Ein gewohntes Bild: Gisela Recken steht als Schülerlotsin jeden Schulmorgen mitten auf der Werther Straße und hält den Verkehr an. Auch bei Regen, Schnee oder Dunkelheit sorgt sie mit ihrer grellgelben Weste für die Sicherheit der Grundschüler in Lenzinghausen. - © Andreas Sundermeier
Ein gewohntes Bild: Gisela Recken steht als Schülerlotsin jeden Schulmorgen mitten auf der Werther Straße und hält den Verkehr an. Auch bei Regen, Schnee oder Dunkelheit sorgt sie mit ihrer grellgelben Weste für die Sicherheit der Grundschüler in Lenzinghausen. | © Andreas Sundermeier

Spenge Schülerlotsin geht in den Ruhestand

31 Jahre im Dienst: Für Gisela Recken steht die Sicherheit der Kinder in Lenzinghausen stets im Vordergrund. Auch mit Verkehrsrüpeln bekommt sie es immer wieder zu tun.

Andreas Sundermeier

Spenge-Lenzinghausen. Ab 1. Februar hat Gisela Recken Freizeit. Auch morgens. Denn dann steht sie nicht mehr pünktlich das erste Mal um 7.45 Uhr auf der Werther Straße. Dann ist die Schülerlotsin nach 31 Jahren im Ruhestand. Sie wird ihren Job vermissen, sagt sie. „Es ist schon schön, die Kindern zu beobachten, wenn sie jeden Morgen allein oder in Gruppen über die Straße gehen. Wenn sie sich unterhalten, manchmal warten und je nachdem wie sie geschlafen haben, fröhlich sind oder ganz ruhig." Damit die Kinder weiterquatschen können Und wenn die Kinder noch im intensiven Gespräch vertieft sind, dann geht Gisela Recken auch gern schon mal einige Sekunden früher als normal auf die Straße und hält die Autos auf Höhe der Bülow-Nase auf. Damit die Kinder weiterquatschen können und problemlos und vor allen Dingern sicher zur Schule kommen. Vor 31 Jahren hat Gisela Recken von einem Polizisten eine Einweisung bekommen und steht seitdem mit ihrer grellen Jacke und der Kelle auf der Straße. „Irgendwann habe ich mir auch mal LED-Blinkies besorgt. Die trage ich dann um den Arm um noch besser sichtbar zu sein." "Die Frau hatte mich wohl nicht gesehen" Und das tut Not. Kinder seien noch nicht gefährdet gewesen. Sie selbst schon. Gerade jetzt, ein paar Tage vor Weihnachten, machte sie unliebsame Bekanntschaft mit einer jungen Frau. „Die fuhr in ihrem kleinen Auto von hinten auf mich zu und hatte mich wohl gar nicht gesehen. Ich glaube, die hat telefoniert." Als sie die Schülerlotsin dann doch sah, bremste sie scharf ab und kam kurz hinter ihrem Rücken zum Stehen. „Die war so nah – hätte ich die Kelle fallen lassen, wäre die auf ihrer Motorhaube gelandet." Das sind Momente, die Gisela Recken gar nicht mag. „Der Frau habe ich dann angedeutet, sie solle die Seitenscheibe herunterkurbeln und dann habe ich ihr gesagt, dass sie ja weiterfahren soll. Aber vorsichtig." Denn: „Meckern hilft doch nichts." Und so verfährt sie auch mit den Kindern, denen sie morgens um 7.45 Uhr und um 8.45 Uhr den Weg zur Schule und dann um 11.35 Uhr, um 12.35 Uhr und um 13.25 Uhr den Weg zurück über die Werther Straße sichert. Da heißt es manchmal: „Du bist aber supernett." Mit dieser Art der Anerkennung kann sie gut umgehen. „Und auch zu den Weihnachtsfeiern an der Grundschule bin ich immer eingeladen. Das ist sehr schön." „Am Anfang musste ich mal vor einem Lkw weghüpfen" Die Kinder kämen entweder einzeln oder in Gruppen. Sammeln, um gemeinsam die Straße zusammen zu überqueren, müssten sie sich nicht. „Jedes Mal wenn ein Kind kommt, stelle ich mich mitten auf die Straße." Mittig zu stehen sei wichtig: „Denn dann kann ich nach rechts oder links wegspringen." Es sei tatsächlich schon passiert, dass Autos nicht halten. „Am Anfang, daran erinnere ich mich noch gut, kam da mal ein Lkw, hielt nicht und ich musste weghüpfen. Da hab ich mir wirklich gedacht: Willst du das wirklich machen?" Sicherheit steht ganz oben Sie wollte. Und so hat Gisela Recken ihren Job als Schülerlotsin so lange verrichtet, dass sie jetzt sogar Eltern wieder erkennt, die ihre Kinder zur Schule bringen. Und die sie selbst vor geraumer Zeit sicher über Werther Straße geleitet hat. Und auch den ein oder anderen Autofahrer Sicherheit steht bei ihr ganz oben. „Wenn ich mal nicht da war, dann habe ich das den Kindern schon Tage vorher gesagt, und sie gebeten, den Ampelüberweg zu nutzen. Und ich glaube, das haben die dann auch wirklich gemacht." Und dann schränkt sie ein: „Zumindest in der ersten Zeit." Recken vermutet, dass die Kindern danach wieder den gewohnte Weg an der Bülow-Nase über die Werther Straße durch den Pattweg zur Jahnstraße nutzten. Stelle soll wieder besetzt werden Und so hofft sie, dass ihre Stelle bald wieder besetzt wird. Dann sei dieser Weg wieder sicher. Das sieht auch die Stadt Spenge so. Der zuständige Fachbereichsleiter Karsten Heidbrink nimmt gern Bewerbungen für die als Minijob dotierte Stelle an. „Das könnte sicher gut jemand machen, der morgens die Zeit dazu hat und in der Nähe wohnt. Vielleicht auch jemand, der schon in Rente ist. Die Stelle ist zum 1. Februar frei. Bewerbungen nimmt er im Rathaus entgegen.

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