Gleich neben dem Feuer: Werner Best (v. l.), Sonja Voss, Hans-Peter Tietze und Wolf-Dieter Fißenebert schauen sich in der kleinen nachgestellten Küche im Erdgeschoss des Herrenhauses um. Verbrennen können sich die Vier an den Flammen jedoch nicht: Sie haben es hier nur mit einem Wandbild zu tun. - © Mareike Patock
Gleich neben dem Feuer: Werner Best (v. l.), Sonja Voss, Hans-Peter Tietze und Wolf-Dieter Fißenebert schauen sich in der kleinen nachgestellten Küche im Erdgeschoss des Herrenhauses um. Verbrennen können sich die Vier an den Flammen jedoch nicht: Sie haben es hier nur mit einem Wandbild zu tun. | © Mareike Patock

Spenge Werburg-Museum eröffnet in zwei Wochen

Die NW hat schon einmal einen Blick hinter die Kulissen geworfen

Mareike Patock

Spenge. Über der offenen Feuerstelle hängt ein schmiedeeiserner Topf. Darunter tanzen feuerrot die Flammen. Dicker Qualm steigt auf und räuchert die Würste, die unter der Decke hängen. Gleich neben dem Feuer sitzt eine Magd und rupft ein Huhn. „So in etwa muss es früher in der Küche der Werburg ausgesehen haben: dunkel, voller Ruß, verqualmt und mit einem eisernen Topf über dem Feuer", sagt Werner Best. Der Vorsitzende des Spenger Werburg-Vereins schaut auf ein großformatiges Wandbild, das genau so eine Szene darstellt. Er steht im Werburger Herrenhaus, in einem der Ausstellungsräume des neuen Kinder- und Familienmuseums. Hier sieht alles aus, als würde man tatsächlich in einer frühneuzeitlichen Küche stehen. „Mit diesem Raum wollen wir die Besucher in die damalige Zeit hineinziehen", sagt Best. Zwei Wochen noch bis zum 17. Juni – dann wird das Werburg-Museum offiziell eröffnet. Vom 18. Juni an können alle interessierten Besucher durch die Räume schlendern. Gestern durfte die Neue Westfälische schon mal einen Blick in einige der bereits fertig gestellten Räume werfen – unter anderem in die nachgestellte Küche. Hier gibt es nicht nur großflächige Wandbilder mit Szenen aus einer barockzeitlichen Küche – sondern auch einige Originalutensilien, die die Bewohner der Werburg einst beim Kochen benutzt haben. Werner Best schaut in eine Vitrine, die in die Wand eingelassen ist. Ein kleiner dreibeiniger Kochtopf steht darin. „Schauen Sie", sagt er und zeigt auf das tönerne Gefäß. „Auf der einen Seite ist der Topf unverbrannt, auf der anderen ganz schwarz – weil er mit dieser Seite immer direkt in der Glut gestanden hat." Das Gefäß aus dem 18. Jahrhundert haben Werner Best und sein Team der LWL-Archäologie für Westfalen vor Jahren an der Werburg zu Tage gefördert – ebenso wie Tausende andere, Jahrhunderte alte Überbleibsel der einstigen Werburg-Bewohner. Etwa 150 bis 200 davon werden jetzt auch im neuen Museum zu sehen sein: Kochtöpfe zum Beispiel oder ein Schuh, den die Archäologen in der Gräfte gefunden haben. Aber auch Kanonenkugeln und Armbrustbolzen. Denn an der Werburg sind die Wissenschaftler auch auf ein großes Munitionsdepot aus der Spätrenaissance gestoßen – mit gut 50 Kanonenkugeln und 1.600 Armbrustbolzen. „Das war der größte, archäologisch nachgewiesene Munitionsfund aus dem 15./16. Jahrhundert in Westfalen." Mit den Originalfunden könne man den Besuchern des Museums anschaulich deutlich machen, „wie das Leben auf einem kleinen Adelshof wie der Werburg in der frühen Neuzeit war", sagt Best. Und da dieses Leben viele Facetten hatte, ist das Museum in verschiedene thematische Räume aufgeteilt. In einem geht es um Krieg und Verteidigung, in einem anderen um Gesundheit und Hygiene, um Freizeit und die Spiele der Kinder, um die Wetterverhältnisse oder um die Kleidung. „Wir wollen aber auch zeigen, wie unterschiedlich die Lebensweise der Herrschaft und ihrer Leibeigenen war", sagt Hans-Peter Tietze vom Werburg-Verein. „Denn die Heuerlinge hatten ein sehr hartes Leben." Das Besondere an dem Museum: Die Besucher sollen die Vergangenheit hier interaktiv entdecken können. Sprich: Sie sollen sie mit allen Sinnen erleben. Sie sollen die Vergangenheit fühlen, anfassen – und sogar riechen können. „Es wird auch eine Duftstation geben", kündigt Best an und ergänzt lachend: „Was man da riechen kann, bleibt allerdings eine Überraschung." Gemeinsam mit Museumspädagogin Sonja Voss und seinen Vereinskollegen Wolf-Dieter Fißenebert und Hans-Peter Tietze wirft Best jetzt noch schnell einen Blick in den Raum neben der kleinen nachgestellten Küche. Hier können die jungen Besucher zu Archäologen werden – und in einer nachgestellten Grabungslandschaft Schätze aus der Vergangenheit suchen. Schaufel und Spaten stehen schon bereit. Kellen, Pinsel und ein kleiner Besen ebenfalls – was ein Archäologe eben so braucht. Und damit die Schatzsuche auch spannend für die Nachwuchs-Archäologen ist, müssen sich die Kinder erst mal durch ein paar Schichten Erde graben. „Wir haben hier drei Tonnen Sand aufgeschüttet", sagt Fißenebert.

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