Im Schwitzkasten: Prinzenführer Achim Surmann (l.) und Präsident Jochen Blum verpassten dem Verwaltungschef das passende Outfit. - © Silke Riethmüller
Im Schwitzkasten: Prinzenführer Achim Surmann (l.) und Präsident Jochen Blum verpassten dem Verwaltungschef das passende Outfit. | © Silke Riethmüller

Bad Driburg Narren erobern Driburger Rathaus

Verwaltungschef muss den Schlüssel zum Rathaus abgeben

Silke Riethmüller

Bad Driburg. Jedes Jahr an Rosenmontag hat Bad Driburgs Bürgermeister Burkhard Deppe das gleiche Schlüsselproblem: Eine große Abordnung der Karnevalsgesellschaft (KG) Rot-Weiße Garde samt Präsidium und Prinzenpaar stürmt das Foyer seines Amtssitzes und verlangt Einlass in das politische Machtzentrum der Badestadt. Und bisher musste der Verwaltungschef noch in jeder Session den Schlüssel rausrücken. Da ist jeder Widerstand zwecklos. »Freundschaft ist nicht nur ein köstliches Geschenk, sondern auch eine dauernde Aufgabe« Unterstützt von Alt-Bürgermeister Heinrich Brinkmöller und der stellvertretenden Bürgermeisterin Christa Heinemann stellte sich Deppe gestern dennoch tapfer der närrischen Übermacht entgegen. Bis Prinzessin Birgit II. „von Fantasie und Glanz" und Prinz Ludger I. „von Gefälligkeit und Scharfsinn" die Männer der Stadtgarde ins Spiel brachten. Angeführt von Kommandant Ludwig Spieker nahm die Leibgarde des Prinzenpaares den Rathauschef kurzerhand fest und lieferte ihn sicher verschnürt bei den Tollitäten ab. Prinz und Prinzessin „betonierten" Bad Driburgs ersten Bürger anschließend mit beiden Füßen fest in den mitgebrachten Leonardo-Brunnen im Miniaturformat ein – Fluchtgefahr gebannt. Jetzt noch schnell den Schlüsselkasten mit der Konfettikanone gesprengt und schon war der Weg frei zum bunt geschmückten Ratssaal, dem Schauplatz der traditionellen närrischen Ratssitzung. Gardepräsident Jochen Blum eröffnete den Vormittag mit einem Zitat: „F". Diese Aufgabe habe sich auch die badestädtische Karnevalsgesellschaft auf ihre Fahnen geschrieben. „Wir leben in einer Zeit, in der das nicht selbstverständlich ist. Gelb will nicht mit Grün, Grün will nicht mit Gelb und beide nicht mit Schwarz. Schwarz will dann plötzlich wieder mit Rot, die wiederum wissen aber gar nicht so recht, was sie eigentlich wollen", fasste Blum die derzeitige politische Stimmung im Lande zusammen. Im jecken Iburg-Tal dagegen müsse nicht monatelang verhandelt werden, um zu wissen, auf welche Koalition wirklich Verlass ist. Da kann es nur eine geben und das ist Rot-Weiß. „Diese Koalition braucht auch keine Opposition, denn ob Jecke, Glamour oder Gardist, mer fiere zesamme, dat es jewess", zitierte der Präsident das diesjährige Sessions-Motto des Prinzenpaares. Und genau das taten die Gäste im Ratssaal dann auch über alle Parteigrenzen hinweg – bei einem bunten Programm in allen Farben des Regenbogens feierten sie am Rosenmontag den Karneval, die Freundschaft und das Leben.

realisiert durch evolver group