Die junge Linde (vorn links) hat frische Triebe gebildet und schlägt jetzt aus. Ein Eisengitter und eine Kunststoffhülle bieten ihr Halt und Schutz. Die alte Linde hat zwischenzeitlich eine etwas bizarre Form entwickelt. - © Karin Wessler
Die junge Linde (vorn links) hat frische Triebe gebildet und schlägt jetzt aus. Ein Eisengitter und eine Kunststoffhülle bieten ihr Halt und Schutz. Die alte Linde hat zwischenzeitlich eine etwas bizarre Form entwickelt. | © Karin Wessler

Spenge Junge Linde ersetzt 500 Jahre alten Baum an der Spenger Werburg

Vor dem Torhaus: Der kranke, alte Mutterbaum muss regelmäßig zurück geschnitten werden und soll so lange wie möglich erhalten bleiben

Karin Wessler

Spenge. Noch ist sie recht schmal und etwas unscheinbar. Doch die junge Linde, die vor rund eineinhalb Jahren am Torhaus der Werburg gepflanzt wurde, ist fest verwurzelt und hat sich prima entwickelt. „Sie hat die kalte Jahreszeit gut überstanden und ist gut angewachsen", hat Doris Bartelheimer vom Spenger Umweltamt festgestellt. „Sie hat wieder Triebe gebildet und schlägt jetzt aus." Der Jungbaum wurde seinerzeit aus einem Trieb des Altbaumes gezogen und in unmittelbarer Nachbarschaft des Mutterbaumes gepflanzt. Die Tage des Mutterbaumes, der rund 500 Jahre alten Linde, scheinen gezählt. „Dieser Baum ist von einem holzzerstörerischen Pilz befallen", ruft Bartelheimer in Erinnerung. „Wir wissen nicht, wie lange er noch stehen wird." Um diese historische Linde, die bis 2003 auch ein amtlich anerkanntes Naturdenkmal war, so lange wie möglich zu erhalten, wurde sie jetzt zurück geschnitten. „Das passiert regelmäßig", erläutert Doris Bartelheimer. „Sie bildet ohnehin nicht mehr so viele neue Triebe aus." Nur noch ganz oben wachsen diese nach. Der Baum bestehe fast nur noch aus der Rinde, und auch die werde immer dünner. „Aber Linden bilden auch große Blätter. Wenn der Baum dann Laub trägt und darauf womöglich Regentropfen liegen, dann summiert sich das zu einem recht großen Gewicht." Das könnte im schlimmsten Falle den fast hohlen Stamm auseinander brechen lassen. „Mit dem Rückschnitt soll also einem Zusammenbrechen vorgebeugt werden." Grundsätzlich solle die Linde solange es geht erhalten werden. „Es ist mittlerweile ja ein bizarres und beeindruckendes Gebilde", sagt die Fachfrau. „Aber die Stadt Spenge hat halt auch eine Verkehrssicherungspflicht und muss darauf achten, dass keine Menschen zu Schaden kommen", gibt sie zu bedenken. Gerade am Torhaus, in dem sich Paare gerne trauen lassen, seien oft viele Besucher vor Ort. Die dürften keinesfalls gefährdet werden. Zwei weitere Jungbäume, die ebenfalls aus Trieben des Altbaumes gezogen wurden, befinden sich noch in der Pflege von Karl-Wilhelm Vogt. Der Inhaber einer Baumschule hatte seinerzeit versucht, insgesamt fünf Jungbäume nachzuziehen, bei Dreien gelang dies. „Diese beiden verbleibenden jungen Linden könnten ebenfalls auf dem Werburg-Gelände einen schönen Standort erhalten", schlägt Doris Bartelheimer vor. „Auf historischen Bildern, die Werner Best, dem Vorsitzenden des Werburg-Vereins, vorliegen, ist die ursprüngliche Anlage des Werburg-Ensembles zu erkennen", berichtet sie weiter. „Früher haben wohl auch zwei Linden rechts und links neben der Einfahrt zum Burggelände gestanden. Dort könnten die beiden Zöglinge vielleicht einen neuen Standort erhalten." Aber das müssten die Spenger Kommunalpolitiker noch diskutieren, bei ihnen liege letztendlich auch die Entscheidung. „Und die hat noch etwas Zeit. Jetzt ist es eh zu spät, Bäume zu pflanzen. Das wird dann erst wieder im späteren Herbst gemacht."

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