Vlotho Razzia nach Aufruf zum Mord an Juden

Staatsanwalt ermittelt gegen Vlothoer

Vlotho/Löhne (ela/jm). Er soll E-Mails an die Botschaften zahlreicher Staaten geschickt und darin aufgerufen haben, Juden zu töten. Wegen des Verdachts der Volksverhetzung hat der Staatsschutz aus Bielefeld die Wohnung eines 56-jährigen Vlothoers durchsucht. Gegen Jürgen J., der sich selbst als Vorsitzender der "Germaniten-Partei" bezeichnet, ermittelt derzeit die Bielefelder Staatsanwaltschaft.

2009 haben ultrarechtsgerichtete Bürger den "Volksstamm der Germaniten" ins Leben gerufen. Deren Mitglieder erkennen ebenso wie die Mitglieder der "Justizopferhilfe" (JOH) in Löhne die Bundesrepublik nicht als Staat an. Für sie besteht das "Deutsche Reich" in den Grenzen von 1937 fort. Rudolf Frühling vom Staatsschutz in Bielefeld bestätigte, dass Jürgen J. aus dem Umfeld der JOH bekannt sei. Er war Mitglied des Vorstandes.

Einzelne JOH-Vorständler sind mehrfach wegen ihrer extrem rechten Gesinnung aufgefallen. Die Aktivitäten der JOH und der Germaniten nehmen inzwischen zwei Mitarbeiter im Bielefelder Staatsschutz komplett in Beschlag.

In Löhne will man vom einstigen Volksgenossen J. nichts mehr wissen. In einem Rundbrief distanzierte sich die JOH von ihm und seiner Hassschrift gegen Juden. "Es gab wohl interne Querelen, und er hat sein eigenes Ding gemacht", sagte Rudolf Frühling über den Vlothoer.

Laut Impressum der Internetseite der "Germaniten-Partei" lebt Jürgen J. seit drei Jahren in Vlotho und ist arbeitslos. Die Durchsuchung seiner Wohnung fand am 6. August statt, unter anderem wurden Unterlagen und ein Computer beschlagnahmt. Kenner der rechten Szene beschreiben den 56-Jährigen als verbal aggressiv. "Es ist schon krass, dass er öffentlich ein Kopfgeld auf Juden fordert", sagte Katharina Vorderbrügge von der mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus in Vlotho.

Die "Germaniten-Partei" verfolge abstruse Ziele, die von der Durchsetzung deutscher Sitten und Gebräuche bis hin zur Änderung der Straßenverkehrsordnung reichten. Nicht zu vergessen J.'s rassistische Hetze gegen Juden. Die Anhänger des verbotenen Collegium Humanum hätten sich so nie geäußert, sagte Vorderbrügge. "Aus dieser Richtung wäre höchstwahrscheinlich nie der öffentliche Aufruf eines Kopfgeldes für Juden gekommen. Die sind vorsichtiger."

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