Einladend: Der Eingang zum Hofladen der Ottensmeiers. - © Friderieke Schulz
Einladend: Der Eingang zum Hofladen der Ottensmeiers. | © Friderieke Schulz

Kreis Herford Raus aufs Land: Erfolg mit Selbstgemachtem

Der Kartoffelhof Ottensmeier in Bünde-Spradow

Friderieke Schulz

Kreis Herford. Die Idee zum Hofladen kam Ottensmeiers aus der Not heraus. „Wir überlegten, wie man den Hof nutzen könnte, denn viele Flächen haben wir nicht“, erzählt Klaus Ottensmeier. Wie ihm ging es vielen Landwirten im Kreis Herford. Überall haben sie ihre Höfe weiterentwickelt und das Angebot erweitert. Zu finden sind diese Höfe in der Broschüre „Landservice“ der Landwirtschaftskammer NRW. Kartoffeln gab es bei Ottensmeiers in Bünde seit Klaus Ottensmeier denken kann. „Mein Großvater war noch so ein traditioneller Landwirt. Er hielt Tiere, baute Getreide und Kartoffeln an“, weiß der 64-Jährige. In den 90er-Jahren änderten sich jedoch die Strukturen und sein Vater, der den Betrieb damals bewirtschaftete, schränkte sich immer mehr ein. „Bereits in den 80er-Jahren verließen die letzten Kühe den Hof, später die Schweine“, sagt Ottensmeier und erzählt, dass auch die Kraft seiner Eltern nachließ. „Also überlegte ich mit meiner Frau, was wir tun können, um den Hof zu halten. Denn unser Zuhause aufzugeben, das kam für uns nicht in Frage“, so der Bünder. Seine Frau war zu diesem Zeitpunkt als Hauswirtschaftsmeisterin angestellt, er selbst als Bauingenieur. Beides gaben sie auf, um sich ganz dem Familienbetrieb widmen zu können. Ende der 90er öffneten sie den Hofladen auf der Deele des Haupthauses. „Das war recht bescheiden. Wir wussten nicht, wie und ob es überhaupt angenommen wird und waren daher erst einmal vorsichtig“, lacht Ottensmeier. Heute weiß der 64-Jährige von Erzählungen, was die Kunden nach Spradow lockt.Ohne Zusatz- oder Konservierungsstoffe Es sind die selbst gemachten Produkte der Familie. Denn nicht nur die Kartoffeln, übrigens das Markenzeichen des Hofes, stammen vom eigenen Feld. Auch Eier, Hühner, Enten und Gänse sind auf den Hofweiden zu Hause und können als Weihnachtsbraten vorbestellt werden. Als Hauswirtschaftsmeisterin hatte Elke Ottensmeier von Beginn an einen Anspruch: „Ob Marmeladen, Säfte oder Eingemachtes aus dem Garten. Ich bereite alles ohne Zusatz- oder Konservierungsstoffe zu.“ Auch die Hausmacherwurst. Um diese herstellen zu dürfen, nahm Ottensmeier an einer Schulung teil. Die Rezepte für die Wurst stammen jedoch aus alten Familienbüchern und selbst die Schweinerasse ist historisch: „Das sind schwäbisch hallische Schweine, die ein Berufskollege nach meinen Wünschen für mich mästet.“ Ottensmeiers Wunsch ist auch, dass die Tiere älter werden als in der Mästung üblich: „Dadurch wird das Fleisch fester und eignet sich besser zum Wursten.“ 2000 bauten Ottensmeiers ihren 60 Quadratmeter großen Hofladen und erweiterten das Sortiment. Inzwischen kochen sie regelmäßig Rouladen, Suppen oder Gulasch in Dosen – Fertigprodukte vom Hof: „Unsere Kunden finden das super.“ Doch nicht alles im Hofladen kann vom eigenen Betrieb stammen. „Natürlich haben wir auch Zulieferer, die kennen wir jedoch alle persönlich“, versichert Ottensmeier. Die Kunden kommen aus dem Umkreis, manchmal auch darüber hinaus. Und die schätzen auch, dass die ganze Familie mit anfasst. Obwohl es viel Arbeit ist, machen Ottensmeiers sie gern. „Wir haben diesen Schritt nie bereut. Ich genieße die Abwechslung zwischen Feldarbeit, Produktion und Kundenkontakt. Ich plaudere gern mit ihnen und bin stolz darauf, dass hier bei uns keine Massenabfertigung herrscht“, sagt Klaus Ottensmeier. Nächste Folge: Am nächsten Dienstag lesen Sie, warum Familie Ortmann fast nur bunte Kartoffeln hat, die zudem schon eine lange Tradition haben.

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