Schauspieler Hans-Martin Stier sitzt vor der Fachwerkwand in der Werburgscheune und liest Grimmelshausen. - © FOTO: BOHNENKAMP-SCHMIDT
Schauspieler Hans-Martin Stier sitzt vor der Fachwerkwand in der Werburgscheune und liest Grimmelshausen. | © FOTO: BOHNENKAMP-SCHMIDT

Spenge Kulturgenuss statt Urlaub

Veranstaltungsreihe "Wege durch das Land" macht Station an der Werburg / Emma Kirkby singt

VON BRITTA BOHNENKAMP-SCHMIDT

Sopranistin Emma Kirkby fasziniert mit klarer Stimme zu historischen Instrumenten. - © FOTO: BOHNENKAMP-SCHMIDT
Sopranistin Emma Kirkby fasziniert mit klarer Stimme zu historischen Instrumenten. | © FOTO: BOHNENKAMP-SCHMIDT

Spenge. Dass die Werburg ein besonderes historisches Kleinod ist, wissen die Spenger und ihre Nachbarn natürlich längst. Dass jetzt die hochkarätige Veranstaltungsreihe "Wege durch das Land" dort Station machte, rückte das geschichtsträchtige Gebäude-Ensemble ins Interesse einer größeren Öffentlichkeit. Denn das etablierte Literatur- und Musikfest zieht seit 15 Jahren ein begeistertes Publikum aus weiten Teilen des Landes an.

Zum Erfolgskonzept von Festival-Chefin Brigitte Labs-Ehlert gehört eine stets sorgsam aufeinander abgestimmte Auswahl von Veranstaltungsort und Programm. "Hier in Spenge hat mich gleich der Bezug zum dreißigjährigen Krieg fasziniert", berichtete die künstlerische Leiterin. Denn im Frühsommer 1629 wurde auch die Werburg Ziel von Plünderern und Besetzern.

Passend dazu wählte Labs-Ehlert eine Erzählung von Johann Jacob Christoph von Grimmelshausen aus, der als einer der phantasiereichsten Fabulierer der altdeutschen Zeit gilt.

Schauspieler Hans-Martin Stier, bekanntes Gesicht sowohl aus Kino und Fernsehen als auch von der Theaterbühne, trug die Geschichte "Der seltsame Springinsfeld" atmosphärisch dicht vor. Mit sonorer Stimme erzählte er vom Leben des jungen Soldaten im dreißigjährigen Krieg, der später zum Bettler und Landstreicher wird.

Manchmal derbe im Ausdruck, oft auch zum Schmunzeln und immer wieder zum Nachdenken anregend über das Leben und die Menschen klang die Geschichte in den Köpfen nach, als im Anschluss Emma Kirkby in der Werburg-Scheune ihre Stimme erhob. Angekündigt als "die Grande Dame der Alten Musik" verzauberte die englische Sopranistin mit mitreißenden Interpretationen der Lieder des elisabethanischen Komponisten John Dowland. Joel Frederiksen, Michael Grondko und Domen Marincic begleiteten sie dabei an Bass, Laute, Gitarre, Gambe und Cello. Vor allem die Laute als historisches Instrument versprühte dabei einen ganz besonderen Charme.

Tief beeindruckt von dieser ersten Hälfte des Programms zeigte sich Renate Stute, die aus Paderborn nach Spenge gekommen war. Seit vielen Jahren ist sie Stammgast mit Abo bei "Wege durch das Land" und besucht diverse Veranstaltungen der Reihe im Verlaufe des Sommers. "Dafür fahre ich lieber nicht in Urlaub. Auf Abende wie diese freut man sich schon den ganzen Winter", sagte die Kulturfreundin. Schließlich erlebe sie so auch die schönsten Plätze der Region.

Nach der Pause mit kulinarischem Angebot unter freiem Himmel ging es mit zeitgenössischer Literatur weiter. Schriftstellerin Esther Kinsky wollte ihren Roman "Banatsko" vorstellen, musste wegen eines Krankheitsfalles in der Familie aber kurzfristig absagen. Dafür war Laura Maire, bereits mit Preisen ausgezeichnete Sprecherin für Hörspiel und Hörbuch, aus München angereist.

Mit ruhiger Stimme entfaltete sie die Faszination der poetischen Sprache in Kinskys Erzählung, die das Leben im Landstrich Banat - einem Streifen "Niemandsland zwischen Ungarn, Serbien und Rumänien"- ein literarisches Denkmal setzt. Historische Klänge wie Franz Schuberts "An die Laute" ließen die Veranstaltung wunderbar ausklingen.

Dreimal ausverkauft

Nicht nur am Samstagabend, sondern auch am Sonntag noch zweimal gastierte das intellektuelle Sommervergnügen an der Werburg.

Alle drei Veranstaltungen waren mit je 120 Besuchern ausverkauft.

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