Ulrich Henselmeyer (l.) und Dr. Werner Best mit dem neuen "Historischen Jahrbuch". Links auf dem roten Banner ist das Pilgerzeichen abgebildet. - © FOTOS: MAREIKE PATOCK
Ulrich Henselmeyer (l.) und Dr. Werner Best mit dem neuen "Historischen Jahrbuch". Links auf dem roten Banner ist das Pilgerzeichen abgebildet. | © FOTOS: MAREIKE PATOCK

Spenge "Eine kurze, aber dramatische Geschichte"

Pilgerzeichen aus Spenge im Historischen Jahrbuch

Spenge (mac). Es war ein Sensationsfund, den die Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) vor drei Jahren an der Werburg gemacht haben: Am Herrenhaus stießen sie auf das gut 500 Jahre alte Fragment eines Pilgerzeichens aus dem lippischen Blomberg - das einzige noch erhaltene Stück in ganz Deutschland (die NW berichtete).

Über den Fund hat Grabungsleiter Dr. Werner Best jetzt einen Beitrag für das neue "Historische Jahrbuch für den Kreis Herford" verfasst. Seine Forschungsergebnisse hat er am Mittwochabend im Torhaus vorgestellt.

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"Ich habe es zum ersten Mal in meinem Leben auf die Titelseite geschafft", scherzte der Archäologe. Denn das Pilgerzeichen ist auch auf dem Umschlag des Jahrbuchs abgebildet. Darauf zu sehen sind 45 kleine, mit einem Kreuz verzierte Kreise, die in einen Brunnen fallen. "Das sind geweihte Hostien", erklärte Best und ergänzte: "Dahinter steckt eine kurze, aber sehr dramatische Geschichte."

Eine Frau namens Alheyd, die tatsächlich im mittelalterlichen Blomberg gelebt hat, soll die Hostien 1460 gestohlen haben, um sie für einen Liebeszauber zu verwenden. Sie sei jedoch entdeckt worden und habe die Beweismittel angeblich in einem Brunnen verschwinden lassen, sagte Best. "Alheyd wurde als Hexe verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt." Kurz nach ihrem Tod habe die Nachricht die Runde gemacht, der Brunnen sei wundertätig geworden. Blomberg wurde zur Pilgerstadt. Selbst aus Skandinavien seien Gläubige gekommen.

"Das Spenger Pilgerzeichen ist um 1470 entstanden", sagte Best. Wie viele solcher Plaketten in Blomberg verkauft wurden, sei allerdings unbekannt.

Noch unklar sei auch, wo der seltene Fund künftig zu sehen sein werde, betonte der Archäologe: Bodenfunde gehörten zur Hälfte dem Finder - also dem LWL - und zur Hälfte dem Grundstückseigentümer. In diesem Fall sei das die Stadt Spenge.

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