Auf dem Hof der Familie Ortmann gibt es viele verschiedene Kartoffelsorten. - © Friderieke Schulz
Auf dem Hof der Familie Ortmann gibt es viele verschiedene Kartoffelsorten. | © Friderieke Schulz

Kreis Herford Raus aufs Land: Der Hof Ortmann in Vlotho-Exter

Friderieke Schulz

Kreis Herford. "Die 1960er-Jahre waren schlechte Zeiten für die Landwirtschaft. Der Preisverfall und die Mechanisierung brachten gerade kleine Höfe wie unseren in Schwierigkeiten", sagt Marlene Ortmann. Viehhandel und Kartoffelanbau waren damals ihr Ausweg. Wie ihr ging es vielen Landwirten im Kreis Herford. Überall haben sie ihre Höfe weiterentwickelt und das Angebot erweitert. Zu finden sind diese Höfe in der Broschüre "Landservice" der Landwirtschaftskammer NRW. Einige davon stellt die NW dienstags vor. Seit mehr als 200 Jahren ist die Familie Ortmann auf ihrem Hof in Vlotho-Exter zu Hause. "Meine Urgroßeltern haben ihn noch im Vollerwerb betrieben", erzählt Marlene Ortmann. Die 79-Jährige kann sich noch gut daran erinnern, wie ihr Vater einige Kühe, Zuchtsauen sowie Mastschweine hielt. "Dafür bauten wir auch Futter an. Das waren Rüben und Runkeln", sagt Ortmann. Auch Kartoffeln waren bereits in ihrer Kindheit ein Erwerbszweig der Familie. "Damals waren sie das Hauptnahrungsmittel und man konnte damit gutes Geld verdienen." Zentnerweise habe ihr Vater die Knollen mit dem Pferdekarren in die Stadt gefahren. "Ich bin oft und gern mit meinen Eltern zum Markt nach Herford gefahren, wo wir unsere Kartoffeln, aber auch Gemüse und Obst aus unserem Garten verkauft haben", erinnert sich Ortmann. Nach dem frühen Tod des Bruders übernahm Ortmann selbst die Landwirtschaft auf ihrem elterlichen Hof. In den 60er-Jahren wurde es schwieriger in der Landwirtschaft. "Wir mussten uns also etwas einfallen lassen." Ein Viehhandel wurde ins Leben gerufen, den ihr Mann leitete. Heute wird dieser von ihrem Sohn betrieben. "Zum Glück war die Landwirtschaft meinen Söhnen auch wichtig." Mit der Veränderung stellten sie jedoch Schweine- und Kuhhaltung ein, denn bei der Betriebsgröße konnten Ortmanns damit kein Geld mehr verdienen. Ganz anders war es mit der Kartoffel, die durch einen Zufall heute das Hauptstandbein des Nebenerwerbsbetriebes der Familie ist. "Frau Lorey vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt sprach mich an, sie hätte etwas für mich", erinnert sich Ortmann an das Gespräch, nach dem Ortmann und ihr Sohn begannen, zunächst die ältesten Sorten "Bamberger Hörnchen" und "Vitelotte" anzubauen. Bald wurden es mehr, denn die Nachfrage war enorm. Heute haben Ortmanns mehr als zehn verschiedene historische Kartoffeln in vielen bunten Farben und einige neuere Sorten. "Wir bauen sie sehr schonend an, da gerade die Historischen sehr pflegeintensiv sind." Doch die Farbe ist nicht das einzig Besondere an den Knollen. "Sie schmecken alle unterschiedlich.Von zart und fein bis hin zum Karotffel-Urgeschmack ist alles dabei", sagt die 79-Jährige. Vermarktet werden diese auf ausgewählten Märkten und samstags vom Hof aus. "Unsere normalen Kartoffeln kann man zudem in unseren Verkaufshäuschen kaufen", sagt Ortmann. Die Kunden kommen von weit über die Kreisgrenze hinaus zu Ortmanns, um ein paar bunte Knollen zu erhalten. "Mir macht das sehr viel Spaß. Ich kann mich mit den Kartoffeln identifizieren, erzähle den Kunden auch gern etwas darüber und freue mich jetzt schon wieder auf die Märkte - das praktizieren wir immer, denn es ist für uns etwas Besonderes." Wir, das sind neben Ortmann und ihrem Sohn Rüdiger, der sich um den Anbau der Knollen kümmert, auch Megan und Kayley, Ortmanns Enkelkinder. Sie haben ebenfalls großen Spaß am Marktgeschehen und helfen ihrer Großmutter beim Vertrieb genauso wie beim Sortieren der Knollen auf dem Hof. "Die Leute sind begeistert, wenn sie die Kartoffeln sehen, und können gar nicht glauben, dass dies die ältesten Sorten sind und keine Neuzüchtungen", erzählen die Zwillinge, die das Kartoffelgen von ihrer Großmutter geerbt haben. ´ Nächste Folge: Am nächsten Dienstag lesen Sie, warum sich bei Fischer-Riepe in Spenge alles um Frauennamen dreht.

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