesterabend ausgestrahlt - und zwar mit Heide Kabels Tochter Heidi Mahler in der Hauptrolle und dem brillanten Schwergewicht Horst Arenthold als pensioniertem Steuerinspektor.Exakt diese Version war in der Beverunger Stadthalle zu Gast. Rund 700 Zuschauer erlebten „Tratsch im Treppenhaus" nicht nur in Farbe, sondern auch in 3?D. Heidi Mahler ist auch schon 73 Jahre alt. Aber sie wirbelte mit einer Vitalität über die Bühne, dass man sie kaum auf 60 geschätzt hätte. Bei Kulissen und Kostümen in den 1960er Jahren geblieben Regisseur Michael Koch hat keine Modernisierung des Stückes vorgenommen, sondern ist in den Kulissen und den Kostümen bis hin zu Kitell und Kopftuch der Meta Boldt in den 60er Jahren geblieben. Das neue „Tratsch im Treppenhaus" ist ein gelungener Relaunch eines Klassikers. Es soll keine neuer Kult begründet werden. Es geht auch nicht darum, ein neues Publikum für einen alten Klassiker zu finden. Es geht darum, denen, die sich erinnern können, ein neues Erlebnis anzubieten – und das ist der Inszenierung allemal gelungen.Das lag auch an den leichten Charakterkorrekturen von Regisseur Michael Koch, der den Rollen mehr Offenheit gab. So waren beispielsweise der Steuerpensionär und die vereinsamte Witwe Knoop nicht mehr jenseits von gut und böse, sondern ließen Spielraum für mehr, als es ihnen die Originalversion zugesprochen hat. Besinnliches Eine musikalische Lesung mit der Charakterdarstellerin Suzanne von Borsody findet am Dienstag, 12. Dezember, 20 Uhr in der Stadthalle Beverungen statt. Sie trägt unter dem Titel „Erika oder der verborgene Sinn des Lebens" Texte von Elke Heidenreich vor. Vorverkauf: Kulturbüro Beverungen, Tel. (05273) 392223.

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