Kristallisiert: Besucher Reinhard Eichner aus Reelsen und die Künstlerin Ludwika Ogorzelec als Teil der Skulptur. - © Elisabeth Affani
Kristallisiert: Besucher Reinhard Eichner aus Reelsen und die Künstlerin Ludwika Ogorzelec als Teil der Skulptur. | © Elisabeth Affani

Bad Driburg Ausstellung als Intervention im öffentlichen Raum

„Space Crystallization“: Raumkristallisation von Ludwika Ogorzelec bringt Licht in die Dringenberger Burg.Die Ausstellung ist bis 22. Oktober zu sehen

Elisabeth Affani

Dringenberg. „Dark Ages" nennt die vielseitige Künstlerin ihre Skulpturen, ortsbezogene Installationen aus Zellophanstreifen, die die Besucher der Ausstellungseröffnung im Burghof und im Rittersaal der Burg Dringenberg in den Bann zogen. Ludwika Ogorzelec, 1953 in Chobienia an der Oder geboren und seit 1985 in Paris lebend, stiftet keine fertigen Objekte. Für sie ist der jeweilige Raum Teil ihrer Installationen. Wie diese sich schließlich den Besuchern präsentieren, entscheidet sie intuitiv und vor Ort. „Ich will das Unsichtbare sichtbar machen", sagt die zierliche Künstlerin. Sie erklärt und interpretiert ihre Skulpturen nicht, sie nimmt nichts vorweg, um den Betrachtern die Gelegenheit zu geben, selbst zu schauen und eigene Gedanken und Emotionen zu entwickeln. Sie teilt den Raum, komprimiert ihn, „wiegt" ihn, analysiert ihn physisch, chemisch und akustisch. Sie fragt sich, welches Publikum etwa in die Dringenberger Burg kommt, welche Bedeutung diese als öffentlicher Raum hat, bevor sie ihre Netze spinnt und spannt. Die Burgmauern halten die filigrane Konstruktion fest. Ogorzelec entscheidet auch geografisch, indem sie die Proportionen und die Ästhetik der Umgebung in ihre Planung einbezieht, überlegt, welche Wirkung sie „kristallisieren" möchte. Die je nach Lichteinfall hell oder matt glänzenden Streifen der „technischen Seide", von denen etliche Kilometer verarbeitet werden, kreuzen sich unzählige Male, immer kleinere Strukturen bis hin zu „Kristallen" werden erzeugt. Wenn das Werk fertig ist, ist es wie eine Uraufführung. Hier kann man die Skulptur auch von innen erforschen und hindurchgehen Im Rittersaal bietet sich dem Betrachter zwar das gleiche Material, aber hier wird er fast zum Mitspieler. Hier schwebt die am Boden verankerte Skulptur nicht in der Luft über den Menschen, die die Hälse recken und die Köpfe verdrehen, um Eindrücke zu sammeln. Hier kann man durch die Skulptur hindurchgehen und sie auch von innen erforschen. Der schmiedeeiserne Radleuchter wird Teil des Kunstwerks, das die sehr dunkle Deckenfarbe des Saales gleichsam unsichtbar macht. Das Bedürfnis, Licht in den öffentlichen Raum zu bringen, lässt sich möglicherweise aus der Biografie der Künstlerin und den historischen Zwängen erklären, denen ihre Heimat zu Beginn der 1980er Jahre unterworfen war, als mit Solidarnosc und der Streikbewegung die politische Wende 1989 angebahnt wurde. Ihre einzigartigen Skulpturen stellte Ludwika Ogorzelec bereits weltweit erfolgreich aus, von Wroclaw über das australische Queensland, über New York, den Libanon und viele europäische Länder bis demnächst hin zum chinesischen Shanghai. Dass auch Dringenberg in den Genuss dieser Kunst kommt, ist dem Kunst- und Kulturverein ArtD Driburg zu verdanken und der tatkräftigen Mithilfe seiner Mitglieder, speziell der Kuratorin Dorit Croissier. „Burgherr" Johannes Georg und Monika Nauendorf vom Heimatverein sowie Cornelia Appel von ArtD Driburg und Dieter Figge, der in die Ausstellung einführte, hoffen auf weitere begeisterte Besucher bis zum 22. Oktober, zu den Öffnungszeiten jeweils mittwochs und samstags von 14 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17.30 Uhr.

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