Generationenvertrag: Der VDI Vorstand um Prof. Rainer Barnekow (v. r.), Karsten Ollesch und Jana Breuer möchte etwas von dem zurückgeben, was er selbst während des Studiums bekommen hat. - © Josef Köhne
Generationenvertrag: Der VDI Vorstand um Prof. Rainer Barnekow (v. r.), Karsten Ollesch und Jana Breuer möchte etwas von dem zurückgeben, was er selbst während des Studiums bekommen hat. | © Josef Köhne

Pömbsen/Paderborn Studierende der Uni Paderborn stellen am Bilster Berg ihre Prototypen vor

Der Verband der Ingenieure sponsert ein Racing-Camp

Josef Köhne

Pömbsen/Paderborn. Während es am Sonntag am Bilster Berg für die Motorbiker auf der Teststrecke ausschließlich um Tempo und Adrenalin geht, interessieren sich wenige 100 Meter davon entfernt junge Studierende nur peripher für hohe Geschwindigkeiten. Ihr Fokus ist auf die Technik der Fahrzeuge gerichtet, die sie im Team entwickelt und immer wieder verbessert haben. Nun stellen sie ihre Prototypen einer breiten Öffentlichkeit vor und demonstrieren in Testläufen deren hervorragende Fahreigenschaften. Am diesjährigen OWL-Racing-Camp beteiligen sich das UP-Bracing-Team der Uni Paderborn und das OWL-Racing-Team der Hochschule OWL. Als Gäste rollen das BlueFlash-E-Team der HAWK Göttingen, CAT-Racing Coburg und Herkules Racing Kassel über den etwa 30.000 Quadratmeter großen Parcours. Das Spannende an diesen „Studentenautos" sind die technischen Fein- und Besonderheiten, die die Studierenden den interessierten Besuchern gerne zeigen und ausgiebig erläutern. Da haben die Paderborner zum Beispiel Radnaben aus einem Material entwickelt, das nur einen Bruchteil der herkömmlichen Bauteile wiegt, und ihre federleichten Querlenker aus Carbon erinnern eher an einen Interessantes haben die in Paderborn Studierenden über die Motortechnik zu berichten. Ein während des Betriebes in der Länge veränderbares Ansaugrohr kann die Zylinderfüllung und damit die Motorleistung verbessern. Geregelt wird das über den Bordcomputer, der ständig alle relevanten Daten abruft. Aber auch in der Fahrwerkstechnik geht das Team aus Paderborn neue Wege. So werden zum Beispiel Stoßdämpfer und Schraubenfedern waagerecht angeordnet und mittels einstellbarer Stabilisatoren miteinander verbunden. Auch hier kommt nur hochwertiges, langlebiges und leichtes Material zum Einsatz. Mit modernen E-Antrieben befasst sich das Blue-Flash E-Team der HAWK Göttingen. Sein aktueller Prototyp wird von zwei 25-Kilowatt-E-Motoren angetrieben, die von 58,8-Volt-Batterien gespeist werden. Im vergangenen Jahr stellten die Göttinger das drittleichteste E-Fahrzeug (FSG 2016) überhaupt vor. Unterstützer der lokalen Racing-Teams und des OWL-Racing-Camps am Bilster Berg ist der Bezirksverband OWL des Verbandes Deutsche Ingenieure (VDI). Was der Verein Deutscher Ingenieure mit seinem Engagement bezweckt, erläutert der Vorstandsvorsitzende des Bezirksverbands OWL, Rainer Barnekow. „Wir möchten junge Leute für die Technik begeistern. Wir machen das in den Kindergärten und in den Schulen. Dieses hier machen wir in den Hochschulen und Universitäten, praktisch kurz bevor die Leute ins Ingenieurswesen gehen. Die Studierenden bauen eigenverantwortlich und selbst organisiert diese Rennwagen. Der VDI unterstützt sie insofern, als er Events, wie das hier am Bilster Berg, fördert und mitfinanziert." Rainer Barnekow zufolge liegt der Schwerpunkt der Studien nicht so sehr auf der Motorentechnik, sondern mehr auf der Fahrwerks- und Antriebstechnik (Kraftübertragung), die sowohl bei Verbrennungs- als auch bei E- Motoren zum Einsatz kommt. Wichtig ist ihm der Hinweis, dass die Studierenden in Teams zusammenarbeiten, die aus Maschinenbauern, Mathematikern, Elektronikern und Betriebswirtschaftlern bestehen. „Jede Kardanwelle, jedes Getriebe, jede Schraube wird einzeln getestet und berechnet, so dass letztlich jedes Detail in die Kalkulation einfließt", so Barnekow. „Entscheidend sind Gewichtsreduzierung, geringe Luftwiderstände sowie eine optimale Energieeffizienz." Für den stellvertretenden Leiter der VDI-Bezirksgruppe, Karsten Ollesch, ist der später einmal verwendete Motor im Kontext mit Formula Student ebenfalls nicht das Entscheidende. „Die jungen Menschen arbeiten sich in modernste Technologien ein. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, wie viele Teile des Chassis bereits aus Carbon im 3D-Druck hergestellt werden. Es erstaunt immer wieder, wo noch Verbesserungen möglich sind." Rainer Barnekow zufolge trägt der VDI die Kosten für den Event am Bilster Berg in voller Höhe. „Wir sehen das als Generationenvertrag, in dem wir etwas von dem zurückgeben, was wir selbst bekommen haben." Die Dritte im Bunde der Unterstützer ist Jana Breuer. Sie ist Projektingenieurin in einem heimischen Maschinenbauunternehmen, und sie ist begeistert vom Teamgeist der Fahrzeugbauer. „Es ist erstaunlich, wie gut und konstruktiv die Spezialisten aus den unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten und sich ergänzen." Über ihre Mitarbeit im VDI sagt die 28-Jährige, die in Lemgo ihren Master machte: „Ich bin noch nicht lange dabei, aber ich kann nur allen raten, im VDI mitzuarbeiten."

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