Die Bielefelder Studentin Andrea Usling hat ein Kinderbuch über eine Prinzessin geschrieben, die eigentlich ein Prinz ist. - © Andreas Zobe
Die Bielefelder Studentin Andrea Usling hat ein Kinderbuch über eine Prinzessin geschrieben, die eigentlich ein Prinz ist. | © Andreas Zobe

Spenge Rabea Jasmin Usling hat ein Kinderbuch über Transidentität geschrieben

Märchen der aus Spenge stammende Autorin wirbt für Offenheit und Akzeptanz. Vom heimlichen Prinzen

Hanna Paßlick

Spenge. Eine Prinzessin, ein sehnlicher Wunsch, ein dunkler Wald und eine Hexe. Zutaten für ein klassisches Märchen, die Studentin Rabea Jasmin Usling zu einer neuen Geschichte verrührt hat. Ein typisches Märchen im Sinne der Gebrüder Grimm ist es trotzdem nicht. Denn die Prinzessin der Autorin, die aus Spenge stammt und sich im Literaturprojekt „Rumpelstilzchen des Widukind-Gymnasiums Enger (WGE) engagiert, ist eigentlich gar keine Prinzessin, sondern ein Prinz. Weil das aber niemand verstehen will, hat der Prinz ein Problem. „Prinz_essin?" heißt Uslings Kinderbuch, das sie zusammen mit der Illustratorin Linette Weiß herausgebracht hat. Es erzählt eine Geschichte von Transidentität, also der Gewissheit, dass das vorhandene körperliche Geschlecht nicht der eigenen Identität entspricht. Betroffene empfinden diesen Zustand oft schon in sehr jungen Jahren. Richtig einordnen oder kommunizieren können das aber die wenigsten. Genderthemen und Kinderliteratur Rabea Jasmin Usling hat sich mit dem Thema Transidentität eingehend befasst. Sie studiert zur Zeit an der Uni in Greifswald und forschte zu verschiedenen Genderthemen, aber auch zu Kinderliteratur. Dabei fiel ihr irgendwann auf, dass die Themen in der Praxis nie zueinanderfanden. Wenn das Geschlecht nicht der eigenen Identität entspricht Sie habe nach Kinderbüchern gesucht, deren Hauptfigur sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühle, sagt die 23-Jährige. Und obwohl sich das Thema Transsexualität, also das Wissen darüber, bei der Geburt nicht das richtige Geschlecht bekommen zu haben, heute durch die Medien zieht, wurde Usling nicht wirklich fündig. Kaum ein deutschsprachiges Kinderbuch dazu. Nur einige wenige auf englisch. Dabei habe die Trans-Thematik bei Kindern Potenzial, findet die Studentin. Farbenfrohe und einfühlsame Bilder Sie beschloss, ein eigenes Kinderbuch dazu herauszubringen. Usling schrieb ein Märchen, ihre Freundin Linette Weiß, eine Biologie-Studentin, die sich als Illustratorin betätigt, hob es in farbenfrohe und einfühlsame Bilder. Mit dem Ergebnis, einem Märchenbuch für Grundschüler, wirbt Rabea Usling vor allem für Verständnis, Offenheit und Selbstvertrauen. Sich selbst und andere so zu akzeptieren, wie sie sind, obwohl da Erwartungen sind, die man nicht erfüllen kann oder erfüllen will – das sei eine Botschaft, die auf viele Lebensbereiche übertragbar sei, betont die Autorin. „Im besten Fall bestärkt es das Kind in dem Gefühl: Ich bin okay, so wie ich bin." Transidentität – klingt kompliziert, ist aber leicht zu erklären Natürlich gebe es auch Themen, die Eltern nicht mit Kindern besprechen wollen, lenkt die Studentin ein. Aber Transidentität könne man Kindern ganz einfach erklären – auch wenn es auf den ersten Blick schwierig erscheine. Schnörkellos, aber liebevoll, beschreibt sie in „Prinz_essin?" einen Prinzen, der zwar aussieht wie ein Mädchen, aber keines ist. Freunde findet er keine, weil er weder richtig zu den Mädchen noch zu den Jungen gehört. Und seine Eltern will er nicht traurig machen. Die hatten sich sehnlichst ein Mädchen gewünscht und verstehen nicht, dass ihre Prinzessin eigentlich ein Prinz ist.Trotz eindeutiger Botschaft enthalte ihr Buch aber keinen pädagogischen Unterton und verzichte auch auf politische Ideen, sagt Rabea Usling. Kinder hätten schließlich auch ein Recht auf Unterhaltung.

realisiert durch evolver group