Das Modell des Wehrturmes: Werner Best, Vorsitzender des Werburg-Vereins, und Julia Gautier schauen sich die Installation an. Zu sehen sind auch die Munitionskugeln, die bei Grabungen an der Spenger Werburg gefunden wurden. Fotos: Ekkehard Wind - © Ekkehard Wind
Das Modell des Wehrturmes: Werner Best, Vorsitzender des Werburg-Vereins, und Julia Gautier schauen sich die Installation an. Zu sehen sind auch die Munitionskugeln, die bei Grabungen an der Spenger Werburg gefunden wurden. Fotos: Ekkehard Wind | © Ekkehard Wind

Spenge Neues Museum: Schatzsuche in Spenges Werburg

Besucher erkunden ab Samstag die Werburg

Ekkehard Wind

Spenge. Im Herrenhaus der Werburg unternehmen Besucher ab kommenden Samstag eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit. Und sie können in dem neuen Museum in Spenge (Kosten 1,8 Millionen Euro) selber aktiv werden: Als kleine Archäologen entdecken Kinder an einer nachgestellten Grabungsstelle verschiedene Schätze. Das alles und viel mehr können große und kleine Besucher in dem Werburg-Museum ausprobieren. In zwölf Ausstellungsräumen wird den Besuchern anschaulich deutlich gemacht, wie die Menschen auf einem kleinen Adelshof in der frühen Neuzeit gelebt haben. Basis des Ausstellungskonzeptes sind rund 150 Fundstücke, die Archäologen bei verschiedenen Grabungen an der Spenger Werburg entdeckt haben. Dazu gehören auch Armbrustbolzen und Kanonenkugeln, die die Wissenschaftler gefunden haben. „Die rund 1.600 eisernen Spitzen von Armbrustbolzen und die 50 Kanonenkugeln bilden den größten zusammenhängenden Munitionsfund der Renaissance, der bisher in Westfalen archäologisch nachgewiesen worden ist", sagt Julia Gautier vom Museumsmanagement Gautier in Staufen. Aber auch Fragmente von Keramik- und Glasgefäßen und vieles mehr haben die Archäologen ans Tageslicht gefördert. „Die nachgestellte Grabungsstelle im Museum spricht natürlich besonders Kinder an", sagt Dr. Werner Best, Vorsitzender des Werburgvereins. Schaufel, Kellen und Pinsel liegen bereit, damit die Nachwuchs-Archäologen sich zunächst durch einen Sandschicht arbeiten können. Haben sie beispielsweise die Replik einer Keramikscherbe gefunden, geht’s damit ins Forscherlabor. Doch damit wissen, die jungen Forscher noch nicht, wozu das Fundstück gehört. Mit moderner Technik – jedes Fundstück ist mit einem Chip versehen – können die Kinder aber schnell den Fund zuordnen. Mit dem Wissen, wie richtige Archäologen arbeiten, geht es an die Erkundung der nächsten Ausstellungsräume. Und auch hier spielt die moderne Medientechnik, die der Engeraner Harald Wurm installiert hat, eine große Rolle. An einem Touchscreen-Bildschirm, der die Größe eines Tisches hat, erfahren die Besucher spielerisch mehr über die Grabungen an der Spenger Werburg. Da das Leben auf der Werburg viele Facetten hatte, ist das Museum in verschiedene thematische Räume aufgeteilt. „Jeder Raum behandelt ein in sich abgeschlossenes Thema", erläutert Julia Gautier. In einem geht es um Krieg und Verteidigung. Aufgebaut ist hier das Gitter-Modell eines damaligen Wehrturmes, der heute nicht mehr existiert. Kanonenschüsse sind zu hören, durch ein Fernrohr sind vorrückende Truppen zu erspähen. Per Chip können Besucher einen Film starten. Ein Magd erzählt in dem Film, wie sehr sie Angst beim Vorrücken der Truppen auf die Werburg gehabt habe. In einem anderen Raum dreht sich alles um Gesundheit und Hygiene. Wie wurden Krankheiten bekämpft? Wie weit war es damals bis zur nächsten Apotheke? Auch auf diese Fragen bekommen Besucher Antworten. Die Jagd war damals ein Privileg des Adels. An einem kleinen Schießstand können die Besucher – sofern sie sich kurzerhand einen adeligen Namen zulegen – ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen. Wie der Alltag der Kinder zur damaligen Zeit aussah, erfahren die Besucher in einem anderen Raum des Museums. In einem Film erzählt eine kleine Magd, wie viel sie damals als Kind arbeiten musste, was an Freizeit blieb und welche Spiele damals angesagt waren. „Das neue Museum ist ein echtes Highlight", freut sich Spenges Bürgermeister Bernd Dumcke. Und auch Werner Best ist froh, dass es nun endlich eröffnet wird. Die Gesamtkosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro seien nur durch großzügige Förderer wie die Sparkassen-Stiftung, NRW-Stiftung und weitere Unterstützer zu stemmen gewesen, betont Best. Er dankte in diesem Zusammenhang auch Hans-Peter Tietze für das „hervorragende Finanz-Management" im Werburgverein.

realisiert durch evolver group