Vlotho IG Metall: Warnstreik für bessere Arbeitsbedingungen

28 Wochenstunden und 6 Prozent mehr

Anastasia von Fugler

Vlotho. Ohne Trillerpfeifen, aber mit roten Westen und schwenkenden Fahnen trafen sich Gewerkschafter der IG Metall und 370 Mitarbeiter der Firmen Hettich und Kannegiesser gestern Morgen in Vlotho. Während die Betriebsräte und Geschäftsführer in den Büroräumen der Firma Hettich über die Arbeitsbedingungen verhandelten, fand der stille Protest der Mitarbeiter bei 2 Grad, um 9.30 Uhr, vor den Toren von Kannegiesser statt. "Leider haben wir mittlerweile einen Lieferengpass bei den Trillerpfeifen", entschuldigt sich Peter Kleint, erster Bevollmächtigter der Herforder IG Metall, "aber das soll uns nicht davon abhalten, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen." Bundesweit ruft die IG Metall seit dem 8. Januar zu Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie auf. Nach zwei, seitens der Gewerkschaft, unbefriedigten Verhandlungsrunden im Vorjahr, ist die Friedenspflicht am 31. Dezember ausgelaufen. Den Forderungen um eine sechsprozentige Lohnerhöhung und der Möglichkeit, mit Lohnausgleich die Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden für bis zu zwei Jahre zu reduzieren, wurde noch nicht entsprochen. "Lediglich zwei Prozent bieten die Arbeitgeber an", erklärte Kleint über das Mikrofon. Mit Buh-Rufen wurde er unterstützt. "Wir sollten auf die Straße gehen und denen zeigen, was wir davon halten." Und wenn sich dann noch nichts an der Position der Arbeitgeber ändere, werde die IG Metall zu 24-Stunden-Streiks übergehen. Trotz der gut laufenden Konjunktur, sieht Kleint reelle Chancen auf eine Einigung "oberhalb der Mitte", also bei 4 Prozent tariflicher Lohnerhöhung. "Da es jetzt schon an Facharbeitern mangelt, können es sich die Betriebe nicht lange leisten, weitere Ausfälle in Kauf zunehmen", so der Gewerkschafter. Der Fachkräftemangel sei sowieso eine "Sauerei": "Nur weil wir nicht genug Facharbeiter haben, müssen Überstunden gemacht werden." Da sollte mal bei den Ausbildungen geschaut werden. In Herford gäbe es die wenigsten Ausbildungsangebote innerhalb der Metallbranche. Rund 60 Angebote würden hier auf 100 Schulabgänger kommen. "Ausbildungsdienstleister Hettich und Kannegiesser gelten da aber als Ausnahme. Der Vorwurf richtet sich an die Unternehmen, die nicht ausbilden", sagte der IGM-Bevollmächtigte Klein. Was passiert, wenn die Firma kein Geld in sich selbst investiert, könne man am Vlothoer Unternehmen Koralle sehen. Die Sanitärprodukte GmbH musste kürzlich 300 Mitarbeiter entlassen. Das ehemalige Betriebsratsmitglied Klaus Wolf, ebenfalls gekündigt, kam trotzdem zur mentalen Unterstützung vorbei. In Herford gibt es aktuell kein Metall- und Technikunternehmen, das bestreikt wird. Das Umwelttechnikunternehmen Sulo verfügt über einen Haustarifvertrag, der bis Ende März festgelegt ist.

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