Erinnerung: In einem Rollenspiel riefen die Gymnasiasten an der Sandsteinstele vor dem ehemaligen Haus der jüdischen Familie Schiff die Ereignisse der Pogromnacht und die Verbrechen des NS-Regimes gegen die Menschlichkeit ins Gedächtnis. Fotos: Silke Riethmüller|| - © Silke Riethmüller
Erinnerung: In einem Rollenspiel riefen die Gymnasiasten an der Sandsteinstele vor dem ehemaligen Haus der jüdischen Familie Schiff die Ereignisse der Pogromnacht und die Verbrechen des NS-Regimes gegen die Menschlichkeit ins Gedächtnis. Fotos: Silke Riethmüller|| | © Silke Riethmüller

Bad Driburg Driburger Schüler gedenken der Pogromnacht

In Rollenspielen erinnern sie an die Opfer eines menschenverachtenden Regimes

Silke Riethmüller

Bad Driburg. Am Donnerstag jährte sich die sogenannte Pogromnacht, in der deutschlandweit Synagogen und andere jüdische Einrichtungen verwüstet, zerstört und in Brand gesetzt wurden. Im ganzen Land wird an diesem Tag der Opfer eines menschenverachtenden Regimes gedacht. Auch das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde in der Bad Driburger Schulstraße wurde in dieser Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 schwer beschädigt. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers sahen sich die unter ihren Mitbürgern bis dahin hoch angesehenen jüdischen Familien in Bad Driburg, darunter Kaufleute, Stadtverordnete und ehemalige Schützenkönige, zunehmend den Repressalien der Nationalsozialisten ausgesetzt. Ihre Geschäfte wurden boykottiert, ihre Söhne und Töchter in der Schule von Lehrern und Mitschülern verspottet. Vor dem ehemaligen Haus der Familie Schiff an der oberen Langen Straße erinnert eine Sandsteinstele an die jüdischen Bürger der Badestadt, die durch den Rassenwahn des NS-Regimes gedemütigt, entrechtet, vertrieben und ermordet wurden. An dieser Stelle versammelten sich gestern Vormittag auch in Bad Driburg viele Bürgerinnen und Bürger, um der Männer, Frauen und Kinder aus ihrer Stadt zu gedenken, die dieser menschenverachtenden Ideologie zum Opfer fielen. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums St. Xaver hatten die Gedenkstunde vorbereitet, die in diesem Jahr in der Schulkirche begann. In einem Rollenspiel erinnerten die Neuntklässler dort an Pater Franz Riepe. Der damalige Rektor des Missionshauses wurde im Februar 1941 von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt, wo er am 13. August 1942 an den Folgen eines monatelangen Martyriums starb. An der Stele am Alten Markt zeichneten die Gymnasiasten dann vor zahlreichen, vor allem jungen Zuhörern, in Form eines fiktiven Interviews mit einer Zeitzeugin unter anderem die dramatischen Ereignisse der Pogromnacht nach, verlasen Fürbitten und zündeten Kerzen an. So setzten die Schüler auch ein sichtbares Zeichen wider das Vergessen. Denn damit die Spuren nicht verblassen, braucht es die Erinnerung. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkstunde vom Musikleistungskurs der Jahrgangsstufe 11 am Gymnasium St. Xaver. "Sorgen wir dafür, dass die Würde des Menschen für uns alle immer an erster Stelle stehen wird", mahnte auch Christa Heinemann. Die stellvertretende Bürgermeisterin betonte: "Behalten wir diesen denkwürdigen Tag in der deutschen Geschichte im Gedenken und geben die Erinnerung an unsere Jugendlichen weiter, damit unser Land ein offenes, demokratisches und liberales Land bleibt". Ihr besonderer Dank galt den Schülern sowie den Lehrern und der Schulleitung des Gymnasiums St. Xaver, die diese bewegende Gedenkstunde zur Pogromnacht vorbereitet hatten.

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