Enger/Spenge Knöllchen kontra Dauerparker

Das Thema Parken ist in Enger eine Religion für sich / Spenge kontrolliert häufiger

Wer seine Parkscheibe vergisst oder die Parkzeit überschreitet, riskiert beim Parken in der Engeraner Innenstadt ein Knöllchen. Teuer wird es, wenn man sein Auto unberechtigt auf einem Behindertenparkplatz abstellt – und sei es auch nur kurz. - © FOTO: MAREIKE PATOCK
Wer seine Parkscheibe vergisst oder die Parkzeit überschreitet, riskiert beim Parken in der Engeraner Innenstadt ein Knöllchen. Teuer wird es, wenn man sein Auto unberechtigt auf einem Behindertenparkplatz abstellt – und sei es auch nur kurz. | © FOTO: MAREIKE PATOCK

Enger/Spenge. Ganz schön schlucken musste Melanie P., als sie das Knöllchen an ihrer Windschutzscheibe auseinander faltete: 25 Euro sollte sie bezahlen, weil sie in der Engeraner Burgstraße geparkt hatte, ohne die vorgeschriebene Parkscheibe richtig einzustellen. Ziemlich happig fand sie die Summe, die sie dennoch zähneknirschend bezahlte. "Alles korrekt", sagt Ordnungsamtsleiter Manfred Redeker. Und räumt gleichzeitig ein: "Das Thema Parken ist in Enger eine Religion für sich!"


Eine "Religion" mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen, die Kunden, Kaufmannschaft und Stadtverwaltung schon "so lange ich zurückdenken kann, beschäftigt", sagt auch der Vorsitzende der Kaufmannschaft, Olaf Schierholz. Dabei geht es nicht nur immer wieder um die Frage, ob es grundsätzlich genügend Parkplätze in der Innenstadt gibt. Diskutiert wird stets auch über zahlreiche Dauerparker, die die begehrten Kurzzeitparkplätze vor den Geschäften blockieren.

Information

Hier kann geparkt werden


Ohne Zeitbegrenzung:

Bielefelder Straße (15 Parkplätze), Bahnhofstraße (11), Kleinbahnhof (41), Renteistraße (12), Brandstraße (22), Linnenbrink (13), Mühlenstraße (4), Hagenstraße (15), Parkpalette oben (29, davon 6 Frauenparkplätze), Jahnplatz .

Zwei Stunden mit Parkscheibe:

Bielefelder Straße (24), Parkpalette unten (14, 26 weitere sind als Dauerparkplätze vergeben).

Eine Stunde mit Parkscheibe:

Barmeierplatz (7), Renteistraße (11), Mathildenstraße (18), Heckewerthplatz (41, mittwochs und freitags wegen des Wochenmarktes nur halb so viel), Burgstraße (18), Steinstraße (22).

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Die sind auch Olaf Schierholz ein Dorn im Auge. Zumal der Geschäftsmann weiß, dass es nicht selten die Chefs oder Angestellten der Innenstadtgeschäfte selbst sind, die ihren Kunden die Parkplätze wegnehmen.

Es sei von jedem Chef zu verlangen, dafür zu sorgen, dass seine Angestellten nicht vor der eigenen Tür parken. "Schließlich können wir nicht mehr Parkplätze für die Innenstadt fordern, solange wir uns so verhalten," sagt er.

Doch nicht alle Kaufleute teilen diese Meinung. Und weil er selbst nicht mehr tun könne, als immer wieder an die Kollegen zu appellieren, so sagt Olaf Schierholz, sei es für ihn schon in Ordnung, wenn die Stadt dann auch mal Knöllchen verteile. Das geschehe in Enger ja durchaus moderat und meist auch korrekt.

Damit spricht er Manfred Redeker aus dem Herzen, der betont: "Dass es uns nicht darum geht, das Stadtsäckel zu füllen, zeigt sich ja schon darin, dass wir nur sehr sporadisch kontrollieren."

Nur ein- bis zweimal pro Woche ist eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung unterwegs, um Parksünder aufzuspüren. Schwerpunktmäßig kontrolliert sie im Bereich Burg- und Steinstraße, Renteistraße, Mathildenstraße und Barmeierplatz. "Etwa 15 bis 20 Knöllchen verteilt sie pro Rundgang", schätzt Redeker.

Meist bleibt es bei fünf bis zehn Euro, wenn keine Parkscheibe ausgelegt oder die Höchstparkdauer bis zu einer Stunde überschritten wurde. Richtig teuer – bis zu besagten 25 Euro und mehr – wird es, wenn die Höchstparkdauer mehr als drei Stunden überschritten oder ein Behindertenparkplatz blockiert wurde.

Zwischen 4.000 und 5.000 Euro nimmt die Stadt jährlich durch Knöllchen ein. Das ist wenig im Vergleich zur Nachbarstadt Spenge. Dort wird das Thema Parken in der Innenstadt zwar nicht so kontrovers diskutiert wie in Enger, aber offensichtlich effektiver und engmaschiger kontrolliert.

Dreimal pro Woche, so Dirk Placke, Leiter der Abteilung Ordnung, ist eine Mitarbeiterin in der Stadt unterwegs. Wie viele Knöllchen sie durchschnittlich verteilt, weiß er nicht. Aber am Ende des Jahres klingeln stets rund 9.500 bis 10.000 Euro in der Stadtkasse.

Die Anzahl der Parkplätze in der Spenger Innenstadt hält Dirk Placke für ausreichend. Ihm ist auch keine gegenteilige Meinung aus der Kaufmannschaft bekannt.

Sein Amtskollege Manfred Redeker hält das Parkplatzangebot in Enger ebenfalls für ausreichend. Mehr als 350 Parkplätze gibt es laut einer Zählung der Verwaltung in der Innenstadt. "Und dazu zählen für mich alle Parkplätze," betont Redeker, "von denen aus die Geschäfte in der Innenstadt innerhalb von zehn bis 15 Minuten zu Fuß erreicht werden können." Für etwa die Hälfte dieser Plätze gilt eine Parkscheibenregelung. Grundsätzlich sind alle Parkplätze in Enger – so wie auch in Spenge – kostenlos zu nutzen.

In Großstädten oder auch schon im benachbarten Bielefeld, so sagen sowohl Redeker als auch Schierholz, nähmen es die Kunden als selbstverständlich in Kauf, dass sie für ihren Parkplatz bezahlen und bis in die Geschäfte durchaus auch ein Stück laufen müssten. Da sei der kostenfreie Kurzzeit-Parkplatz direkt vor den Geschäften schon ein Pfund, mit dem die Kleinstadt Enger wuchern könne. Wenn, ja wenn die Plätze denn frei sind.

Olaf Schierholz weiß: "Wer zwei- oder mehrmals durch die Innenstadt gekurvt ist, ohne einen freien Parkplatz zu finden, der fährt weg. Und jeder Kunde, der sich über Enger ärgert, ist einer zu viel."

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