Neue Technik: In der Smart-Factory zeigen Mischa Gutknecht-Stöhr (v. l. , Fraunhofer), Erwin Bartsch (Technology-Chef Integ),Björn Kroll (Fraunhofer-Projektleiter), Ivo Zielonka (Integ-Geschäftsführer) und Marcel (Integ-Mitarbeiter) das System. - © Nadine Uphoff
Neue Technik: In der Smart-Factory zeigen Mischa Gutknecht-Stöhr (v. l. , Fraunhofer), Erwin Bartsch (Technology-Chef Integ),Björn Kroll (Fraunhofer-Projektleiter), Ivo Zielonka (Integ-Geschäftsführer) und Marcel (Integ-Mitarbeiter) das System. | © Nadine Uphoff

Bad Driburg Anspruchsvollere Jobs für Menschen mit Behinderung

Hochschule, Fraunhofer und die Firma Integ haben ein Assistenzsystem entwickelt

Nadine Uphoff

Bad Driburg/Lemgo. „Unsere Aufgabe ist es, Menschen mit Behinderungen zu fördern und sie so auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten“, sagt Ivo Zielonka. Er ist Geschäftsführer von Integ. Das Bad Driburger Unternehmen produziert elektronische Teile und beschäftigt sowohl Menschen mit als auch ohne Handicap. Die Integration will das Unternehmen künftig mit einem vernetzten Assistenzsystem verfolgen, das in der Smart-Factory auf dem Campus der Hochschule OWL in Lemgo entwickelt worden ist. Das Ziel: Vorreiter sein – mit Hilfe von Industrie 4.0. Das Prinzip ist einfach: Der Mitarbeiter sitzt an seinem Arbeitsplatz, an dem er beispielsweise die Platine einer Elektroniksteuerung herstellt. Der Vorgang wird ihm auf dem Bildschirm angezeigt. Ein Beamer leuchtet auf das Fach, in dem sich das Teil befindet, das er braucht, und dorthin, wo er es auf der Platine montieren muss. Nicht genug der technischen Unterstützung, erklärt Björn Kroll, Projektleiter bei Fraunhofer: „Wir tracken die Hände, das heißt, wir verfolgen sie mit einer Tiefenkamera. So merkt das System, wenn etwas falsch ist.“ Sobald der Mitarbeiter fertig ist, bestätigt er den Schritt – und der nächste Auftrag leuchtet auf. Besonderheit der Technik aus dem Hause Fraunhofer: Mehrere Arbeitsplätze können miteinander vernetzt werden, um das gleiche Produkt in Reihe zu fertigen. „Dabei kann ich vorher entscheiden, was welcher Mitarbeiter übernimmt. Das System erkennt aber auch, wenn jemand langsamer arbeitet und verteilt die Aufgaben dann auf die anderen Plätze“, zeigt Björn Kroll die Vorteile auf. „Uns geht es nicht um eine Leistungsüberwachung“, versichert Ivo Zielonka von Integ. Er wolle Menschen mit Behinderungen vielmehr aktiv mitnehmen und ihre Motivation steigern. „Wenn jemand nur wartet und ein anderer mit der Arbeit nicht hinterher kommt, demotiviert das“, betont Mischa Gutknecht-Stöhr, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei Fraunhofer in Lemgo. Durch das System würden die Mitarbeiter sehr gut gefördert. Ziel sei, dass Mitarbeiter mit und ohne Beeinträchtigung gleichwertige Arbeiten ausführen könnten. „Das bringt Selbstwertschätzung. Die Mitarbeiter wollen und können dadurch hochwertige Produkte für die Industrie herstellen“, ist sich Zielonka sicher. Menschen mit Behinderungen wollten nicht immer nur die gleiche monotone Arbeit verrichten. Marcel Möller, Mitarbeiter bei Integ, bestätigt: „Das System unterstützt sehr bei der Arbeit und ich muss nicht alleine daran arbeiten.“ Und seine Kollegin Barbara Hillebrand meint: „Sicher ist es erst einmal eine Umstellung – der Arbeitsprozess war vorher anders. Aber später wird es gut sein.“ Laut Ivo Zielonka bestückt die Integ aktuell zwar schon Platinen in Serie, aber diese Arbeit könnten bislang nicht sehr viele Mitarbeiter ausführen. Mit dem Assistenzsystem sollen in Zukunft auch andere Produkte hergestellt werden. Umzurüsten ist die Technik dank fahrbarer Wechselmagazine schnell und einfach. Zudem liefert die Anlage präzisere Voraussagen, wann Aufträge fertig sein werden. Dadurch ließen sich Aufträge besser planen, und ein Unternehmen wie die Integ könne flexibler und zuverlässiger auf Kundenwünsche reagieren, führt Zielonka aus. „Wir wollen mit der Anlage einen Schritt nach vorn gehen und uns mit Industrie 4.0 beschäftigen“, sagt Zielonka. Das System wurde im Rahmen von „it’s OWL“ entwickelt und gefördert. Im Netzwerk kooperieren regionale Firmen, Hochschulen und die Wissenschaft.

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