Erntezeit: Ab dem späten Sommer sind die ersten Kartoffeln reif. Auf 24 Hektar baut der Landwirt mit seinem Neffen die Knollen an. - © Friderieke Schulz
Erntezeit: Ab dem späten Sommer sind die ersten Kartoffeln reif. Auf 24 Hektar baut der Landwirt mit seinem Neffen die Knollen an. | © Friderieke Schulz

Kreis Herford Raus aufs Land: Der Kartoffelhof der Familie Fischer-Riepe

Raus aufs Land - letzte Folge: Der Kartoffelhof der Familie Fischer-Riepe in Spenge

Friderieke Schulz

Kreis Herford. Seit mehr als 60 Jahren baut der Familienbetrieb Fischer-Riepe in Spenge Kartoffeln an. "Das kam durch die allgemeine Spezialisierung der Landwirtschaft", erzählt Klaus Fischer-Riepe. Wie ihm ging es vielen Landwirten im Kreis Herford. Überall haben sie ihre Höfe weiterentwickelt und das Angebot erweitert. Zu finden sind diese Höfe in der Broschüre "Landservice" der Landwirtschaftskammer NRW. Einige davon stellte die NW in den vergangenen Wochen dienstags vor. Heute endet die Serie "Raus aufs Land". "Erste Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 130 nach Christus. Damals wird der Hof als ,Colon Riepo? aufgeführt", weiß Klaus Fischer-Riepe über die Historie. Der 58-Jährige hat den Wandel auf dem Hof maßgeblich eingeleitet. "Früher war dies ein Hof wie jeder andere. 40 Rinder, einige Schweine und Kartoffeln nebenbei", so Fischer-Riepe. Bis in die 1970er-Jahre hinein war hier sogar der Gemeindebulle zu Hause: "Ich erinnere mich noch gut daran, dass derjenige, der ihn führte, eine Mark dafür bekam." Doch die zunehmende Spezialisierung zwang auch den Spenger zur Entscheidung: "Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für die Kartoffel und entschied mich, dieses Standbein zu festigen." In den 1990er-Jahren entstand der Kontakt zum heutigen Edeka-Konzern. Heute ist die Belieferung der Märkte die Haupteinnahmequelle, aber auch der Hofladen läuft gut. Durch ein ausgeklügeltes Trocknungs- und Verarbeitungssystem kann er das ganze Jahr über frische Kartoffeln garantieren.Sieben Kartoffensorten mit weiblichen Vornamen Und seine sieben Sorten, die übrigens alle weibliche Vornamen tragen, gibt Fischer-Riepe in keinem Arbeitsschritt aus der Hand. "Von dem Anbau über die Ernte bis hin zur Verarbeitung, Auslieferung und Präsentation im Supermarkt machen wir alles selbst." Wir, das sind neben Klaus Fischer-Riepe, seinem Mitarbeiter Grigor Grigorian und einigen Aushilfen auch Neffe Tim Fischer-Riepe. Der 27-Jährige hat das Kartoffelgen von seinem Onkel geerbt und möchte nach der Abgabe seiner Masterarbeit, die natürlich die Kartoffel behandelt, den Familienbetrieb übernehmen. "Mein Onkel ist ein echter Spezialist, ich arbeite gern mit ihm zusammen und die sandigen Lehmböden sind optimal für die Kartoffel", berichtet der Student. Das erleichtert auch die Behandlung der Pflanzen, auf die die beiden Landwirte ein genaues Auge haben: "Wir versuchen, an den kleinen Schrauben zu drehen und alternative Mittel zu verwenden." Dasselbe gilt auch in der Weiterverarbeitung. Bei Fischer-Riepes werden die Kartoffeln nicht gewaschen, sondern über Kühlung in Gitterboxen gelagert und erst vor der Auslieferung abgebürstet. Dass die Sorten Frauennamen tragen, scheint übrigens auch nicht von ungefähr zu kommen: "Linda ist zum Beispiel eine untreue Sorte. In neun von zehn Jahren ist sie vorwiegend festkochend, dann wieder fest- oder weichkochend. Man weiß nie, wie sie in diesem Jahr ist." Aber trotzdem macht Klaus Fischer-Riepe seine Arbeit Spaß: "Ich bin stolz darauf, alle Verarbeitungsstufen in der Hand zu haben. Ich sehe mich als Dienstleister und freue mich, wenn ich im Supermarkt am Regal stehe und die Menschen mich verdutzt anschauen, weil sie nicht damit gerechnet haben, dass ein Mensch hinter dem Produkt Kartoffel steht." Diese war die letzte Folge unserer Serie "Raus aufs Land". Alles Serienteile auf einen Blick finden Sie in unserer interaktiven Karte.

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