Immer wieder: Gerade am Franziska-Spiegel-Weg in Hücker-Aschen wird häufig illegal Grünschnitt entsorgt. Peter Franzeck (l.) und Holger Stoppkotte von der BUND-Kreisgruppe Herford machten schon im letzten Jahr darauf aufmerksam. Foto: NW-Archiv/Mareike Patock - © Mareike Patock
Immer wieder: Gerade am Franziska-Spiegel-Weg in Hücker-Aschen wird häufig illegal Grünschnitt entsorgt. Peter Franzeck (l.) und Holger Stoppkotte von der BUND-Kreisgruppe Herford machten schon im letzten Jahr darauf aufmerksam. Foto: NW-Archiv/Mareike Patock | © Mareike Patock

Spenge Illegale Grünschnittentsorgung kann teuer werden

Wenn der Waldboden zum Tatort wird: Wer erwischt wird, muss bis zu 150 Euro Bußgeld zahlen. Vor allem aber zahlt die Natur für das rücksichtslose Verhalten mancher Bürger

Martina Chudzicki

Der Lenzinghausener wollte seinen Augen nicht trauen. Gerade erst hatte er zusammen mit vielen anderen ehrenamtlichen Helfern seinen Ortsteil in einem Frühjahrsputz auf Vordermann gebracht, da lag wenig später schon wieder ein großer Grünabfallhaufen im Straßengraben neben der Herforder Straße. Unmöglich findet der Mann – der namentlich nicht genannt werden möchte, weil er schon einmal Ärger mit einem Nachbarn deswegen bekommen hat – diese Art der Umweltverschmutzung. Denn genau das ist es, was viele noch immer als „Kavaliersdelikt" abtun. Gerade jetzt im Frühjahr, das weiß auch Doris Bartelheimer vom Umweltamt der Stadt Spenge, finden sich wieder viele Gartenabfälle in der freien Natur. Aber eigentlich, so sagt sie durchaus ein wenig resigniert, ist die illegale Grünabfallentsorgung das ganze Jahr über ein „durchgängiges und sehr ärgerliches Thema". "Ein Stück Ignoranz" Die Umweltfachfrau glaubt übrigens nicht, dass die meisten Menschen in Unwissenheit handeln, wenn sie ihren Strauch- oder Rasenschnitt frei nach dem Motto „Grün zu Grün – was soll da schon passieren?" im Wald oder am Straßenrand abkippen. Sie glaubt eher, dass da schon „ein Stück Ignoranz" mitspielt. „Jeder hat die Möglichkeit, seinen Grünschnitt in der Biotonne zu entsorgen oder zur Kompostieranlage zu bringen. Das kostet ja nicht viel", sagt sie. Aber selbst die paar Euro sind manchen Bürgern offenbar zu viel – auf Kosten der Natur. Denn Gartenabfälle gehören nicht in die freie Landschaft, sagt Bartelheimer. Ganze Ökosysteme können zerstört werden Im schlimmsten Fall könnten ganze Ökosysteme damit zerstört werden. Vor allem Waldböden, so sagt sie, seien sehr empfindlich. Hier abgekippter Rasenschnitt könne die Krautvegetation am Boden schnell ersticken. „Waldboden lebt", sagt sie. Unter den Abfallhaufen ersticken Kleinstorganismen aber auch Würmer im Erdboden oder Pilze. Gerade jetzt im Frühjahr sollten auf den Waldböden Buschwindröschen, Bärlauch oder Lerchensporn wachsen. „Das ist die typische Vegetation auf den Böden in unseren Buchenwäldern." Durch illegal entsorgten Grünabfall können diese Pflanzen aber verdrängt werden. Statt dessen machen sich dann Gartenpflanzen wie das Maiglöckchen hier breit, die definitiv nicht in den Wald gehören. „Die Herkulesstaude ist auch so ein Beispiel einer Pflanze, die durch Gartenabfälle verbreitet wurde." Die Pflanze kann bei Menschen starke Verbrennungen auf der Haut verursachen. „Und", so sagt Doris Bartelheimer, „es ist enorm schwierig, sie wieder aus der Natur zu entfernen." Doch nicht nur die Pflanzen des Waldes sind durch Grünabfälle gefährdet. „Letztendlich werden auch die Tiere vertrieben, die bei ihrer Nahrungsaufnahme auf die heimischen Pflanzen angewiesen sind", sagt die Fachfrau. „Diese illegale Müllentsorgung betrifft also das gesamt Ökosystem!" Abgesehen davon hält sie das Verhalten der Schubkarrentäter für absolut unsozial. Gerade in einer Erholungslandschaft seien die vor sich hinrottenden Dreckhaufen kein schöner Anblick und deshalb besonders ärgerlich. Geldbußen drohen Vielleicht entsorgen immer noch Menschen ihren Gartenabfall illegal in der Landschaft, weil sie sich sicher sind, nicht erwischt zu werden. Denn anders als bei wild entsorgtem Hausmüll, bei dem sich manchmal ein Hinweis auf den Verursacher entdecken lässt, ist das beim Grünschnitt sehr, sehr unwahrscheinlich, bedauert auch Dirk Placke, im Rathaus Spenge unter anderem für die Abfallentsorgung zuständig. Allerdings macht er sehr deutlich: Wer erwischt wird, muss mit empfindlichen Geldbußen rechnen. Denn die Grünabfallentsorgung im Wald oder am Straßenrand stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit 50 bis zu 150 Euro geahndet werden. Also mit deutlich mehr, als die Entsorgung im Kompostwerk kosten würde. Doris Bartelheimer setzt derweil weiter darauf, uneinsichtige Gartenbesitzer vielleicht doch noch sensibilisieren zu können. „Gerade Aufräumaktionen wie in Lenzinghausen und anderen Ortsteilen könnten dazu beitragen", hofft sie. Doch das bleibt Sisyphusarbeit. Sie erinnert sich an eine Aufräumaktion im letzten Jahr im innerstädtischen Naherholungsgebiet Katzenholz. „Da hatten wir einen großen Container aufgestellt, nur für die illegal entsorgten Grünabfälle". Er war innerhalb kürzester Zeit bis obenhin voll.

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