Vor dem Landgericht Bielefeld hat erneut der Prozess gegen eine 18-Jährige aus Vlotho begonnen. - © dpa
Vor dem Landgericht Bielefeld hat erneut der Prozess gegen eine 18-Jährige aus Vlotho begonnen. | © dpa

Vlotho/Bielefeld Erneuter Prozess gegen Schülerin aus Vlotho beginnt

Verhandlung: Die heute 18-Jährige soll ihren Stiefvater getötet und ihre Mutter lebensgefährlich verletzt haben. Der Bundesgerichtshof hat das Bielefelder Urteil zurückgewiesen. Die Frau hat im Gefängnis den Schulabschluss nachgeholt.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Vlotho/Bielefeld. Sie soll im November 2015 ihren Stiefvater mit einem Messer getötet und ihre Mutter lebensgefährlich verletzt haben: Das Revisionsverfahren gegen eine 18-jährige Vlothoerin hat jetzt vor dem Landgericht Bielefeld begonnen. Ob die Angeklagte, die im Juli 2016 vom Landgericht wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt wurde, diesmal wieder aussagen wird, ist noch unklar. Der Prozess gegen die Schülerin aus Vlotho wird erneut aufgerollt, weil der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil des Landgerichts Bielefeld wegen eines Formfehlers aufgehoben hat. Die 3. Strafkammer hatte es versäumt, dem Onkel der Angeklagten, der die Vormundschaft der damals 16-Jährigen übernommen hatte, eine Stellungnahme, das sogenannte letzte Wort, vor der Urteilsverkündung einzuräumen. Auch die Mutter hatte Revision beim Bundesgerichtshof einlegen lassen, allerdings erfolglos. „Jetzt beginnt das Verfahren wieder bei Null", erklärt der Verteidiger der Angeklagten, Christian Thüner. Die Staatsanwaltschaft wirft seiner Mandantin weiterhin vor, im November 2015 versucht zu haben, ihre schlafende Mutter mit einem Messer zu töten. Bei der Attacke soll der Stiefvater versucht haben, den Angriff auf die Mutter abzuwehren, und dabei von der Angeklagten mit einem Messer getötet worden sein. Motivfrage bislang ungeklärt Für Thüner und seine Kollegin Deborah Weinert gibt es jedoch nach wie vor viele ungeklärte Fragen zu der Tat, zum Beispiel die nach dem Motiv. Die konnten in dem ersten Verfahren, in dem die Angeklagte zunächst geschwiegen und sich erst später eingelassen und die Vorwürfe zurückgewiesen hatte, nicht beantwortet werden. „Ob diese Fragen in dem neuen Verfahren geklärt werden können, bleibt abzuwarten. Leichter wird es aber nicht, weil die erneute Verhandlung für alle Beteiligten belastend ist", erklärt Thüner. Die mittlerweile 18-jährige Angeklagte sitzt seit zwei Jahren in der JVA Köln in Untersuchungshaft, weil das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist. „Anders als in der Strafhaft wird meine Mandantin leider nicht engmaschig psychologisch betreut. Das ist eine große Belastung", sagt Thüner. Trotzdem habe sie den Realschulabschluss mit guten Ergebnissen abgeschlossen. „Sie strebt nun das Abitur an." Angesetzt sind sieben weitere Verhandlungstage bis zum 14. Februar. Am Montag wird der Prozess, der nicht öffentlich ist, weil die Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat erst 16 Jahre alt war, fortgesetzt.

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