Zerknirscht: Der Altenbekener Bürgermeister Hans Jürgen Wessels (r.) im Bad Driburger Ratssaal. - © Foto: Wolfgang Tilly
Zerknirscht: Der Altenbekener Bürgermeister Hans Jürgen Wessels (r.) im Bad Driburger Ratssaal. | © Foto: Wolfgang Tilly

Bad Driburg/Altenbeken Altenbeken fühlt sich von Bad Driburg brüskiert und verspottet

Nach dem Eklat in der Bad Driburger Ratssitzung herrscht Eiseskälte zwischen den beiden Städten

Wolfgang Tilly

Bad Driburg/Altenbeken. Das Feuer im Streit zwischen Altenbeken und Bad Driburg um eine geplante Realschule aufseiten der Eggegemeinde schwelt weiter. Und es erhielt jetzt neuen Zündstoff. Nach dem offenen Briefwechsel beider Bürgermeister - Altenbekens erster Bürger Hans Jürgen Wessels (SPD) hatte seinem Amtskollegen Burkhard Deppe (CDU) direkt einen Beschlussvorschlag vorformuliert - war der Altenbekener Rat vor der eigenen Ratssitzung zu Gast in der Bad Driburger Veranstaltung Die Hoffnung: Das Bad Driburg die Realschulplanungen der Gemeinde Altenbeken nicht mehr verhindert und eine sachliche Diskussion darüber beginnt. Doch mit nicht einem Wort wurde im Bad Driburger Ratssaal auf die konkurrierende Schulsituation eingegangen. Die die Paderborner Gäste wurden schwer enttäuscht. Die Begrüßung durch Bürgermeister Deppe fiel oberflächlich betrachtet sehr herzlich aus. Er sprach dabei von einer schon jahrelang gut funktionierenden Partnerschaft und "gerade noch haben wir Altenbeken über die Egge die Hand gereicht und schon sind sie hier". Er dankte den Gästen demonstrativ, dass sie sich "so für die Themen der Tagesordnung wie die Breitbandversorgung von Bad Driburg interessieren. Mit keinem Wort begrüßte Deppe seinen Amtskollegen Wessels, genauso wenig wie ein persönliches Hallo mit Handschlag. Die Delegation fühlte sich durch diese ironischen Bemerkungen verspottet und brüskiert. "Wir hatten nicht viel erwartet, aber auch noch verspottet zu werden - das geht zu weit", sagte Wessels gegenüber Radio Hochstift. "Grauslich" nannte auch Neuenheerses Stadtverordneter Karl-Heinz Schwarze diesen Moment. Auf die Tagesordnung hatte es das Streitthema und die Altenbekener Petition schließlich nicht geschafft. Keine der Bad Driburger Ratsfraktionen war bereit, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Bereits nach einer halben Stunde brachen die Altenbekener gen Heimat auf. Nach der Ankunft im großen Sitzungssaal des Rathauses echauffierten sich die Bürgervertreter fraktionsübergreifend über die Behandlung bei den Nachbarn. Die Altenbekener seien als "Interessierte am Breitbandausbau begrüßt" worden, rekapituliert Wessels, "da fehlen einem am Ende die Worte". Die Erlebnisse in der Driburger Ratssitzung nennt Wessels, der übrigens selbst mal in der benachbarten Kurstadt zuhause war, "heftig". Auch Thomas Keuter (ABA) zeigt sich "bestürzt über die Haltung der Ratsmitglieder und des Bürgermeisters". Man habe Driburg die Hand reichen wollen, diese sei aber "weggeschlagen", sogar "abgehackt" worden, sagt Sozialdemokrat Ulrich Meyer. Hermann Striewe von der CDU mahnt indes zur Vorsicht: "Wir sollten nicht das ganze Porzellan zerschlagen." Deeskalation solle "das Zauberwort" sein. Eine Realschulgründung bleibt in Altenbeken das Ziel, das bestätigt Bürgermeister Wessels im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Dass das Kolping-Bildungswerk oder ein anderer externer Träger für das Projekt gewonnen werden kann, sei angesichts des Konflikts mit der Nachbarkommune aber zu bezweifeln. "Was wir haben, ist unsere eigene Stärke", betont Wessels. Darauf will sich die Gemeinde zukünftig besinnen. Ein Vorbild könne Rüthen sein, wo durch eine Bürger- und Elterninitiative eine Sekundarschule entstand. Nur dieser Weg scheine "erfolgversprechend", meint der Bürgermeister Wessels. Am Tag nach Sitzung gibt sich Bad Driburgs Bürgermeister Burkhard Deppe selbstkritisch. Deppe sagte im Gespräch mit Radio Hochstift: "Das ist vielleicht falsch rüber gekommen. Den Punkt in der Tagesordnung zuzulassen, das gibt die Gemeindeordnung nicht her. Mein Fehler ist vielleicht gewesen: Das hätte ich den Altenbekenern sagen sollen." Nach einer Pressenotiz der SPD-Fraktion, soll auf deren Antrag hin eine Sondersitzung des Schulausschusses sich mit dieser Thematik befassen, auch werden vom Driburger Bürgermeister Antworten erwartet.

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