Georg Pohlmann geht auf die Probleme von Männern ein. Speziell von denen, die die erste Hälfte ihre Lebens hinter sich haben. - © Andreas Sundermeier
Georg Pohlmann geht auf die Probleme von Männern ein. Speziell von denen, die die erste Hälfte ihre Lebens hinter sich haben. | © Andreas Sundermeier

Spenge Wenn das Gegenüber ein Mann sein muss

Gesprächsgruppe in Spenge: Georg Pohlmann widmet sich als Systemischer Familienbetreuer der Gruppe der „Älteren Männer“

Andreas Sundermeier

Spenge/Berlin. Das Bundesforum Männer schreibt: „Es fehlen männerpolitische Impulse in der Gleichstellungspolitik". „Stimmt", sagt Georg Pohlmann. „Denn das Thema Männer ist ein großes." Der 69-jährige Spenger ist in die Fachgruppe „Ältere Männer" des Bundesforums berufen worden. Und nicht nur dort kümmert er sich um die Themen, die Männer schon ab 40, vielleicht ab 50, aber sicher ab 60 beschäftigen. Es geht um Beziehungen und auch um Gewalt In seiner Gesprächsgruppe in Spenge geht der ausgebildete Systemische Familienberater auf die veränderte Sexualität, Fragen in der Beziehung, Probleme im Job, aber auch auf das Thema „Gewalt in Pflegeheimen" ein. Auch geht es um das Engagement von Männern in Kindergärten und Grundschulen, um der dort fast ausschließlichen Erziehung der Kinder durch Frauen den männlichen Part zuzufügen. Seit vier Jahren engagiert sich Pohlmann im Bundesforum Männer. Das wird durchs Familienministerium finanziert. Und das ist nicht selbstverständlich. Pohlmann: „Denn allein schon im Namen sind die Männer nicht genannt. Das heißt Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend." Mittlerweile sei das Bundesforum Männer dem Deutschen Frauenrat gleichgestellt. Gespräche auf höhere Ebene bringen Natürlich profitiere seine neunköpfige Gesprächsgruppe in Spenge von den Informationen, die er im Bundesforum bei den vier Treffen pro Jahr in Berlin bekommt – „am besten sind die Gespräche mit den Teilnehmern aus ganz Deutschland in den Pausen". Und ebenso wichtig sei es, die konkreten Themen der Gespräche aus Spenge in Berlin auf eine höhere Ebene zu bringen. „Die Gruppe in Spenge", sagt Pohlmann, „besteht übrigens ausschließlich aus Männern, die nicht aus Spenge kommen. Ich will die Anonymität so weit als möglich wahren." In den Spenger Männergesprächen ist kein Thema tabu. Der systemische Familienberater sieht sich selbst als Moderator. „Und wenn niemand sich traut, etwas zu sagen, habe ich einen Ball, den ich irgend jemand in der Runde zuspiele. Der fängt dann an." Die Themen seinen vielfältig. „Die Sexualität ist ein großes Thema. Und dazu zählt auch die Bisexualität und Homosexualität, die manch einer erst im höheren Alter entdeckt. Da begleite ich das Coming-out." Treffen alle vier Wochen In der Gruppe treffen sich Männer im Alter von 45 Jahren und aufwärts alle vier Wochen. Pohlmann weist darauf hin, dass er keine psychotherapeutische Behandlung bieten könne. Er höre aber zu, stelle Fragen und bringe damit die Teilnehmer zum Nachdenken. Ein Aspekt der Gruppe sei, dass auch kritisches Nachfragen nicht nur erlaubt, sondern die Berücksichtigung anderer Aspekte sogar beabsichtigt sei. „Ich will dazu animieren, Veränderungen auszuprobieren. Mir ist es wichtig, nach vorn zu schauen, und die Männer soweit zu bringen, dass sie nicht wieder rückfällig werden und in alte Verhaltensweisen zurück kehren, die sich nicht bewährt haben." Ein großes Thema sei derzeit die Gewalt in Pflegeheimen. „Die gegen die Patienten und auch die gegen das Pflegepersonal." Gerade bei der Gewalt gegen Patienten gelte es, den Begriff genau zu definieren: Handelt es sich nur um die körperliche Gewalt, oder ist auch das Abschneiden der Würde eine Art von Gewalt? Auch die Gewalt in der Ehe sei ein Thema: „In 20 Prozent aller Gewalttaten in einer Beziehung seien Männer betroffen." Sinnvolles Ehrenamt „Was tun als Rentner, ist ein weitere Punkt", den Pohlmann als Problem sieht. Und das bestätigen ihm auch die Männer, mit denen er spricht; sowohl in seiner Gruppe als auch in der Systemischen Familienberatung. Eine Möglichkeit, die Zeit dann sinnvoll zu verbringen, sei das Engagement im Ehrenamt. Genau das lebt Pohlmann den anderen Männer vor. Denn selbstverständlich ist das Engagement für seinesgleichen ein ehrenamtliches.

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