Wirtschaftsförderer Dr. Heinz-Jörg Wiegand, Gastreferent Dr. Ludger Schuknecht, Bürgermeister Burkhard Deppe und Baudezernent Markus Baier (v. l.). - © FOTO: BAT
Wirtschaftsförderer Dr. Heinz-Jörg Wiegand, Gastreferent Dr. Ludger Schuknecht, Bürgermeister Burkhard Deppe und Baudezernent Markus Baier (v. l.). | © FOTO: BAT

Bad Driburg Merkels Super-Ökonom erklärt die Finanzwelt

Aus Bad Driburg stammender Experte Dr. Ludger Schuknecht referiert vor 70 Zuhörern über die Euro-Krise

Bad Driburg (bat). Eigentlich hätte er mit der Bundeskanzlerin nach Russland reisen sollen. Doch er hat Angela Merkel abgesagt. "Ich bin ein Mensch, der zugesagte Verpflichtungen einhält und da dieser Termin bereits sehr lange feststand, gab es auch keinen Anlass, daran zu rütteln", sagte Dr. Ludger Schuknecht (49), Leiter der Grundsatzabteilung des Bundesfinanzministeriums.

Auf Einladung des städtischen Wirtschaftsförderers Dr. Heinz-Jörg Wiegand war Schuknecht am Freitagabend Gastredner des Jahresvortrags der Bad Driburger Wirtschaftsförderung. "Ich freue mich, dass so viele Interessenten gekommen sind, sich aus erster Hand über eine sehr komplexes Thema informieren zu lassen", begrüßte Bürgermeister Burkhard Deppe die rund 70 Zuhörer im großen Saal des Rathauses. "Es wird aktuell viel über Vortragsgelder geredet, weshalb ich direkt klar stellen möchte, dass Ludger Schuknecht hier ohne Honorar spricht, sondern nur eine Aufwandsvergütung im Wert einer Zugfahrkarte von Altenbeken nach Bad Driburg erhält", sagte Wirtschaftsförderer Wiegand.

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Auch die Kanzlerin wird Schuknecht den Korb verzeihen, hat er doch auch in Bad Driburg das Vertrauen in die Politik der Bundesregierung gestärkt. Die Nachrichten über die Euro-Krise hören sich oft an, als ginge es um einen Flächenbrand. Und falls da einer gewesen sein sollte, so hat die Finanzfeuerwehr den inzwischen im Griff, lautete Schuknechts Botschaft.

"Insgesamt befindet sich die Wirtschaft in der Eurozone auf einem moderaten aber stabilen Wachstumstrend. Auch die Krisenstaaten sind auf dem Weg zurück in die Normalität", sagte Schuknecht. Bis 2017 hätten Krisenstaaten wie Griechenland, Spanien, Irland, Portugal und Italien ihr Staatsdefizit eingedämmt.

Insgesamt haben die Länder der Eurozone - allen voran Deutschland - mehr als eine Billion Euro in die verschiedenen Rettungsschirme eingestellt. Eine gigantische Summe, die sich ein Otto Normalverbraucher schon gar nicht mehr vorstellen kann. "Das Geld ist nur geliehen und nicht geschenkt und wird - Griechenland einmal ausgenommen - auch von den anderen Staaten vollständig zurückgezahlt", sagte Schuknecht. Auch gehe er nicht davon aus, dass eine Billion Euro benötigt wird. "Wir müssen den Schirm so groß machen, damit nicht dagegen spekuliert werden kann", erklärte Schuknecht. Der aus Bad Driburg stammende Volkswirt verteidigte den Rettungsschirm als wichtiges wirtschaftspolitisches Instrument. "Die Zahlen belegen ja, dass die Reformen greifen, aber das Vertrauen der Märkte ist noch nicht wieder hergestellt, darum brauchen wir diese Möglichkeit einer Überbrückungsfinanzierung, was ja auch in anderen Zusammenhängen schon mehrfach erfolgreich angewandt worden ist", sagte Schuknecht.

Ludger Schuknecht stammt aus Bad Driburg, wo die Eltern Gertrud und Dr. Franz Schuknecht auch heute noch zu Hause sind. Der Vater war langjähriger Leiter des Bad Driburger städtischen Gymnasiums, das auch Ludger Schuknecht besucht hat. Studiert hat Ludger Schuknecht, in München, Konstanz und Washington. Im letzten Jahr hat Finanzminister Wolfgang Schäuble Ludger Schuknecht zum Leiter der Grundsatzabteilung seines Ministeriums gemacht. Vorher war Schuknecht fiskalpolitischer Abteilungsleiter der Europäischen Zentralbank.

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