Kirchlengern/Vlotho Hettich wächst im Ausland

Bilanz für 2017: Der Möbelbeschlägehersteller mit Sitz in Kirchlengern hat seinen Umsatz auf 975 Millionen Euro gesteigert. Im kommenden Jahr soll die Milliarde geknackt werden

Katharina Georgi

Kirchlengern/Vlotho. Um 6,8 Prozent ist die Hettich Unternehmensgruppe im vergangenen Jahr gewachsen. 975 Millionen Euro wurden dabei weltweit umgesetzt (2016: 913 Millionen Euro). Für 2018 hat Geschäftsführer Andreas Hettich eine Milliarde als Ziel gesetzt. Besonders Firmen im außereuropäischen Ausland kauften die Beschläge des Unternehmens mit Sitz in Kirchlengern. "Wir sind deutlich stärker gewachsen als in den Jahren zuvor", sagte Andreas Hettich bei der Pressekonferenz in Vlotho. Dort hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr seine Logistik untergebracht, zwei Sparten zu einer vereinigt - und zudem am zweiten Standort im Ortsteil Exter deutlich investiert. Das war insbesondere dem Wachstum im Auslandsgeschäft geschuldet, dessen Anteil 2017 bei 71 Prozent lag. Vor allem in China, Indien und den USA habe das Wachstumstempo deutlich zugelegt. Dort wurden auch die meisten neuen Mitarbeiter eingestellt. Damit wächst das Unternehmen auf 6.600 Mitarbeiter weltweit (umgerechnet in Vollzeitstellen), 3.600 sind davon in Deutschland beschäftigt, in Ostwestfalen-Lippe sind es 2.900, die meisten in Kirchlengern. Fünf Fertigungsstandorte im Ausland "In Deutschland haben wir insgesamt einen Rückgang bei der Küchen- und Möbelindustrie", sagte Hettich. Das zeige sich auch an den Insolvenzen des vergangenen Jahres, die immer noch für Schlagzeilen sorgen und auch die Kunden verunsichern. Neben Deutschland gibt es fünf weitere Fertigungsstandorte im Ausland, zum Beispiel in Spanien und den USA. Dort wird vornehmlich für den lokalen Markt produziert und dafür einzelne Teile auch aus der Produktion in Deutschland bezogen. Das gute Wachstum ist einer der Gründe, warum Hettich weiterhin kräftig investiert: Im vergangenen Jahr waren es 116 Millionen Euro, das sind fast zwölf Prozent vom Umsatz. "Über 80 Prozent dieses Geldes bleiben in Deutschland", sagte der geschäftsführende Gesellschafter, und werde dort in die Produktion gesteckt. Allein 40 Millionen gab das Unternehmen für die neue zweistöckige Produktionshalle B7 in Kirchlengern aus. Weitere zehn Millionen fließen in den Standort in Exter, der in drei Bauabschnitten erweitert wird. Der Letzte steht noch aus. Dort werden vornehmlich Scharniere produziert. Fachkräftemangel ein Problem Ähnlich hoch wird die Investitionssumme im laufenden Jahr sein, "auch mehr als 100 Millionen Euro", kündigte Hettich an. Ein Problem ist für das Unternehmen der Fachkräftemangel, erklärte Jana Schönfeld, Mitglied der Geschäftsführung. Zwar habe das Unternehmen die Anzahl seiner Lehrstellen erhöht, trotzdem muss die Belegschaft "durch erfahrene Kollegen ergänzt werden". Genutzt werden für die Rekrutierung auch immer stärker soziale Netzwerke, auf denen das Unternehmen eigene Kampagnen durchführt. Das vergangene und das laufende Jahr werden von steigenden Materialkosten geprägt. "Der jüngste Tarifabschluss in der Metallindustrie erhöht den Kosten- und Ergebnisdruck deutlich", sagte Hettich. Denn das Umfeld des Unternehmens wachse nicht so stark wie die Metallindustrie. Trotzdem schaut die Unternehmensgruppe optimistisch in die Zukunft - was auch das gesteckte Umsatzziel noch einmal unterstreicht.

realisiert durch evolver group