Verstärkt, seziert, wiederholt: Zur Klangerzeugung nutzt das Künstlertrio Hilfsmittel. Angelika Höger und Peter Schwieger entlocken dem Relief des Dringenberger Wappens Töne mithilfe von Farbpinseln. - © Silke Riethmüller
Verstärkt, seziert, wiederholt: Zur Klangerzeugung nutzt das Künstlertrio Hilfsmittel. Angelika Höger und Peter Schwieger entlocken dem Relief des Dringenberger Wappens Töne mithilfe von Farbpinseln. | © Silke Riethmüller

Dringenberg Klangperformance: Ungehörtes wird im Historischen Rathaus hörbar

Die Zuhörer gehen auf akustische Entdeckungsreise mit dem Künstlertrio "Geplante Obsoleszenz"

Silke Riethmüller

Dringenberg. Vor dem Klang steht die Stille. Absolute Stille. Keine Gespräche, kein Räuspern, die Handys sind aus. "Geplante Obsoleszenz", so nennen sich die drei Klangkünstler Marcus Beuter, Angelika Höger und Peter Schwieger, die ihre Zuhörer im Historischen Rathaus in Dringenberg zu einer akustischen Entdeckungsreise einluden. Dafür verkabeln sie Garderobenständer, Treppenstufen, Fensterscheiben, Fußböden oder eben die Holzbalken im Ausstellungsraum des Historischen Rathauses. Das Klangkunstprojekt "Schwellenbereiche" bewegt sich zwischen Performance, Geräuschmusik und öffentlich gemachtem Experiment. Dabei erkundet das Trio Räume, Materialien, Themengebiete. Um die Möglichkeiten der Klangerzeugung auszuschöpfen, werden außergewöhnliche Hilfsmittel wie Drahtbürste, Kleiderbügel, Pinsel oder Geigenbogen genutzt. Kontaktmikrofone machen dann das bisher Unhörbare hörbar. "Manchmal aber auch Ungesehenes sichtbar", so die Künstler. In jedem Fall bleibt Faszination. Die so gefundenen Klänge werden unmittelbar verstärkt, seziert, wiederholt und teilweise mit Effekten bearbeitet. Ihre Eigenheiten werden analysiert und besondere Merkmale herausgestellt. So verknüpfen sich visuelle Eindrücke mit ungewöhnlichen Hörerlebnissen. Bei aller Spontaneität gibt es dennoch eine vorher festgelegte Abfolge, in der die Zuhörer durch die Inszenierung geführt werden. Bereits seit 2009 beschäftigen sich Beuter, Höger und Schwieger mit elektroakustischen Klangprojekten. Die Räume des Kunstvereins ART D Driburg im Historischen Rathaus in Dringenberg bildeten die erste Station des Klangexperiments "Schwellenbereiche", das sich aus fünf raumbezogenen Aufführungen entwickelt. Weitere Infos und Klangbeispiele gibt es unter www.geplante-obsoleszenz.eu

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