Kleines Dankeschön: Friedhelm Diebrock vom NABU überbringt die Plakette, Kathrin Haulle vom „Dorfkrug" freut sich über die neuen Mitbewohner. - © Karin Wessler
Kleines Dankeschön: Friedhelm Diebrock vom NABU überbringt die Plakette, Kathrin Haulle vom „Dorfkrug" freut sich über die neuen Mitbewohner. | © Karin Wessler

Enger Schwalben gründen Familie am Dorfkrug

NABU: Familie Haulle an der Alten Dorfstraße für freundliche Aufnahme der Rauchschwalben ausgezeichnet

Karin Wessler

Enger-Besenkamp. Die ersten Versuche ein Nest am „Dorfkrug" zu bauen schlugen fehl. Doch nach dem Regen der letzten Tage gelang es einem Rauchschwalbenpaar, ein Nest im Eingangsbereich zu bauen. Und: „Die dürfen bleiben", sagt Inhaberin Kathrin Haulle. „Mich stören sie nicht, im Gegenteil, ich freue mich, wenn sie hier ein und aus fliegen – auch wenn wir jetzt öfter fegen und putzen müssen." Dafür zeichnete der Naturschutzbund (NABU) Familie Haulle jetzt aus. Der Kreisvorsitzende Friedhelm Die-brock überbrachte zusammen mit Günter Bergermann vom Heimatverein Enger die Plakette mit der Aufschrift „Hier sind Schwalben willkommen", die sogleich im Mauerwerk festgedübelt wurde. Früher bauten die Schwalben in Pferdeställen „Die Rauschwalben haben hier eine überdachte und geschützte Möglichkeit gefunden, ihr Nest zu bauen", stellte Friedhelm Diebrock fest. „In früheren Zeiten fanden die Schwalben ja oft in Pferdeställen, Scheunen oder Dielen passende Möglichkeiten. Aber die gibt es ja kaum noch." Auch am Dorfkrug seien die ersten Nestbauversuche nicht gelungen. „Jetzt haben die Vögel offenbar auch gutes Baumaterial gefunden." Die Plakette solle ein kleines Dankeschön für die Hausbewohner sein. „Die Schwalben machen nun mal viel Arbeit, sie kleckern ja alles voll", weiß der Naturschützer. „Aber es gibt im Kreis Herford ganz viele Leute, die im Frühjahr darauf warten, dass die Tiere wieder kommen." Über 100 Schilder habe der NABU in den vergangenen fünf Jahren an Schwalbenfreunde verteilt. „Aber es gibt ebenso viele Menschen, die die Nester wieder abschlagen", beklagte er. Da die Zahl der Viehställe zurückgehe, fänden auch die Schwalben weniger Nistmöglichkeiten. „Hinzu kommt, dass heute die Einfahrten zu den Häusern gepflastert und dass Feldwege auch oft asphaltiert sind. Früher habe es stattdessen lehmige Flächen gegeben. „Dort fanden die Schwalben dann ihr Baumaterial für das Nest." Insekten fehlen Nachteilig wirke sich auch aus, dass die Zahl der Insekten – und damit die Anzahl der Futtertiere – drastisch zurück gehe. „Der Insektenbestand ist in den vergangenen Jahren um 75 Prozent zurück gegangen. So finden die Vögel nichts mehr, was sie fressen können. Und wenn die Schwalben, die ja im Flug jagen, kein Futter finden, verhungern sie." Da müsse man etwas tun, so Diebrocks Forderung. „Durch entsprechenden Einkauf kann jeder die Bio-Landwirtschaft stützen", so seine Anregung. Auf den Äckern und Feldern gebe es kaum noch Wildkräuter, moniert der NABU-Kreisvorsitzende. „Aber die Wildkräuter bilden die Lebensgrundlage für Insekten. Und die wiederum sind die Nahrung für Vögel und eben auch für die Schwalben", erläutert er. „Wir haben es selbst in der Hand: Wir müssen die andere Landwirtschaft unterstützen, wenn wir etwas ändern wollen", sagt er. „Landschaft ist Leben – Zeit, dass uns was blüht" Daher lädt der NABU am 29. und 30. September zu der zweitägigen Veranstaltung „Landschaft ist Leben – Zeit, dass uns was blüht" ein. „Da gibt es viele Informationen darüber, wie Artenvielfalt, Landwirtschaft und Konsumverhalten zusammen hängen", kündigt er an. Weitere Informationen zu dieser Tagung und auch zu weiteren Aktionen des Naturschutzbundes im Kreis Herford gibt es im Internet unter www.nabu-im-kreis-herford.de

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