Züchter aus Leidenschaft: Im Garten von Martin Siekmann tummeln sich schon seit vielen Jahren jede Menge Hühner. Spezialisiert hat sich der Züchter unter anderem auf den Westfälischen Totleger, von dem er einen jungen Hahn auf dem Arm hält. - © Foto: Martina Chudzicki
Züchter aus Leidenschaft: Im Garten von Martin Siekmann tummeln sich schon seit vielen Jahren jede Menge Hühner. Spezialisiert hat sich der Züchter unter anderem auf den Westfälischen Totleger, von dem er einen jungen Hahn auf dem Arm hält. | © Foto: Martina Chudzicki

Spenge Die neue Lust am eigenen Huhn

Das Federvieh im eigenen Garten: Immer mehr Menschen wollen sicher sein, ein gesundes Ei auf dem Frühstückstisch zu haben

Martina Chudzicki

Bilder von zerrupften Hühnern in Legebatterien oder von männlichen Küken, die lebendig geschreddert werden, die massenhafte Vernichtung von Hühnern als Folge der Geflügelpest und ganz aktuell Hühnereier, in denen gesundheitsschädliche Mengen des Pestizids Fipronil gefunden wurden – mit Nachrichten wie diesen ist die Massentierhaltung von Hühnern in der Vergangenheit immer wieder in die negativen Schlagzeilen geraten. Immer mehr Menschen haben die Nase voll von dieser Entwicklung – und entdecken die Lust am eigenen Huhn im Garten neu. Die private Hühnerhaltung ist in den letzten Jahren in Deutschland immer beliebter geworden – und auch in Enger und Spenge gackern immer häufiger Hühner in ganz normalen Wohngebieten. Seit etwa fünf Jahren, sagt Martin Siekmann, sei dieser Trend auch hier zu beobachten. Und er muss es wissen. Denn viele Hobby-Hühnerhalter holen sich bei ihm vor der Anschaffung der neuen Haustiere Rat. Martin Siekmann ist Rassegeflügelzüchter aus Leidenschaft. Schon seit über 50 Jahren züchtet er Hühner, mittlerweile hat sich der Vorsitzende des Rassegeflügelzuchtvereins Lenzinghausen und gleichzeitig des Kreisverbandes Herford auf zwei Rassen konzentriert: den Westfälischen Totleger und die Deutschen Zwerge. Unbedingt den Nachbarn informieren Es sind die unterschiedlichsten Menschen, die sich bei ihm Rat oder auch schon mal ein paar Hühner für den eigenen Garten holen. „Das geht querbeet von jung bis alt", sagt er. Sie alle eint der Wunsch nach einem gesunden Ei aus artgerechter Haltung. „Die wollen einfach wissen, was in ihrem Frühstücksei steckt", sagt Siekmann. Bevor das allerdings auf dem Tisch landet, sind einige Vorgaben zu beachten. Das fängt zuallererst bei den lieben Nachbarn an, die über die geplante Hühnerhaltung informiert werden sollten. Siekmann kennt nicht wenige Fälle auch von befreundeten Züchtern, die vor Gericht landeten, weil die Nachbarn sich durch die Weckrufe eines Hahns in den frühen Morgenstunden belästigt fühlten. Viele Neueinsteiger, so Siekmann, wollen deshalb lieber nur Hennen im Stall haben. Das sei zwar grundsätzlich möglich, für ihn als Züchter grenze das aber an „seelische Grausamkeit". „Es ist einfach gegen die natürliche Ordnung!" In seinem eigenen Garten tummeln sich derzeit auf 500 Quadratmetern Grünfläche und in den Ställen rund 50 Hähne und Hennen. So viel Platz braucht man als Kleinstversorger natürlich nicht. Aber gut zehn Quadratmeter eingezäunte Grünfläche und ein etwa zwei mal zwei Meter großer Stall sollten für fünf bis sechs Hühner schon eingeplant werden. Vor allem aber, so der Fachmann, sollte man sich vor der Anschaffung von Hühnern über eines im Klaren sein: so ein Hühnerhof erfordert Zeit! Mindestens anderthalb bis zwei Stunden täglich seien erforderlich zum Füttern, Stall ausmisten, Impfen oder auch schon mal zum Desinfizieren.  "Etwas Öl auf die Vogelstange" Denn ganz ohne Chemie geht es auch im privaten Hühnerstall nicht. Impfungen gegen Vogelgrippe sind amtlich vorgeschrieben und Milben, Läuse oder Flöhe suchen auch den saubersten Stall immer mal wieder heim. Gerade das feuchtwarme Wetter in diesem Jahr begünstige die Ausbreitung des Ungeziefers. Siekmann geht gegen die kleinen Biester vor allem mit natürlichen Mitteln vor. „Etwas Öl auf die Hühnerstange und schon können die Läuse nicht weiterkrabbeln", sagt er. Dass in einigen Ställen mit Massentierhaltung jetzt Fipronil zur Desinfektion eingesetzt wurde, bringt ihn zur Weißglut. „Da wurde allein aus Kostengründen höchst kriminell gehandelt!" Bei aller Liebe zum Huhn sollten angehende Hühnerhalter eins nicht vergessen – zum Kuscheln ist das Federvieh nicht geeignet. Zwar hat auch Martin Siekmann zu seinen Tieren eine besondere Beziehung. „Sie erkennen mich an meiner Stimme und sogar an meiner Kleidung", sagt er und freut sich, wenn die Tiere auf ihn zugelaufen kommen, wenn er den Stall betritt. Das sprichwörtlich „dumme Huhn" gebe es nicht. Trotzdem landen auch viele seiner Tiere irgendwann in der Hühnersuppe. Den Begriff „Schlachten" vermeidet der Züchter dabei allerdings und lacht: „Wir führen sie der Küche zu!"

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