Temperamentvoller Großwildjäger: Fritz Bernhardy (Heinz Grewe, l.) stattet Philipp Klapproth (Peter Söthe) einen unangekündigten Besuch ab. Der rüstige Rentner ist entsetzt, glaubt er doch an einen Ausbruch des vermeintlich Geisteskranken. - © Silke Riethmüller
Temperamentvoller Großwildjäger: Fritz Bernhardy (Heinz Grewe, l.) stattet Philipp Klapproth (Peter Söthe) einen unangekündigten Besuch ab. Der rüstige Rentner ist entsetzt, glaubt er doch an einen Ausbruch des vermeintlich Geisteskranken. | © Silke Riethmüller

Bad Driburg Premiere: Heimatverein Reelsen begeistert mit Pension Schöller

Premiere: In Reelsen bringt die Theatergruppe des Heimatvereins „Pension Schöller“ auf die Bühne der Martinushalle. Schon seit 20 Jahren begeistern die Akteure mit ihren Aufführungen das Publikum

Silke Riethmüller

Reelsen. In Kyritz an der Knatter ist der sprichwörtliche Hund verfroren. Den Ort, in dem das Lustspiel aus der Feder von Wilhelm Jacoby und Karl Laufs in Teilen spielt, und das der Reelser Heimatverein in der Martinushalle spielt, gibt es übrigens wirklich. Er liegt in Brandenburg und ist vor allem bekannt für das hier seit dem Mittelalter gebraute Schwarzbier namens „Mord und Totschlag" oder den Gassenhauer „Heut ist Karneval in Kyritz an der Knatter". Hier lebt auch der Protagonist des Stücks: Der überzeugte Junggeselle Philipp Klapproth (Peter Söthe) wohnt zusammen mit seiner Schwester Ulrike (Anke Söthe) und deren Töchtern Ida (Barbara Schicktanz) und Franziska (Jacqueline Hein) auf einem Gutshof in dem beschaulichen Örtchen, in dem weder das dörfliche Leben pulsiert, noch täglich die Post abgeht. So klein das Dorf, so groß ist allerdings das Ego von Klapproths Stammtischbruder. Der prahlt stets mit seinen Erlebnissen in der großen Stadt. Ein Umstand, den der rüstige Rentner möglichst schnell zu ändern gedenkt. Also reist Klapproth mit seiner Familie in das nahe gelegene Berlin. Dort angekommen genießen die Damen die Atmosphäre der pulsierenden Metropole. Onkel Philipp ist dagegen schwer im Freizeitstress. Gilt es doch, den großmäuligen Kumpel daheim in Kyritz zu übertrumpfen. Kurzerhand schickt Klapproth seine Schwester mitsamt den Nichten wieder nach Hause und bittet seinen Neffen Alfred (Norbert Freitag) ihn in eine Heilanstalt für Geisteskranke zu bringen. Davon verspricht sich der Pensionär nämlich spannende Abenteuer. Und abenteuerlich ist das, was Klapproth in der Pension Schöller erlebt, dann auch tatsächlich. Herrlicher Spaß für das Publikum Allerdings führt Neffe Alfred seinen Onkel mitnichten wie gewünscht in eine „Klapse", sondern verschafft ihm eine Einladung zu einem Gesellschaftsabend in besagter Familienpension. Nichtsahnend wähnt sich der Gutsbesitzer dort mitten unter den „Bekloppten". Zugegeben: Verhaltensoriginell sind die Gäste von Pensionsinhaber Schöller (Torsten Gemmeke) allemal. Da ist Schöllers Neffe Eugen (Uwe Schicktanz), der trotz seines Sprachfehlers – statt eines L spricht er stets ein N – eine Bühnenkarriere anstrebt und unablässig die großen Meister rezitiert. Darunter die „Gnocke von Schinner" oder Shakespeares „König Near". Ein herrlicher Spaß nicht nur für das Publikum – vor allem, wenn Schicktanz mit einem Weinkorken im Mund Sprechübungen absolviert oder dem erstaunten Besucher erklärt „Ich niebe Zitronenronne, für ein Stück Zitronenronne nieße ich mein Neben". Turbulent wird der Abend in der Pension Schöller auch durch die Begegnungen Klapproths mit der ziemlich schrägen und zum Leidwesen aller Anwesenden ebenso schräg singenden Schriftstellerin Josephine Krüger (Sabine Gemmeke), dem draufgängerischen Großwildjäger Fritz Bernhardy (Heinz Grewe) oder dem streitlustigen Major a.D. Gröber (Andreas Mügge). Bezug zum aktuellen Zeitgeschehen Ein augenzwinkernder Bezug der Theatergruppe zum aktuellen Zeitgeschehen. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden Personen wären rein zufällig. Richtig kompliziert wird es allerdings, als die Gäste der Pension Schöller dem inzwischen in die Heimat zurückgekehrten Klapproth auf die Bude rücken. Der wähnt sich angesichts des Auftauchens der vermeintlich Geisteskranken in seinem Haus inmitten eines Massenausbruchs und hat alle Hände voll zu tun, den ungebetenen Besuch wieder einzufangen. Am Ende scheinen sie alle ein wenig verrückt, auch Philipp Klapproth – oder doch wie ganz normale Leute? Die Akteure auf der Bühne der Reelser Martinushalle begeistern unter der Regie von Arno Adam und Uwe Schicktanz allesamt mit der gelungenen Umsetzung der verschrobenen Charaktere. Jeder Einzelne weiß dabei zu überzeugen. Ein kurzweiliger Theaterabend an dem neben den Schauspielern auch viele weitere Helfer vor und hinter der Bühne beteiligt waren und der mit langanhaltendem Applaus des Premierenpublikums gekrönt wurde.

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