Vor 160 Oberstufenschülern: Autorin Daniela Ohms hat im Gymnasium Beverungen und in der Buchhandlung Lesbar auf Einladung der VHS aus ihrem Roman "Winterhonig" gelesen. - © Manuela Puls
Vor 160 Oberstufenschülern: Autorin Daniela Ohms hat im Gymnasium Beverungen und in der Buchhandlung Lesbar auf Einladung der VHS aus ihrem Roman "Winterhonig" gelesen. | © Manuela Puls

Beverungen Daniela Ohms liest ihren Roman „Winterhonig“ im Beverunger Gymnasium

160 Oberstufenschüler erfahren, wie ein Buch entsteht

Manuela Puls

Beverungen. Es war eine Premiere am Beverunger Gymnasium: Zum ersten Mal überhaupt gab es eine Autorenlesung in der Schule. Vor der versammelten Oberstufe hat die Berliner Schriftstellerin Daniela Ohms aus ihrem Roman „Winterhonig" gelesen. In der Aula hörten die etwa 160 Schülerinnen und Schüler Auszüge aus dem Buch, in dem Daniela Ohm die Lebenserinnerungen ihrer Großmutter verarbeitete und mit historischen und fiktiven Elementen vermischte. „Winterhonig" erzählt von der Zeit des Nationalsozialismus aus der Sicht eines Mädchens, das im Paderborner Land aufwächst. Mathilda erlebt als zehntes Kind eines Bauern eine entbehrungsreiche und grausame Zeit. Zum Beispiel als die Dorfbewohner und die SA sogenannte Zigeuner vertreiben und ihr Lager niederbrennen: „Menschen, die sie kannte, wurden zu Monstern." Daniela Ohms lässt die Schüler miterleben, wie Mathilda mithilfe ihres Freundes Karl die Sinti- und Roma-Kinder vor den Flammen rettet. Lehrer und Stadtheimatpfleger Christoph Reichardt berichtete, dass es in Wehrden ebenfalls so ein „Zigeuner-Lager" gegeben habe. „Die Wehrdener haben damals nach Berlin geschrieben und um Entfernung des Lagers gebeten", sagt Reichardt. Später entwickelt sich zwischen Karl und Mathilde eine Liebesgeschichte, auch wenn Mathildas streng katholischer Vater die Beziehung zu einem Protestanten verbietet. Karl muss im Krieg bei der Kavallerie dienen – und zwar unter den Brüdern von Boeselager, die später dem Widerstand gegen Hitler angehörten und im weiteren Umfeld am Stauffenberg-Attentat beteiligt waren. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden noch berittene Truppen eingesetzt, besonders im unwegsamen Russland waren Pferde gute Fortbewegungsmittel. Zwei Jahre hat Daniela Ohms recherchiert, um diesen zweiten Handlungsstrang historisch korrekt darzustellen. „Ich wollte eben nicht nur die Sicht Zuhause erzählen, sondern auch die männliche Sicht der Dinge, eben was Soldaten im Krieg erlebten", sagt die Schriftstellerin. Tatsächlich waren Philipp und Georg von Boeselager seinerzeit in der Kaserne in Paderborn-Schloß Neuhaus stationiert. Karl wird von den beiden Offizieren sogar eingebunden in die Planung eines eigenen, misslungenen Anschlags auf Hitler. Karl sagt: „Bei all den Menschen, die ich getötet habe – er wäre der einzige, den ich mir immer schon tot gewünscht habe." Daniela Ohms hat ihre Oma mit der Einarbeitung ihrer Erinnerungen einen großen Wunsch erfüllt: „Meine Großmutter hat das selbst alles aufgeschrieben, aber kein Verlag wollte es drucken", erzählt sie. Erst als die Enkelin (die sich bereits als Kinderbuch- und Fantasy-Autorin unter dem Pseudonym Daniela Winterfeld einen Namen gemacht hatte) sich des Stoffs annahm, wurde ein Buch daraus. Den Beverunger Oberstufenschülern gewährte Daniela Ohms noch einen Einblick in die Arbeit einer Schriftstellerin. Zum Beispiel erfuhren die Schüler, dass Autoren bei Titel, Klappentext und Cover-Gestaltung oft wenig mitreden können. „Die Verlage reden einem sogar in die Geschichte rein und man muss umschreiben", so die Schriftstellerin, die in Rheda-Wiedenbrück aufwuchs und zwei Töchter hat. Deswegen hat sie gemeinsam mit fünf Kolleginnen die „Ink Rebels" gegründet und will einige Bücher selbst herausbringen. Am Abend las Daniela Ohm noch in der Buchhandlung Lesbar. Ihr nächstes Buch erscheint übrigens im Frühjahr: „Wie Treibholz im Sturm" handelt von Flüchtlingen in der Nachkriegszeit in Schleswig-Holstein.

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