Die Mitarbeiter der Spurensicherung im November am Tatort. - © Jobst Lüdeking
Die Mitarbeiter der Spurensicherung im November am Tatort. | © Jobst Lüdeking

Vlotho 16-jähriges Mädchen wegen Mordes angeklagt

Prozessbeginn noch offen

Jobst Lüdeking
Dirk-Ulrich Brüggemann

Vlotho. Wegen Mordes und versuchten Mordes hat die Staatsanwaltschaft ein 16-jähriges Mädchen aus Vlotho angeklagt. Das Mädchen soll vor dreieinhalb Monaten ihre Eltern mit einem Messer angegriffen haben, als sie schliefen. Ihr 59 Jahre alter Stiefvater kam bei der Attacke mit einem Messer im November ums Leben, die 40 Jahre alte Mutter des Mädchens überlebte schwer verletzt. Die Hintergründe stehen bis heute noch nicht fest. Es deutet sich aber an, dass sich die 16-Jährige gegenüber ihrer jüngeren Schwester benachteiligt fühlte. Der Prozess wird vor der Großen Jugendkammer des Bielefelder Landgerichts und zum Schutz der minderjährigen Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Der genaue Termin steht noch nicht fest, sagt Guiskard Eisenberg, Pressesprecher des Landgerichts. „Das Hauptverfahren ist noch nicht eröffnet. Das Gericht befindet sich im Zwischenverfahren", ergänzt Eisenberg. Nachbarn sind angesichts der Tat fassungslos Den Angriff auf den Vater wertet die Staatsanwaltschaft als Mord, den Angriff auf die Mutter als versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung. Am Freitag hatte sich die Mutter der 16-Jährigen überraschend entschieden, eine Aussage zu machen. Für den kommenden Freitag will das Gericht die nichtöffentliche Befragung der Mutter fortsetzen. Nach ersten Ermittlungen der Polizei soll der Bluttat im November ein Streit zwischen der Schülerin und den Eltern vorausgegangen sein. Gegen 0.45 Uhr habe das Mädchen dann zu einem langen Messer gegriffen und die Eltern attackiert. Die elfjährige Schwester soll noch versucht haben, die Schülerin von dem Angriff abzuhalten. Die Bewohner der ersten Stocks sollen durch den Streit wach geworden sein und die Polizei alarmiert haben. Sie konnten auch die 16-Jährige überwältigen. Dann nahmen die Beamten die Schülerin fest. Vor dem Haftrichter machte die junge Frau von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Nach außen hin ein normales Familienleben Nachbarn konnten sich nach der Tat das im Kaitenweg in Vlotho Geschehene nicht erklären. „Wir können das gar nicht fassen. Sie ist so ein nettes, aufgewecktes Mädchen", berichten Nachbarn. Soweit sie es wüssten, habe es nie nach außen hin erkennbare Probleme in der Familie gegeben. Nach außen hin wirkte in der Familie des getöteten Dachdeckers alles harmonisch. Nach ihrem Schulabschluss in Vlotho war die 16-Jährige nach Herford gewechselt, um ihr Abitur zu machen. Sie hatte einen festen Freund. Gerade hatte sie, so Nachbarn, einen Motorroller bekommen. In den Jahren zuvor hatte sich die junge Frau wie ihr Vater beim Züchten von Rassegeflügel einen Namen gemacht. Auf der Facebook-Seite der Schülerin finden sich nur wenige Einträge, der Spruch: „Was du liebst, lass frei, doch halt es sicher. Lass es einfach fliegen, lass es ziehen. Die Wahrheit tut oft weh, doch sie ist besser." Doch dann gibt es auch Berichte aus dem Umfeld, nach denen die 16-Jährige wegen psychischer Probleme in Behandlung war.

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