Zwei Bestatter bringen die Leiche des Opfers zum Auto: Der 59-jährige wurde zur gerichtsmedizinischen Untersuchung nach Bielefeld gebracht. - © Christian Matthiesen
Zwei Bestatter bringen die Leiche des Opfers zum Auto: Der 59-jährige wurde zur gerichtsmedizinischen Untersuchung nach Bielefeld gebracht. | © Christian Matthiesen

Vlotho Schülerin (16) ersticht ihren Stiefvater

Eine Mordkommission soll nun klären, wie es dazu kommen konnte

Jobst Lüdeking

Herford/Vlotho. Ein weißes Haus am Kaitenweg in Vlotho. Vor der Tür ein brauner Pferdepflug, hinter dem Gebäude mit dem dunklen Dach Volieren für Geflügel. In der Nacht zum Montag war das Haus Schauplatz eines unglaublichen Verbrechens. Eine 16-jährige Schülerin soll hier ihren Stiefvater Klaus T. mit einem Messer getötet und ihre Mutter niedergestochen haben. Die 40-Jährige wurde aufs Schwerste verletzt und liegt im Krankenhaus. „Wir können das gar nicht fassen. Sie ist so ein nettes, aufgewecktes Mädchen“, berichten Nachbarn. Soweit sie es wüssten, habe es nie nach außen hin erkennbare Probleme in der Familie gegeben. „Meine Mandantin steht selbst unter Schock“, erklärte am Abend Deborah Weinert von der Kanzlei Thüner & Weinert auf NW-Anfrage. Die Herforder Anwälte haben die Vertretung der Schülerin übernommen, die dem Haftrichter vorgeführt worden war. Die 16-jährige Tatverdächtige sitzt nun in Untersuchungshaft. Das sagte ein Polizeisprecher am Dienstag.Die Mutter wurde schwer verletzt Nach dem bisherigen Stand hatte die Schülerin gegen 0.45 Uhr nach einem Streit mit ihren Eltern zu einem Messer gegriffen und sie dann attackiert. „Der 59-jährige Vater verstarb noch in der Wohnung an den Verletzungen. Die 40-jährige Mutter wurde schwer verletzt. Sie wurde in ein Krankenhaus eingeliefert“, so eine Polizeisprecherin. Sie schwebte zunächst in Lebensgefahr. Inzwischen sei sie aber stabil, sagte ein Polizeisprecher. Offenbar hatte die jüngere Schwester noch versucht, die 16-Jährige von einem Angriff abzuhalten. Die Elfjährige schlug auf sie ein. Auf jeden Fall verletzte sich die Jugendliche bei der Tat an der Hand und musste später noch operiert werden. Die Bewohner des ersten Stocks, die den Streit mitbekommen hatten, alarmierten die Polizei und schafften es, die 16-Jährige zu überwältigen. Die Polizei konnte bereits kurz darauf die Schülerin festnehmen. Die Ermittler halten derzeit die Details zurück. Für minderjährige Tatverdächtige, so Staatsanwalt Veit Walter, ein besonderer Schutz. In der Bielefelder Justizvollzugsanstalt ist die 16-Jährige derzeit auch noch untergebracht. Sie soll aber wohl in Kürze in ein anderes Gefängnis verlegt werden, das auf die Aufnahme von Jugendlichen besser eingestellt ist. Nach außen hin wirkte in der Familie des getöteten Dachdeckers alles harmonisch. Nach ihrem Schulabschluss in Vlotho war die 16-Jährige nach Herford gewechselt, um ihr Abitur zu machen. Sie hatte einen festen Freund. Gerade hatte sie, so Nachbarn, einen Motorroller bekommen. In den Jahren zuvor hatte sich die junge Frau wie ihr Vater beim Züchten von Rassegeflügel einen Namen gemacht.Wegen psychischer Probleme in Behandlung Auf der Facebook-Seite der Schülerin finden sich nur wenige Einträge, der Spruch: „Was du liebst, lass frei, doch halt es sicher. Lass es einfach fliegen, lass es ziehen. Die Wahrheit tut oft weh, doch sie ist besser.“ Doch dann gibt es auch Berichte aus dem Umfeld, nach denen die 16-Jährige wegen psychischer Probleme in Behandlung war. Eine Mordkommission unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Jürgen Heinz versucht nun von Herford aus herauszufinden, wie es zu dem Angriff kommen konnte. Beim Haftrichter – so bestätigte Strafverteidigerin Weinert – habe die junge Frau, gegen die inzwischen Untersuchungshaft angeordnet wurde, von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Frühere Fälle 2013: Ein Berliner Steuerberater wird von seinem Sohn (16) in der Kanzlei erschossen. Das Urteil: 8 Jahre Haft. Februar 2011: Wegen Mordes an seinen Eltern verurteilt das Landgericht Potsdam einen früheren Jurastudenten (28) zu lebenslanger Haft. Er hatte Vater und Mutter umgebracht, weil sie ihm berufliches Versagen vorwarfen. Dezember 2009: Weil er seine schlafende Mutter betrunken mit einer Axt ermordet hat, schickt das Landgericht Frankfurt einen 17-Jährigen acht Jahre hinter Gitter. Die Mutter hatte ihn oft kritisiert, weil er zu viel trank und die Schule abgebrochen hatte. April 2009: Aus Habgier erschießt ein 18-Jähriger in Eislingen seine Eltern und Schwestern. Das Urteil: Lebenslänglich.

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