Der Hofladen der Familie Hentzschel. - © Friderieke Schulz
Der Hofladen der Familie Hentzschel. | © Friderieke Schulz

Kreis Herford Raus auf's Land: Obsthof und Bauerncafé der Familie Hentzschel im Wandel der Zeit

Ein Bauernhof aus dem 12. Jahrhundert

Friderieke Schulz
chtsbündigAus Liebe zum Apfel: Ute (links) und Matthias Hentzschel arbeiten auf dem Familienbetrieb Hand in Hand. Während er das Obst anbaut, vermarktet sie es weiter und kocht daraus Marmeladen. - © Friderieke Schulz
chtsbündigAus Liebe zum Apfel: Ute (links) und Matthias Hentzschel arbeiten auf dem Familienbetrieb Hand in Hand. Während er das Obst anbaut, vermarktet sie es weiter und kocht daraus Marmeladen. | © Friderieke Schulz

Kreis Herford. Seit dem 12. Jahrhundert ist die Familie von Matthias Hentzschel auf dem Anwesen der Familie in Rödinghausen ansässig. Seitdem hat sich der Hof oft gewandelt. "Ursprünglich war hier Landwirtschaft. Dann kamen irgendwann ein Kolonialwarengeschäft und eine Bäckerei hinzu", weiß Hentzschel. Doch auch dabei blieb es nicht, denn die gesellschaftliche Struktur veränderte sich zunehmend und so baute Hentzschels Urgroßvater das Gebäude zu einer Gaststätte um.

Wie ihm erging es vielen Landwirten im Kreis Herford. Überall haben sie ihre Höfe weiterentwickelt und ihr Angebot erweitert. Zu finden sind diese Höfe in der Broschüre "Landservice" der Landwirtschaftskammer NRW. Einige davon stellt die Neue Westfälische dienstags vor. Zu Zeiten seines Großvaters, weiß Matthias Hentzschel aus Erzählungen, gab es auf dem Hof Breitenbürger (so hieß dieser damals) eine klassische Landwirtschaftsstruktur: "Zwei Milchkühe, ein paar Schweine und Hühner - eben von allem ein bisschen." So lief es auch lange Zeit parallel zur Gaststätte weiter.

Ging mit dem Wandel der Zeit: Früher war hier der Kolonialwarenladen, dann die Gaststätte und heute ist hier das Bauernhofcafé zuhause. - © Friderieke Schulz
Ging mit dem Wandel der Zeit: Früher war hier der Kolonialwarenladen, dann die Gaststätte und heute ist hier das Bauernhofcafé zuhause. | © Friderieke Schulz

Erst als sein Vater, Klaus Hentzschel, auf den Hof einheiratete, brachte dieser neue Impulse mit. "Mein Vater hat Gemüsebau in Ostdeutschland gelernt und ist bis heute mit Leib und Seele Landwirt", erzählt er.

Nicht nur der Familienname änderte sich in Hentzschel, auch Gemüse wurde nun auf den landwirtschaftlichen Flächen angebaut - vor allem Kohl. 1969 baute Klaus Hentzschel den ersten Hektar Äpfel- und Birnenbäume an.

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"Damit wollte er eigentlich den Großhandel bedienen, doch für den waren sie damals noch nicht gut genug, also fuhr er auf den Wochenmarkt", lacht Hentzschel, denn sein Vater ist inzwischen weder von dem Markt in Bünde, noch in Melle wegzudenken - er ist ein echtes Urgestein.

Dann ging Matthias in die Lehre als Gärtner bei einer Baumschule. "Ich bin auf vielen Betrieben in Deutschland gewesen und habe mir die Arbeit angesehen", sagt Hentzschel, der sich damals nicht nur in Ehefrau Ute, sondern auch in die Äpfel verliebte.

"Ich weiß noch genau, wie er von seinen ersten Lehrlingsgehältern eine ein bis zwei Hektar große Apfelplantage aufgezogen hat. Das war 1988", sagt Ute Hentzschel und erzählt, dass er vom Einpflanzen bis zum Veredeln alles selbst machte.

Bis dahin hatte die heute 45-Jährige keinen Bezug zur Landwirtschaft, doch die Liebe zu ihrem Mann brachte sie bald ebenfalls auf den Hof, denn Matthias Hentzschel stieg mit in den Familienbetrieb ein und baute den Obstanbau aus.

Neben Äpfeln, Birnen, Erdbeeren oder Himbeeren begann er in den vergangenen Jahren auch Blaubeeren zu kultivieren. "Nebenbei führt mein Vater seine Leidenschaft - den Gemüseanbau - weiter", sagt der Obstbauer und erzählt, dass dies alles im eigenen Hofladen verkauft wird.

Doch den gab es 1998 noch nicht, als Ute Hentzschel auf den Hof zog: "Damals wurden die Äpfel noch auf der Deele verkauft."

Durch Besuche bei anderen Obstbauern wuchs allmählich die Idee, selbst einen Laden zu eröffnen. "Matthias sagte zu meiner Idee nur, ich könne es machen, und baute die Garage zunächst provisorisch zu einem Hofladen um", erinnert sich die 45-Jährige.

Inzwischen ist der Laden nicht mehr mit einer Garage zu vergleichen und auch an eine Erweiterung denkt die Familie derzeit.

Denn Ute Hentzschel hat nicht nur die eigenen Produkte durch die von regionalen Partnern ergänzt, sondern kocht bereits seit vielen Jahren regelmäßig Marmelade und Gelees selbst: "Inzwischen habe ich mehr als 180 ganz unterschiedliche Rezepte. Aber alle Zutaten sind aus unserem eigenen Obst."

Und das ist es, was die Familie antreibt. "Es war schon sehr schwierig den Betrieb aufzubauen. Aber der Kundenkontakt ist toll und mir macht es viel Spaß nicht einfach nur die Waren zu verkaufen, sondern den Menschen auch an der Plantage etwas über die Herkunft zu erzählen", sagt Hentzschel.

Nächste Folge: Am nächsten Dienstag lesen Sie, wie sich mit dem Gartencafé ein Traum der Familie Düsediekerbäumer erfüllte.

Information

Das erste Bauernhofcafé

Auch Schwiegermutter Hanna verwertet das Obst aus dem Familienbetrieb. Sie hat 1978 die ehemalige Gaststätte ihres Großvaters zu einem der ersten Bauernhofcafés umgebaut.
An drei Tagen in der Woche serviert sie in den gemütlichen Räumen Kuchen und Kaffee – sogar das Vollkornmehl für den Boden mahlt sie selbst und dafür reisen ihre Kunden weit und schauen nicht selten auch auf einen von 40 verschiedenen sortenreinen Apfelsäften im Laden vorbei.
„Da ist wie Weinverkostung, denn jeder Saft schmeckt anders“, erklärt Hanna Hentzschel.


Hofladen und Café

  • Der Laden, Alte Dorfstraße 35 in Rödinghausen, ist dienstags bis freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr und von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Von Mai bis November zusätzlich montags, sowie samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr.
  • Das Bauernhofcafé ist dienstags bis donnerstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Plantagenführungen nach Absprache. Hoffest am 3. Wochenende im September.
  • Tel.: (05746) 920876
  • Informationen unter: www.obst-hentzschel.de.

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