Spenge Hebamme: Ganzer Berufsstand vor schwerer Geburt

Abschied: Letzter Kursus für Rückbildungsgymnastik der Hebamme Manuela Meyer aus Spenge ist ausgelaufen

Karin Wessler

„Das frauenorientierte Arbeiten, das war mir immer ein großes Anliegen." So beschreibt Hebamme Manuela Meyer ihre Motivation, diesen Beruf auszuüben. Viele Jahre lange hat sie schwangere Frauen vor und nach der Geburt betreut. Doch nun konzentriert sich die Spengerin auf ihre Arbeit im Kreißsaal des Krankenhauses Bethel, freiberuflich will sie nun nicht mehr tätig sein. Frauen, die sie in den letzten Monaten und Jahren in der Nachsorge betreut hatte, verabschiedeten sie unlängst als wichtige und zuverlässige Begleiterin. Weit über 2.000 Kindern hat Manuela Meyer auf die Welt geholfen. Im Jahr 1993 wurde sie Hebamme und war seither in Bethel tätig. „Die Nebenberuflichkeit war für mich ein zweites Standbein", sagt sie. „Immer Mittwochabends war ich für die Frauen in Spenge da." Es sei kein leichter Entschluss gewesen, dieses nun aufzugeben. „Aber die Auflagen sind einfach zu hoch – und die Kosten allein für die Haftpflichtversicherung sind kaum aufzubringen", erklärt sie. „1994 habe ich 204 D-Mark im Jahr für die Haftpflicht zahlen müssen. Im Jahr 2017 musste ich 901,78 Euro bezahlen", berichtet sie. Dazu sei der Verdienst, der für sie in den Geburtsvorbeitungs- und Rückbildungskursen übrig blieb, nicht proportional mit gestiegen. Eine freiberufliche Hebamme mit Geburtshilfe muss sogar pro Jahr 7.000 Euro für die Haftpflichtversicherung zahlen. „Und das alles ist netto. Das muss man erst mal verdienen", sagt sie. Kosten entstehen auch aus Abgaben für die Berufsgenossenschaft, für das Abrechnungsprogramm, Kontoführungsgebühren, für Fortbildungen, für die Miete des Praxisraumes oder für die Mitgliedschaft im Bund Deutscher Hebammen. „Und Fortbildungen sind Pflicht. Ich muss in drei Jahren 60 Stunden an Weiterbildungen nachweisen, sonst ist die Zulassung weg", erklärt sie. Zudem seien freie Hebammen verpflichtet, ein vorgegebenes „Qualitätsmanagement" einzuführen und umzusetzen. „Wenn man das nicht macht, zahlen die Krankenkassen nicht mehr." Dieses Qualitätsmanagement sei „ein Riesenaufwand", um dieses umzusetzen, seien wieder Fortbildungen nötig. „Es gibt Verfahrensanweisungen für alles – das ist eine absolute Zumutung", schimpft sie. „Das steht nicht mehr im Verhältnis zu dem, was ich beruflich mache. Ich möchte mich doch auf die Arbeit konzentrieren und lieber Zeit in die Frauen und Kinder investieren." Sie wolle das Qualitätsmanagement nicht verteufeln. „Aber es geht vieles zu Lasten der ureigensten Arbeit und zu Lasten der Frauen." Es gebe immer mehr Bürokratie. „Die Forensik lauert." Manuela Meyer weiß: In Bethel gebe es einen gut besetzten Kreißsaal, "und die Kolleginnen sind toll". Viele Kliniken im Lande schließen aber ihren Kreißsaal. „Aus finanziellen Gründen", sagt sie. „Viele Krankenhäuser sind in Not, weil sie oft auch kein Personal zur Besetzung des Kreißsaales finden." Die Arbeit ist halt nicht attraktiv: Es wird in Schichten gearbeitet und die Arbeitszeiten sind oft lang. In Bethel gebe es bereits eine ganze Reihe von Leihärzten. „Politik und die Krankenhäuser selbst müssen dringend tätig werden", so ihre Einschätzung. Doch nach wie vor gebe es immer noch außerklinische Geburten, etwa in Hebammenpraxen oder auch Zuhause. „Hebammen dürfen Geburten ohne Beisein von Ärzten begleiten, Ärzte aber nicht ohne Hebamme – das ist halt unser Beruf." Ein Arzt werde dann hinzu gezogen, wenn es Probleme gebe. Für sie ist „sehr wichtig", dass Babys per Spontangeburt zur Welt kommen. „Die Kinder sind dann viel stabiler", weiß sie aus langjähriger Erfahrung. Ein Kaiserschnitt sollte nur bei Komplikationen gemacht werden. Manuela Meyer war es immer wichtig, den Frauen die Angst vor der Geburt zu nehmen. „Es ist immer wichtig, dass Frauen ihre Fragen mit mir oder mit anderen Schwangeren besprechen zu können." Aus ihren Kursen bildeten sich einige Netzwerke. „Soziale Kontakte sind für Schwangere und für junge Mütter immens wichtig. Da haben sich auch einige Freundinnen gefunden", sagt Manuela Meyer. „Es sind auch Walkinggruppen und ein Kegelclub entstanden."

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