Realitätsnah: Bei seiner Krimilesung sprach Autor Norbert Sahrhage auch über die realen Hintergründe des Falls Franziska Spiegel - © Jeannine Gehle
Realitätsnah: Bei seiner Krimilesung sprach Autor Norbert Sahrhage auch über die realen Hintergründe des Falls Franziska Spiegel | © Jeannine Gehle

Spenge Lesung mit Norbert Sahrhage: Großes Interesse am Mordfall Spiegel

In seinem neuesten Buch verwebt der Spenger Autor Realität und Fiktion. Zuhörer im gut besetzten Bürgerzentrum von der Story fasziniert Jeannine Gehle

Jeannine Gehle

Spenge. Zwei Männer gehen durch den Wald, in ihrer Mitte eine Frau, dann fällt ein Schuss: Der grausame Mord an der Jüdin Franziska Spiegel im November 1944 in der Nähe des Hücker Moors interessiert viele Menschen in Spenge und Umgebung. Das zeigte auch der große Andrang bei der Lesung Norbert Sahrhages, der am Mittwoch im Spenger Bürgerzentrum seinen neuen Krimi „Der Mordfall Franziska Spiegel“ vorstellte. „Man kann mit Fug und Recht sagen, dass dieser Mordfall in der NS-Zeit einer der scheußlichsten in dieser Gegend war“, sagte Norbert Sahrhage, der sich intensiv mit dem Fall beschäftigte und neben dem Krimi auch eine Ausarbeitung für das Historische Jahrbuch des Kreises Herford schrieb. Einige der zusammengetragenen Fakten stellte er zu Beginn der Lesung vor. »Ermittler haben sich nicht so fürchterlich angestrengt« Auf einer Übersichtskarte zeigte er seinen gebannten Zuschauern, wo Franziska Spiegel wohnte und zeichnete den Weg und den vermutlichen Tathergang nach, bis in das Wäldchen, in dem Franziska Spiegel von zwei jungen SS-Männern erschossen wurde. Zudem erfuhr das Publikum unter anderem, wo die sogenannten „Stolpersteine“ – im Erdreich eingelassene Erinnerungsplaketten – von Franziska, ihrem Mann Gottfried und ihrem Sohn Rolf liegen und dass Franziskas Leiche auf dem Flurstück „Im Paradies“ heimlich beerdigt werden musste, bevor sie Jahre später auf einen Mindener Friedhof überführt wurde. Auch ein Bild der Originalakte aus dem Landesarchiv Detmold aus dem Jahr 1948 bekamen die Zuschauer zu sehen. „Die Ermittler damals haben sich, wenn man ehrlich ist, nicht so fürchterlich angestrengt“, fällte Norbert Sahrhage sein Urteil. Während der echte Fall ungelöst blieb, kommt Kriminalinspektor Zöllner in Sahrhages Buch den Tätern schließlich auf die Spur. „Mit einer gehörigen Portion Fantasie“, betonte der Autor mit dem Hinweis, dass der erste Teil des Krimis sich möglichst nah an die Fakten hält, der zweite dagegen frei erfunden ist. Das genaue Ende des Romans verriet Norbert Sahrhage bei seiner Lesung natürlich noch nicht. Aber einen Vorgeschmack auf das Buch bekam das Publikum allemal. In ausgewählten Passagen ließ der Autor seine Zuhörer spüren, welche Angst und Verzweiflung Franziska Spiegel auf dem Weg bis zu ihrer Ermordung empfunden haben muss und mit welcher Konsequenz und Grausamkeit Hitlers Anhänger handelten – nur um bei den späteren Befragungen durch den hartnäckigen Kriminialinspektor feige alles zu leugnen. „Die ganze Geschichte verfolgt mich schon seit der Schulzeit. Es ist schön, jetzt einen Krimi darüber zu lesen“, findet Nadine Birkenstock. Gelesen hat sie das Buch bis jetzt noch nicht, sagte sie: „Jetzt werde ich es aber auf jeden Fall lesen. Das war ein guter erster Vorgeschmack.“ Auch Ingrid Bühlmann fasziniert der Fall. „Ich interessiere mich sehr dafür, auch weil das alles in Spenge passiert ist. Ich kenne auch den Gedenkstein“, berichtete sie.

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