Spenge Spenger will gegen Nahles antreten

Weiterer Kandidat um SPD-Parteivorsitz: Rolf Allerdissen wirft seinen Hut in den Ring / Der 51-Jährige fordert die Rücknahme der „Hartz IV-Sanktionen“.

Ekkehard Wind

Spenge/Leipzig. Nein, eine Kneipenidee sei es nicht, versichert Rolf Allerdissen. Der aus Spenge stammende 51-Jährige will bei der Wahl um den SPD-Bundesvorsitz gegen die übermächtige Andrea Nahles antreten. Vor wenigen Tagen habe er der SPD-Zentrale in Berlin per Einschreiben seine Kandidatur gemeldet. Eine Rückmeldung stehe noch aus, sagt er. Unzufriedene Basis Große Teile der Basis seien mit der organisatorischen Führung und der Ausrichtung der politischen Ziele durch die Spitze der Partei unzufrieden und würden den Erneuerungsprozess lieber heute als morgen sehen, sagt Allerdissen, der seit vier Jahren in Leipzig lebt. „Wenn man in einer Stadt wie Leipzig wohnt, wird man schnell politisiert", sagt der Frührentner. Für einen Menschen mit Behinderung sei es oft schwer, an der Gesellschaft teilhaben zu können. Das habe er nicht länger akzeptieren wollen und engagierte sich. Er ist nach eigenen Angaben unter anderem Mitglied im sozialdemokratischen Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft „Selbst Aktiv" in Sachsen, die sich um die Belange von Behinderten kümmert. Rekordexperte Über Ostwestfalen-Lippe hinaus hatte sich der gebürtige Spenger vor Jahren als Rekordexperte einen Namen gemacht. „Ich habe rund 50 Weltrekorde fürs Guinness Buch der Rekorde organisiert", sagt der gebürtige Spenger. Damit landete er auch als Wasserrutschen-Experte in der Pro 7-Sendung Galileo. „Es ging darum, dass deutschlandweit innerhalb von 24 Stunden möglichst viele Menschen die Wasserrutsche hinunter sausen." Baden ging zunächst sein Interesse an der SPD. Er haderte mit seiner Partei: Er prangerte deren „Neoliberalismus" seit Mitte der 70-er Jahre an – und trat aus der SPD aus. Kurskorrektur gefordert Im vergangenen Jahr ist er wieder SPD-Mitglied geworden. „Denn ich habe einfach ein Herz für die Sozialdemokratie." Aber er fordert eine Kurskorrektur. Nach seiner Auffassung muss die SPD einen starken Linksschwenk vollziehen, um wieder für Wählerinnen und Wähler attraktiv zu werden. „Wir müssen hin zur Solidargemeinschaft – die Interessen der Schwachen müssen im Vordergrund stehen." Seine zentrale politische Forderung lautet: „Die Rücknahme der Hartz IV-Sanktionen." "Es ist eine ernsthafte Kandidatur" Den Vorwurf, er betreibe eine Spaßkandidatur, weist Allerdissen zurück. „Es ist definitiv eine ernsthafte Kandidatur. Es geht mir darum, ein Zeichen zu setzen. Wir müssen alte Zöpfe abschneiden und die Erneuerung wagen – aber richtig." Respekt habe er auch vor den anderen Kandidaten, die den Mut hätten, gegen Andrea Nahles anzutreten. Denn mit seinem Vorstoß, ein Zeichen der Basis zu setzen, steht Allerdissen nicht alleine da. Überraschend hatte zunächst die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange ihre Kandidatur für die Nachfolge von Martin Schulz angemeldet. Udo Schmitz, Vorsitzender des SPD-Ortsverbands Stadland bei Bremerhaven, kündigte ebenfalls seine Gegenkandidatur zu Nahles an. Und auch Dirk Diedrich aus Dithmarschen, stellvertretender SPD-Kreisvorsitzender und Mitglied im Landesvorstand der schleswig-holsteinischen Sozialdemokraten, wirft seinen Hut in den Ring. Einladung von Ortsvereinen Allerdissen weiß, gegen die übermächtige Partei-Maschinerie hat er keine Chance. „Aber ich habe schon verschiedene Einladungen von Ortsvereinen in der Republik – und die will ich besuchen." Und auch in seine alte Heimat Ostwestfalen könnte seine Reise führen: „Es gibt erste Kontakte zu den Jusos in Herford."

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