Ein Anwalt für Hunde: Tiertrainer Martin Rütter erzählt in seinem neuen Programm "Freispruch" von leichten und schwierigen Fällen aus seiner Praxis. - © Burkhard Battran||
Ein Anwalt für Hunde: Tiertrainer Martin Rütter erzählt in seinem neuen Programm "Freispruch" von leichten und schwierigen Fällen aus seiner Praxis. | © Burkhard Battran||

Beverungen Martin Rütter holt die Hunde von der Anklagebank

Mit neuem Programm in der Beverunger Stadthalle

Burkhard Battran

Beverungen. Man stelle sich vor, Comedian Mario Barth würde plötzlich fundiert über Hunde reden. Dann ist man möglicherweise in einem Bühnenprogramm von Hundeprofi Martin Rütter gelandet. Am Dienstag stand Deutschlands beliebtester Hundetrainer mit seinem neuen Live-Programm "Freispruch" vor 1.000 Zuhörern auf der Bühne der restlos ausverkauften Beverunger Stadthalle. "Das Programm heißt Freispruch, weil ich mich als Anwalt der Hunde betrachte, die von der Gesellschaft angeklagt werden. Und Sie im Saal werden am Ende jedes Falls entscheiden, ob der Hund freigesprochen wird oder ins Heim kommt", eröffnete der 47-jährige Duisburger, der heute in Köln lebt, seinen Abend in Beverungen. Die erste Angeklagte war "Kira", eine zweijährige Mischlingshündin. Zur Last gelegt wurde ihr Widerstand gegen die Staatsgewalt. Kira ist notorisch ungehorsam: "Es hilft schon viel, statt ,Komm?, einfach ,Hier? zu sagen, denn ,Komm? ist ein Allerweltsfüllwort. Dort, wo ich herkomme, sagt man sogar: ,komm geh weg?. Ein Hund kann damit nichts anfangen." An Mario Barth erinnerte die schnoddrige Art, mit der Rütter seine Fallerzählungen pointierte: "Wer mit einem Mops nicht klar kommt, sollte lieber gleich bei Meerschweinchen bleiben." Anders als bei dem Berliner Comedian ist die Pointe bei Rütter kein Selbstzweck, sondern folgt einer inhaltlichen Botschaft: "Ein Hunderudel ist keine Diktatur, sondern hat mit Intelligenz zu tun. Für den Menschen gilt, dass er immer einen Schritt schlauer sein sollte als sein Hund. Allerdings stößt das bei vielen Hundehaltern schnell an natürliche Grenzen." Schätzungsweise 99 Prozent der Zuhörer hatten selbst mindestens einen Hund zuhause. Aber auch wenn man keinen Hund hat, gab es doch erhellende Momente. »Man muss die Situation mal aus der Hundeperspektive betrachten« So erläuterte Rütter einleuchtend das Phänomen, warum ausgerechnet Postboten überdurchschnittlich häufig von Hunden gebissen werden: "Man muss die Situation mal aus der Hundeperspektive betrachten: Der Hund liegt gemütlich da, plötzlich rumort es an der Tür. Der Hund springt auf, gibt Laut - und siehe da, der ungebetene Gast trollt sich. Aber anscheinend kapiert er es nicht und kommt jeden Tag wieder. Da ist mal eine richtige Lektion fällig, denkt sich der Hund. Und Hunde sind schlau. Unter Tausenden von Golfs kennt der Hund bald ganz genau das Geräusch des Postboten-Fahrzeugs. Dann legt er sich auf die Lauer. Und irgendwann erwischt er den Zusteller." Natürlich weiß Hundeprofi Rütter das Problem zu lösen. Postboten würden sicherer leben, wenn sie sich vorab mit einem Glöckchen bemerkbar machen würden und den Hund mit einem Leckerli gewogen machten. Dann würde aus dem ungebetenen Gast in kürzester Zeit ein guter Freund. Das wäre für die Post allemal billiger als die vielen Krankheitsausfälle durch Hundebisse: "Ich habe mit der obersten Zustellchefin über das Problem geredet, die selbst eine große Hundefreundin ist. Aber die Rechtsabteilung der Post sagt, dass - wenn nur ein einziger Hund auf das Leckerli allergisch reagiere - , hieße es sofort in der Presse, dass die Post Hunde vergifte. Darum lassen sie lieber weiterhin die Zusteller schreddern." Der Auftritt in Beverungen war einer von rund zwei Dutzend Warm-Up-Terminen für das neue Programm. Weitere Warm-Up in OWL sind am 11. Dezember in Bünde und am 13. Dezember in Gütersloh. Die offizielle Premiere ist am 19. Januar in Cottbus. In OWL ist Martin Rütter dann erst wieder in einem Jahr, am 16. November 2018, in Bielefeld zu sehen. Warm-Up-Auftritte sind auch dazu da, noch etwaige Verbesserungen am Programm vorzunehmen. Das täte auch "Freispruch" an einigen Stellen gut. Es ist sicher ehrenhaft von Rütter, die politische Flüchtlingsdiskussion mit einem Toleranz-Appell zu verbinden. Sehr gelungen war in diesem Zusammenhang auch das Bild von einem Deutschen Schäferhund und einem Afghanen, die gemeinsam über eine Wiese tollen. Aber die Aussage, Hundehalter seien tolerant, nur weil sie eine Vorliebe für fremdländische Rassen haben, war etwas zu sehr an den Fellen herbeigezogen.

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