Suchbild mit Dame: Büchereileiterin Regina Schlüter-Ruff hat mit Bürgermeister Bernd Dumcke, Polizei-Bezirksbeamten Ulrich Müller, Deutschlehrer Arthur Sperling und Oberstufenschüler Joshua Grothaus vier ältere „Jungs" gefunden, die den Schülern aus den sechsten Klassen der Regenbogen-Gesamtschule gestern vorlasen. - © Andreas Sundermeier
Suchbild mit Dame: Büchereileiterin Regina Schlüter-Ruff hat mit Bürgermeister Bernd Dumcke, Polizei-Bezirksbeamten Ulrich Müller, Deutschlehrer Arthur Sperling und Oberstufenschüler Joshua Grothaus vier ältere „Jungs" gefunden, die den Schülern aus den sechsten Klassen der Regenbogen-Gesamtschule gestern vorlasen. | © Andreas Sundermeier

Spenge Ältere Jungs lesen für junge Jungs

In der Stadtbücherei: Geschichten, die die Sechstklässler begeistern. Bürgermeister, Polizist, Lehrer und Schüler tragen aus Büchern vor, die sie sich für diese besondere Gelegenheit ausgesucht haben

Andreas Sundermeier

Spenge. Schon zum sechsten Mal lädt Regina Schlüter- Ruff Vorleser in die städtische Bücherei ein. Das Motto lautet „Jungs lesen für Jungs". Und so sind auch tatsächlich nur „Jungs" dabei, die den Schülern – jeweils 50 bis 60 Jungen aus den 6. Klassen der Regenbogen-Gesamtschule" – vorlesen. Und die Büchereileiterin. Gestern saßen Joshua Grothaus, Ulrich Müller, Arthur Sperling und Bernd Dumcke vor den Schülern und lasen. Die Kinder hörten gespannt zu, als Bürgermeister Bernd Dumcke (55) begann. Er selbst erinnert sich noch gut an das Buch, dass ihn in seiner Jugend gefesselt hatte: „Das war nicht das erste Buch, aber eines, das ich bis in die frühen Morgenstunden verschlungen habe: Papillon von Henri Charrière." Leichte Kost Gestern für die Kinder und früher beim Vorlesen für seinen Sohn hatte er „leichtere Kost" gewählt. Er erinnert sich noch gut: „Ich hatte beim Vorlesen immer den Eindruck, dass es ihm einen Riesenspaß gemacht hat. Und dass es bei ihm die Lust aufs Lesen gefördert hat." Ähnliches berichtete auch der Polizei-Bezirksbeamte Ulrich Müller (59), der ganz offiziell in Uniform vortrug. Er liest auch heute noch, wenn seine Kinder - „alle über 30" - daheim sind, vor aus: „Hilfe, die Herdmanns kommen". „Da sind sich alle einig: Mama und Papa im Hause Müller lesen vor. Und das ist dann immer strapaziös für die Lach-Bauchmuskeln." Der Bezirksbeamte Er erinnert sich auch gern an sein erstes Lieblingsbuch: „Winnetou I" von Karl May. „Bis auf zwei Bände habe ich jetzt alle aus dieser Reihe. Natürlich auch die von Kara Ben Nemsi." Bilder im Kopf Arthur Sperling (28) ist Lehrer für Deutsch und Musik an der Gesamtschule Spenge. Das erste Buch, das ihn faszinierte, war „Aladin". „Damals mit vielen Bildern." Er sagt: „Lesen macht nicht nur mehr Spaß als Fernsehgucken, sondern erzeugt auch Bilder im Kopf. Und viel wichtiger: Es erweitert den Wortschatz. Das kann ich als jemand mit Migrations-Hintergrund bestätigen." Sperling hat eine feste Lesezeit für seine Schüler eingerichtet. Und er sagt: „Ich hätte es nicht gedacht, aber die Schüler nehmen dieses Angebot an. Jeder liest; in seiner Geschwindigkeit und das, was er will. Aber es wird gelesen." Beim jüngsten Vorleser im Bunde, dem 18-jährigen Joshua Grothaus, ist es nun noch nicht mehrere Jahrzehnte her, dass er mit dem Lesen begann. Seine ersten großen Leseerlebnisse hatte er bei den Büchern von Daren Shaw, der ihn mit der Welt von Dämonen und Vampiren vertraut machte. Jungen haben beim Lesen oft Defizite Was die Kinder lesen, ist Büchereileiterin Regina Schlüter-Ruff zunächst einmal egal. Es gibt auch keine spezielle Bücherecke für 11- und 12-jährige Jungen. Aber sie weiß schon, was aktuell „in" ist: Fantasy und Abenteuer, Ritter und Piraten. Dazu kämen noch spannende Sachbücher. Und sie weiß: Jungen haben beim Lesen oft Defizite. Die abzubauen, helfe der Vorlesetag.

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