Unter Gewitterwolken: Auf der Dachterrasse der Firma Modersohn stimmten sich (v.l.) Bürgermeister Bernd Dumcke, Rainer Stratmeier von der Firma Top Light, Reinhold Hübers von der Firma Modersohn, Dr. Klaus Bockermann, IHK-Vizepräsident, Jörg Greife von der Kaufmannschaft Spenge sowie IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe auf die Diskussion zum Wirtschaftsstandort Spenge ein. - © Foto: M. Chudzicki
Unter Gewitterwolken: Auf der Dachterrasse der Firma Modersohn stimmten sich (v.l.) Bürgermeister Bernd Dumcke, Rainer Stratmeier von der Firma Top Light, Reinhold Hübers von der Firma Modersohn, Dr. Klaus Bockermann, IHK-Vizepräsident, Jörg Greife von der Kaufmannschaft Spenge sowie IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe auf die Diskussion zum Wirtschaftsstandort Spenge ein. | © Foto: M. Chudzicki

Spenge Standortumfrage der IHK: Stadt Spenge landet auf dem letzten Platz

Bemängelt werden vor allem der fehlende Breitbandausbau, zu hohe Steuern und schlechte Erreichbarkeit

Martina Chudzicki

Spenge. Rang neun von neun möglichen Platzierungen bei der Wirtschaftsfreundlichkeit der Kommunalpolitik, ebenfalls der letzte Platz bei der Wirtschaftsfreundlichkeit der Kommunalverwaltung, hintere Platzierungen bei der Einschätzung der Wirtschaftsfreundlichkeit der Bevölkerung und des Kreises – mit der Bewertung des Standortes Spenge durch hier ansässige Unternehmen und Kaufleute kann die Stadt Spenge wahrlich nicht punkten. „Mit einer Drei Minus in der Gesamtbewertung können Rat und Verwaltung der Stadt nicht zufrieden sein", betonte denn auch Bürgermeister Bernd Dumcke. Die aktuelle Standortumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld gibt den Verwaltern und Gestaltern der Stadt einige Hausaufgaben auf. am Donnerstag, 18. Mai, Nachmittag versuchten der Bürgermeister sowie Vertreter der IHK, der heimischen Unternehmen und der Kaufmannschaft in einer Diskussionsrunde mit geladenen Gästen in der Firma Modersohn die Gründe für das schlechte Abschneiden der Kommune zu ergründen. Es gibt einige Knackpunkte, die die Unternehmen beklagen: die mangelnde Breitbandversorgung steht da an erster Stelle, gefolgt von zu hoher Grund- und Gewerbesteuer, einer schlechten Straßenanbindung und fehlender Verfügbarkeit von beruflich qualifizierten Fachkräften. Ganz überraschend, so stellte IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe fest, hätten die Spenger Befragten auch Handlungsbedarf bei der medizinischen Versorgung gesehen: „Das gab’s in keiner anderen Kommune!" Subjektive Benotung Bürgermeister Dumcke vermutete, dass bei einigen Punkten die Fragen so gestellt worden seien, dass nur eine ganz „subjektive Benotung" möglich war. Die Gewerbesteuer sei immerhin die zweitniedrigste im Kreis. „Aber trotzdem 60 Prozentpunkte höher als im benachbarten Melle", konterte Grefe. Mit dem Breitbandausbau, so Dumcke, sei man seit Durchführung der IHK-Umfrage im Sommer letzten Jahres ebenfalls ein gutes Stück weitergekommen. Eine Versorgung mit 100 Mbits sei in weiten Teilen der Stadt inzwischen gewährleistet. Für letzte „weiße Flecken" in der Versorgung suche man nach Lösungen. Bei 100 Mbits, so machte Reinhold Hübers von der Firma Modersohn dem gegenüber deutlich, dürfe man aber nicht stehen bleiben. Für expandierende Firmen wie etwa die Firma Modersohn sei Ziel eher ein Gigabyte. Straßen in schlechtem Zustand Über den Zustand einiger Straßen und die schlechte Erreichbarkeit der Stadt ärgert sich auch der Bürgermeister. „Über die Neuenkirchener Straße ins Gewerbegebiet Wallenbrück hoppeln zu müssen, ist eine Zumutung!" Allerdings: die Neuenkirchener Straße sei, wie überdurchschnittlich viele Straße in Spenge, eine Landesstraße. Der Einfluss der Kommune, hier Verbesserungen zu erreichen, sei deshalb gering. Ähnliches gelte für die Ausweisung neuer Gewerbeflächen, aber auch neuer Flächen für Wohnbebauung. Viele der in den Flächennutzungsplänen für eine Bebauung ausgewiesenen Flächen seien in Privatbesitz und somit aktuell nicht verfügbar. Immerhin 20 der befragten Unternehmen wollen sich in den nächsten fünf Jahren am Standort Spenge vergrößern – da stellt sich die Frage, wie und wo das gehen soll, da die Stadt momentan nur noch über kleinere freie Gewerbeflächen verfügt. "Offene Kommunikation mit Verwaltung" Immerhin: 57 Prozent der befragten Firmen würden sich wieder für den Wirtschaftsstandort Spenge entscheiden. Auch Rainer Stratmeier von er Firma Top Light. Er verlagerte seinen Betrieb mit 17 Beschäftigten vor drei Jahren von Bielefeld nach Spenge. Mittlerweile arbeiten dort 65 Menschen. Weitere Expansion ist nicht ausgeschlossen. Stratmeier ist mit dem Standort Spenge vollauf zufrieden – und vor allem „mit der problemlosen und offenen Kommunikation mit der Verwaltung". Die bot Bernd Dumcke gestern auch allen anderen Unternehmern in der Stadt an. „Wirtschaftsförderung ist in Spenge Chefsache", lud er Interessierte „jederzeit zu einem persönlichen Gespräch" ein. Das gelte auch für die Kaufmannschaft. Deren Aktivitäten, so gab Jörg Greife von der Kaufmannschaft in der Diskussion zu, seien „seit dem Aus für das Stadtfest ja durchaus etwas eingeschlafen". Parksituation ist in Ordnung Es gab auch Positives zu berichten. Mit der Parksituation in der Stadt, der Nähe zu den Kunden, Betreuungsangeboten für Kinder und den Sport- und Freizeitmöglichkeiten sind viele Befragte zufrieden. Und dass die Innenstadt als Einkaufsstadt attraktiver wird, daran wird bekanntlich zur Zeit ja eifrig gearbeitet.

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