Begeisternd: Das Klarinettenquartett mit Wilfried Drüke, Manuel Troike, Ulrich Winsel und Marcus Wischer sorgte für die Musik. - © Simone Flörke
Begeisternd: Das Klarinettenquartett mit Wilfried Drüke, Manuel Troike, Ulrich Winsel und Marcus Wischer sorgte für die Musik. | © Simone Flörke

Bad Driburg 1.150 Jahre: Neuenheerse feiert Geburtstag

1.150 Jahre: Volles Haus beim Auftakt des Jubiläumsjahres in der Alten Dechanei. Festredner Lothar Hamelmann begeistert mit einem Vortrag über die Damen, die den Anfang machten

Simone Flörke

Neuenheerse. Volles Haus, gut gelaunte Gastgeber und Gäste, ein ebenso interessanter wie kurzweiliger Festvortrag, lobende Worte für die Gemeinschaft mit starker Verbundenheit zur Heimat: Der Auftakt zum Dorfjubiläum war gelungen und macht Lust auf mehr. 1.150 Jahre jung wird Neuenheerse – und zum Festakt, zudem der Bezirksausschuss unter dem Jubiläumsmotto „Zusammen leben – gemeinsam feiern“ in die Alte Dechanei eingeladen hatte – war ein würdiger und mehr als gut besuchter Einstieg in die weiteren Feierlichkeiten. Schließlich gibt es im Jubeljahr sogar noch weitere Jubiläen und runde Geburtstage zu feiern: Die Feuerwehr wird 90, das Freibad 80, die Schützen 425 und die Nethehalle 50. MODERATOR Der Syndikus und Stiftsamtmann Friedrich Georg Waldeyer führte mit Frack, Zylinder und Schärpe mit launigen Worten durch den gut einstündigen Festakt, dem ein Gottesdienst mit Pfarrer Hubertus Rath und Musik der Stadtkapelle Bad Driburg vorausgegangen war. In die Rolle des Amtmanns, der von 1766 bis 1808 lebte und die letzten sechs Jahre seines Lebens in Neuenheerse wirkte, schlüpfte Berthold Lüke, bekannt vom Theaterspielen im Eggedorf. So erinnerte er humorvoll an Begebenheiten aus des Amtsmannes Zeiten, beispielsweise an einen 18 Jahre währenden Prozess des Stiftes mit dem Kloster Hardehausen wegen acht gelieferter Schweine, die wohl „nicht feist genug“ gewesen sein sollten. BEZIRKSAUSSCHUSS „Wer seine Heimat liebt, muss sie verstehen“, sagte Heiko Bulk als Vorsitzender des Bezirksausschusses einleitend. Und wer sie verstehen wolle, der müsse in ihre Geschichte eintauchen – wie es viele Neuenheerser im Vorfeld zum Jubiläum getan hätten. Er würdigte das Engagement des Organisationsteams und dankte allen Beteiligten. STADT „Wer die Vergangenheit nicht kennt, der kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“, zitierte Bad Driburgs Bürgermeister Burkhard Deppe in seinen Gratulationsworten. Mit ihrem Motto ständen die Neuenheerser für den lebendigen Gemeinschaftssinn, der in ihrem Dorf gelebt werde, zollte er ihnen Respekt und Lob. Diese Verbundenheit wolle man mit den Feierlichkeiten weiter stärken. Denn der Ort – mehrfach prämiertes Golddorf – habe seine Identität bis heute bewahren können. „Das erklärt die Begeisterung der Bürger bei der Vorbereitung“, sagte Deppe. Er verwies auf die Zeugnisse der Vergangenheit von rund 50 Generationen, auf die Werte dieser Menschen und das Erbe, das es hochzuhalten und zu respektieren gelte: „Auf dieses wertvolle Kulturgut können Sie stolz sein.“ KREIS Eine Urkunde des Landrats hatte der stellvertretende Landrat Heinz-Günter Koßmann als Geschenk mitgebracht: „Sie haben sich ordentlich ins Zeug gelegt und ein tolles Festprogramm auf die Beine gestellt.“ Die vielen helfenden Hände zeugten von einer „beispielhaften Zusammenarbeit“ und ließen mit Zuversicht und Ideen in die Zukunft schauen. „Unsere Dörfer sind die Seelen des ländlichen Raumes, die wir an die kommenden Generationen übergeben“, betonte Koßmann. FESTREDNER „Den Anfang machten die Damen“: Unter dieser Überschrift stellte Oberstudiendirektor a. D. Lothar Hamelmann, Mitglied des Ortsheimatpflegerteams, seinen gelungenen und mit viel Applaus bedachten Festvortrag zum geschichtlichen Abriss. Und er spannte einen Bogen von Varus und Karl dem Großen über die erste Äbtissin im sogenannten Kanonissenstift und die Säkularisation 1803 bis zur kommunalen Neugliederung 1975 und dem Europa der Gegenwart. Hamelmann machte deutlich, welcher Reichtum und welche Macht in den Händen der Äbtissin gelegen habe: Selbst die Kleriker seien Angestellte des Stiftes gewesen, der Bischof in Paderborn habe nur Prüfungs- und Zustimmungsrecht besessen. Auch seien dieser Reichtum (die Stiftsdamen trugen weiße Kleider, rote und mit Pelz verbrämte Umhänge sowie mit Gold durchwirkte Kopftücher) und die Freizügigkeit (sie mussten bis auf die Äbtissin nicht das ewige Gelübde ablegen, durften Vermögen und Wohnung behalten) den Herren in Paderborn ein Dorn im Auge gewesen. Freiräume hätten sich die Damen auch im Bereich der Bildung geschaffen: Mädchen lernten Lesen und Schreiben, die lateinische Sprache und studierten die Kirchenväter und die antiken Philosophen. Das Dorf und das Stift bezeichnete Hamelmann als eine Schicksalsgemeinschaft in Höhen und Tiefen, als eine Beziehung von wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung, deren Erbe es zu erhalten gelte. So schloss der Redner mit den Worten: „Neuenheerse möge leben, wachsen und blühen – ad multus annus (für viele Jahre).“ Das Festprogramm 4. März: kirchlicher Festakt am Tag der heiligen Walburga ab Mai Jubiläumsausstellung Stiftung Schröder FESTWOCHENENDE 5. Mai: 17 Uhr Festumzug; ab 17.10 Uhr Vorstellung der Vereine und Gruppe auf Höhe des Ehrenmals; gegen 18.30 Uhr Einzug in die Nethehalle; 19 Uhr Festansprache; ab 19.30 Uhr Tanz und Feier mit einer Live-Band 6. Mai: 10 bis 11 Uhr Festgottesdienst in der Nethehalle; 11 bis 13 Uhr Familienfrühschoppen mit Blasmusik und Gulaschkanone; ab 13 Uhr Theatervorstellung mit historischen Szenen in zwei Episoden; Kaffee und Kuchen sowie ganztägig Kinderprogramm 24. Juni: 90 Jahre Feuerwehr Neuenheerse 7. Juli: Neuenheerser Triathlon 8. Juli: 80 Jahre Freibad Neuenheerse 10. bis 13. August: 425 Jahre Schützen Neuenheerse 28. August: Benefizkonzert des Heeresmusikkorps Kassel 16. September: Stiftsmarkt 22. September: Heimatgebietstag 3. Oktober: Jubiläumsschnadgang 10. Oktober: 50 Jahre Nethehalle Neuenheerse mit den Spitzbuam.

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