Stecken in der Ehekrise: Während Julias (Julia Wolff) Puls mal wieder auf 180 ist, entsinnt Romeo (Christoph Thiele) im Hintergrund den nächsten Plan, sich seiner verhassten Gattin zu entledigen. FOTO: SILKE RIETHMÜLLER - © Silke Riethmüller
Stecken in der Ehekrise: Während Julias (Julia Wolff) Puls mal wieder auf 180 ist, entsinnt Romeo (Christoph Thiele) im Hintergrund den nächsten Plan, sich seiner verhassten Gattin zu entledigen. FOTO: SILKE RIETHMÜLLER | © Silke Riethmüller

Bad Driburg Wieder Theaterstück am Driburger Gymnasium

Auf der Aula-Bühne begeistert das kleine Ensemble mit Ephraim Kishons Satire „Es war die Lerche“

Silke Riethmüller

Bad Driburg. Die Ehe von Romeo und Julia, das wohl berühmteste Liebespaar des großen Dramatikers William Shakespeare, steckt in der Krise. Moment mal, Ehekrise? Wer die tragische Geschichte der beiden heimlich verliebten Kinder zweier verfeindeter Familien kennt, der weiß, dass diese am Ende nur im Tod zueinander finden. Wenn Romeo und Julia nun aber nicht von eigener Hand gestorben wären? Wie sähe der Alltag des größten Liebespaares der Bühnengeschichte wohl nach fast 30 Jahren Ehe aus? Hier beginnt die Handlung von „Es war die Lerche“, eine bitterböse, mit manch zweideutiger Eindeutigkeit gespickte Adaption von Shakespeares literarischem Dauerbrenner aus der Feder des Satirikers Ephraim Kishon. Nicht die Lerche, sondern ein altersschwacher Hahn weckt das in die Jahre gekommene Paar am Morgen ihres 29. Hochzeitstages. Gesegnet mit der heftig pubertierenden, zurechtfindungsverunsicherten und kommunikationsblockierten Tochter Lucretia, genannt Luky (Lara Eyers), leben Romeo und Julia in einem heruntergekommenen Palazzo in Verona. Romeo (Christoph Thiele), der ein offenes Liebesverhältnis zu einer himmelblauen Wärmflasche namens Lisa pflegt, verdingt sich mehr schlecht als recht als fünftklassiger Ballettlehrer. Julia (Julia Wolff) – immer noch die verwöhnte Tochter aus reichem Hause und ohne Dienstmädchen völlig überfordert mit Abwasch, Schmutzwäsche und anderen häuslichen Pflichten – klagt dem Gatten täglich ihr Leid, wie es gute Ehefrauen nun mal tun. Beraten von Julias alter Amme (Ramona Thiele) und beider uraltem, bereits leicht senilen Beicht- und Traupater Lorenzo (Jan W. Lütkemeier), beherrscht ein zentraler Gedanke ihren Alltag: „Wie werde ich den verhassten Ehepartner los?“ Die ständigen Streitereien des Paares lassen Romeo und Julias geistigen Vater William Shakespeare (Jasmin Sommer) im Grab rotieren und führen schließlich dazu, dass des Dramatikers Geist höchstpersönlich in Verona erscheint, um sein berühmtestes Stück zu retten. Dass der Dichter sich in die 14-jährige Tochter des Hauses verliebt, macht die Verwirrung allerdings perfekt. Denn das erziehungsresistente Töchterchen sieht in dem deutlich älteren Shakespeare ihre Chance, dem verhassten Elternhaus zu entfliehen. Nach dem plötzlichen Tod von Deutschlehrer Ulrich Weber, der über viele Jahre die Theater-AG am St. Xaver leitete, hatte es an dem Gymnasium seit 2013 keine Theateraufführung mehr während der Kulturwoche gegeben. „Der Verlust von Uli Weber hat eine große Lücke gerissen“, sagt Schulleiter Peter Kleine. In der Tradition von Uli Webers Theater-AG hat der regie- und theatererfahrene Pädagoge zusammen mit sechs Oberstufenschülern seit September ein bis dreimal in der Woche für das neue Stück geprobt – auch mal früh am Samstagmorgen und in den Weihnachtsferien. „Ich finde es super, dass die Schüler das so mitgemacht haben“, betont Kleine, der sich riesig über die tolle Entwicklung der kleinen Truppe freute. Nur die Darstellerin des Shakespeare, Jasmin Sommer, habe im Vorfeld bereits Bühnenerfahrung gehabt. Für die anderen fünf war es eine Premiere – und eine absolut gelungene allemal. Mit großer Spielfreude, sensationellem Witz und noch mehr Charme brachten die Oberstufenschüler Kishons heiteres Trauerspiel auf die Bühne. Die Gesangseinlagen, von melancholisch bis extrem komisch, wurden an der Gitarre live begleitet von Martin Ester. Am Sonntag, 25. Februar, 16 Uhr, gibt es in der Aula des Gymnasiums noch einmal die Gelegenheit, das sechsköpfige Ensemble um Regisseur Peter Kleine auf der Bühne zu erleben.

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