"Knödel" sollte seinen Lebensabend auf einem Gnadenhof in Bad Driburg verbringen. Mittlerweile fehlt von dem Pferd jede Spur. - © Niebur
"Knödel" sollte seinen Lebensabend auf einem Gnadenhof in Bad Driburg verbringen. Mittlerweile fehlt von dem Pferd jede Spur. | © Niebur

Bielefeld/Paderborn/Bad Driburg Verschwunden: Bielefelderin sucht nach ihrem Pferd "Knödel"

Nicole Niebur hatte den Wallach vor einem Jahr in die Obhut eines Gnadenhofes in Bad Driburg gebracht. Seit ein paar Wochen fehlt jede Spur des Pferdes – zuletzt stand das Tier auf einer Wiese in Paderborn

Viktoria Bartsch

Bielefeld/Paderborn/Bad Driburg. Nicole Niebur aus Bielefeld gibt die Suche nach Knödel nicht auf. Der Wallach ist seit August von einer Weide in Paderborn verschwunden – was genau mit dem Tier passiert ist, lässt sich nur vermuten. Vor gut einem Jahr hat sie Knödel, der offiziell "Heavens Little Jewel" heißt, zu Herbert H. auf einen Gnadenhof nach Bad Driburg gebracht. Nach vielen Jahren Westernreiten sollte das gesundheitlich angeschlagene Pferd dort noch einen glücklichen Lebensabend verbringen. Ein Schutzvertrag wurde aufgesetzt und Niebur übernahm eine Art Patenschaft für das Pferd und überwies monatlich 75 Euro an Herbert H. - damit es Knödel gut geht. Regelmäßig habe sie Fotos auf ihr Handy zugeschickt bekommen. "Deswegen habe ich mir erst einmal gar nichts dabei gedacht", sagt die 44-Jährige. "Ich hatte immer das Gefühl, auf dem Laufenden gehalten zu werden." Auch darüber, dass das Pferd auf eine Wiese nach Paderborn gebracht wurde, habe Herbert H. sie informiert. "Eine Adresse hat er aber nie genannt, immer mit der Begründung, dass es dort keine Straßennamen gebe", erzählt Niebur. Doch mit der Zeit wurde die Bielefelderin stutzig. Immer wenn sie Knödel besuchen wollte, habe Herbert H. abgewiegelt. Am 4. Dezember habe er ihr dann mitgeteilt, dass das Pferd um 16 Uhr verstorben sei. "Daraufhin wollte ich hinfahren", erinnert sie sich. "Er hat mir dann aber erzählt, dass das Pferd bereits vom Tierkörpertransport abgeholt worden sei." Doch das bezweifelte Niebur, die selber viele Jahre Erfahrung im Reiterwesen hat. "Nach 16 Uhr fährt der Tierkörpertransport nur im Notfall raus", sagt sie. Niebur fragte nach dem Equidenpass des Tieres und einer Bescheinigung darüber, dass Knödel abgeholt wurde. Beides konnte Herbert H. nicht vorweisen, so Niebur. Er habe ihr aber zugesagt, den Pass per Post an sie zu schicken. Zum Schlachter gegeben Der entscheidende Tipp, wo Knödel in Paderborn genau gestanden hat, kam von einer Bekannten. "Wir sind hingefahren, um natürlich zu schauen, ob er da doch noch steht." Doch ohne Erfolg. Mittlerweile habe sie so viele Hinweise und auch Fotos bekommen, dass Niebur sich sicher ist, dass Knödel auf dieser Wiese gestanden hat. Tags darauf in Bad Driburg habe Herbert H. ihr dann erzählt, er habe das Pferd an einen Schlachttransport in den Osten gegeben und versucht, ihr 150 Euro zu geben mit den Worten: "Damit hat sich das dann wohl erledigt." Niebur nahm das Geld nicht an. Als sie abends in ihrem Briefkasten schaute, lag darin der Equidenpass von Knödel. Sie erstattete Anzeige und machte ihre Suche nach Knödel im Internet bekannt. 1.000 Euro Belohnung hat sie für Hinweise auf den Verbleib des Pferdes ausgesetzt. Viele Pferdebesitzer haben sich daraufhin bei ihr gemeldet - so werden beispielsweise der Wallach Titan und der Wallach Riccartos ebenfalls vermisst. "Immer mehr Menschen stellen fest, dass sie wohl für Pferde zahlen, die es vielleicht gar nicht mehr gibt", sagt Niebur. Die Wahrheit herausfinden Mittlerweile vermutet die Bielefelderin, dass Knödel tot ist. "Uns geht es einfach darum, die Wahrheit herauszufinden und andere zu warnen." Was genau mit den Tieren passiert, darüber lässt sich nur mutmaßen. "Entweder er macht sie wieder fit und verkauft sie weiter oder er gibt sie an einen Schlachter", sagt Niebur. "Wahrscheinlich macht er sogar beides." Als Pferdehalter sei Herbert H. nicht mehr im Kreis Höxter gemeldet, so ein Kreissprecher. In der Vergangenheit habe es jedoch Hinweise aus der Bevölkerung gegeben – Mitarbeiter des Veterinäramtes hätten daraufhin den Gnadenhof kontrolliert und "keine gravierenden Mängel festgestellt", so der Sprecher. Auch nach mehrmaligem Versuch war Herbert H. nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

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