Familiär: Nach dem Deutschunterricht plaudern Anne Beckmann (r.), Karl-Rudolf Hankel (2. v. l.) Eckhardt Wergin (4. v. l) und Kristin Springer (5. v. l.) mit Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien und Pakistan. - © Karin Wessler
Familiär: Nach dem Deutschunterricht plaudern Anne Beckmann (r.), Karl-Rudolf Hankel (2. v. l.) Eckhardt Wergin (4. v. l) und Kristin Springer (5. v. l.) mit Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien und Pakistan. | © Karin Wessler

Spenge "Den Menschen eine Chance geben"

Verein Asyl Spenge“: Seit vier Jahren bieten Ehrenamtliche den Flüchtlingen Deutschunterricht und Unterstützung an, sich hier einzuleben

Karin Wessler

Spenge. „Miteinander zu sprechen, das ist das Wichtigste überhaupt", sagt Anne Beckmann, die 1. Vorsitzendes des Vereins „Asyl Spenge". Zusammen mit vielen Mitgliedern des Vereins betreut sie Flüchtlinge in Spenge, unter anderem bietet der Verein auch Sprachunterricht an. Derzeit leben 230 Flüchtlinge in Spenge, davon rund 80 Kinder. „Wir möchten etwas dafür tun, dass die Menschen hier eine Chance haben" Immer montags und donnerstags füllen sich die Räume im Bürgerzentrum an der Poststraße 6a mit Menschen. „Von 9 bis 11 Uhr steht Deutschunterricht auf dem Stundenplan", erläutert Karl-Rudolf Hankel. 13 ehrenamtliche Lehrer vermitteln den Menschen aus Afghanistan, Syrien, Pakistan und anderen Ländern die deutsche Sprache. „Oft kann ein Lehrer einen einzelnen Schüler oder eine kleine Gruppe betreuen", berichtet er. Gesprochen werde immer nur Deutsch, betont Hankel. „Bei uns lernen die Menschen die Sprache von A bis hinter Z hinaus", sagt Hankel schmunzelnd. Analphabeten das Schreiben beigebracht Denn über den Sprachunterricht hinaus gibt es immer auch Hilfen für den Alltag. „Wir hatten hier schon Analphabeten, denen wir das Schreiben beigebracht haben", blickt er zurück. „Die mussten erst mal alle Buchstaben kennen lernen." Die Schülerinnen und Schüler erhalten auch Hausaufgaben. „Wir planen Ausflüge nach Cuxhaven und Bremerhaven. Da sollen sie sich im Internet schlau machen, was sich in den Städten für eine Besichtigung anbietet", erläutert Hankel. „Für die Flüchtlinge ist es wichtig, die Sprache anzuwenden und sich auch mitzuteilen", hat Anne Beckmann erfahren. „Freude, Gedanken, Gefühle und auch Ängste sollen angesprochen werden dürfen." Es sei zugleich wichtig, während des Unterrichtes Alltagskompetenzen zu erwerben. Damit alle – Männer wie auch Frauen – am Deutschunterricht teilnehmen können, gibt es eine Kinderbetreuung. Uno oder Schach sind beliebt „Wir haben in unseren Reihen vier Frauen und Männer, die sich mit den Mädchen und Jungen beschäftigen – damit die Mütter in Ruhe lernen können." Auch am Freitagabend von 19 bis 21 Uhr, wenn der „Club International" im Bürgerzentrum zusammen kommt, gibt es ein Kinderprogramm. „Dann wird vieles besprochen. Die Themen reichen von Wohnungsverhältnissen zu Krankheiten oder Amtsbesuchen. Es gibt auch Spieleabende – Uno oder Schach sind beliebt", berichtet Anne Beckmann. Das biete auch ein wenig Ablenkung. „Das in der Regel lange Warten auf eine Entscheidung, ob der Asylantrag angenommen wird, ist oft sehr zermürbend." Die Ehrenamtlichen kümmern sich auch um ein Freizeitprogramm. „Wir besuchen Konzerte, sehen Filme, unternehmen Wanderungen und Ausflüge", berichtet Hankel. „Da sind ganze Familien unterwegs und ein Bus ist immer schnell voll." Es werde gern und viel gesungen. Vereinsmitglieder bringen eine Geige oder eine Mundharmonika zur Begleitung mit. „Das Singen gehört einfach dazu. Das sorgt für eine lockere Atmosphäre und heitert manchen etwas auf", so Hankels Erfahrung. Gute Arbeit leistet Jamal Hamil Mitglieder von „ Asyl Spenge" bieten auch individuelle Beratung und Unterstützung in verschiedenen Bereichen an. „Manchmal können schon Terminabsprachen eine große Hürde darstellen", weiß Anne Beckmann. Sie begleitet Flüchtlinge auch bei Behördengängen und gibt Hilfestellungen wenn es darum geht, in Arbeit zu kommen. Gute Arbeit leiste auch Jamal Hamil, bei der Stadtverwaltung in der Abteilung Soziales, Familie, Senioren zuständig für Flüchtlingsangelegenheiten. „Er spricht Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Das ist sehr wichtig", sagt Anne Beckmann. Eine große Aufgabe des Vereins sei auch die Ausstattung von Wohnungen. „Wir haben schon 40 Wohnungen eingerichtet, das ist eine Riesennummer", betont Hankel. „Der Bedarf an Einzelwohnungen oder an Räumlichkeiten für Zweier-Wohngemeinschaften ist immer da", unterstreicht auch Beckmann. Aktuell werden funktionstüchtige Laptops und CD-Spieler gesucht. „Damit die Flüchtlinge Sprach- und Lernprogramme damit abspielen können", erläutert Karl-Rudolf Hankel. „Spenden dürfen gerne während montags und donnerstags während des Sprachunterrichtes im Bürgerzentrum abgegeben werden."

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