Freuen sich über die Förderzusage: Annemarie Lorenz (v. l.), Annegret Beckmann, Wolf-Dieter Fißenebert, Hans-Peter Tietze und Werner Best vom Werburg-Verein, Ute Röder von der NRW-Stiftung und Bürgermeister Bernd Dumcke mit der Förderurkunde. - © Mareike Patock
Freuen sich über die Förderzusage: Annemarie Lorenz (v. l.), Annegret Beckmann, Wolf-Dieter Fißenebert, Hans-Peter Tietze und Werner Best vom Werburg-Verein, Ute Röder von der NRW-Stiftung und Bürgermeister Bernd Dumcke mit der Förderurkunde. | © Mareike Patock

Spenge Erste Einblicke ins neue Museum

NRW-Stiftung fördert Einrichtung mit 85.000 Euro

Mareike Patock

Spenge. Der Himmel draußen ist strahlend blau. Im Inneren des Werburger Herrenhauses aber schneit es. Lautlos aber heftig fallen hier die Schneeflocken - allerdings nur virtuell, auf einer überdimensionalen Leinwand. Die Videoinstallation ist Teil des neuen Kinder- und Familienmuseums. In zwei der Räume hat die NW gestern schon mal einen ersten Blick hineinwerfen dürfen. Seit einem guten Jahr arbeitet das Atelier Hähnel-Bökens aus Düsseldorf und Berlin an der Ausgestaltung des Museums. Und mittlerweile nimmt es konkret Gestalt an. Dass das so ist, dazu hat auch die NRW-Stiftung beigetragen. Sie fördert die Einrichtung des Museums mit 85.000 Euro. Gestern hat Vorstandsmitglied Ute Röder die Förderurkunde offiziell an den Werburg-Verein überreicht. "Als wir den Antrag vor uns liegen hatten, ist es uns leicht gefallen, die Förderung zuzusagen", berichtet sie. Denn die NRW-Stiftung sei zuversichtlich, dass der Verein das Denkmalensemble zu "einem neuen Anziehungspunkt in der westfälischen Museumslandschaft" entwickele. Die Stiftung hatte schon die Innensanierung des Herrenhauses mit insgesamt 200.000 Euro bezuschusst. Mit der erneuten Förderung wolle man jetzt auch das "herausragende Engagement" des Vereins unterstützen, sagt Röder. Positiv ausgewirkt auf die Förderung habe sich auch der "enge Schulterschluss" zwischen Verein und Kommune. "Die Stadt Spenge ist ideell und finanziell mit im Boot - das ist nicht selbstverständlich." Insgesamt kostet die Einrichtung des Museums rund 370.000 Euro. Die Finanzspritze der NRW-Stiftung bringe das Museum "wesentlich weiter", betont der Vorsitzende des Werburg-Vereins, Werner Best, und bedankt sich ausdrücklich dafür. Ohne Förderung hätte das Museum nicht realisiert werden können, sagt auch Bürgermeister Bernd Dumcke und schließt sich Bests Dank an. Dass die Fördermittel der NRW-Stiftung gut investiert sind, davon kann sich Ute Röder an diesem Mittag selbst ein Bild machen. Im Obergeschoss des Herrenhauses sind zwei der neuen Museumsräume schon nahezu fertig gestellt. In einem rieselt virtuell der Schnee. Thema hier ist das Wetter - und wie es sich auf das Leben in der frühen Neuzeit ausgewirkt hat. Ein Gang durch den Wetter-Raum des Museums ist auch ein Streifzug durch die Jahreszeiten. Und wer ganz leise ist, kann sogar hören, wie der Sommers klingt. Ausstellungsgestalter Jochen Hähnel beugt sich über eine kreisrunde Aussparung an einer der Vitrinen. Dahinter verbirgt sich eine Graslandschaft. "Und man hört hier auch die Mücken summen", sagt er. In einer Vitrine gegenüber der Videoinstallation steht ein Lederschuh aus der Barockzeit. Er ist rissig und die Hacke fehlt - und dennoch ist er ein eindrucksvolles Relikt aus der Vergangenheit. Im 18. Jahrhundert sei sein Besitzer damit vermutlich so manches Mal durch den Matsch gelaufen, sagt Best. Darum passe der Schuh thematisch gut in den Ausstellungsraum über das Wetter. Übrigens: Im Matsch haben Archäologe Werner Best und sein Grabungsteam den Schuh vor Jahren auch gefunden - in der Gräfte. Ohnehin werden viele Fundstücke, die die Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe einst an der Werburg zutage gefördert haben, im neuen Museum zu sehen sein. Kanonenkugeln zum Beispiel. Im Raum "Krieg und Verteidigung" sind sie auf fantasievolle Weise angeordnet - so als würden sie zwischen Gitterstäben stecken. Die hochgezogenen Metallstangen sollten einen zerstörten Turm symbolisieren, erklärt Jochen Hähnel. Auch das passt zur Geschichte der Werburg: "Denn es gab hier mal einen Kanonenturm", ergänzt Best.

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