Liebevolle Aufzucht: Karl-Heinz Klostermeier kümmert sich um ein wenige Stunden altes Kälbchen. Es ist von einer der Lieblingskühe des Landwirtes, umso größer ist die Freude. - © Friderieke Schulz
Liebevolle Aufzucht: Karl-Heinz Klostermeier kümmert sich um ein wenige Stunden altes Kälbchen. Es ist von einer der Lieblingskühe des Landwirtes, umso größer ist die Freude. | © Friderieke Schulz

Kreis Herford Raus aufs Land: Für den Hof Klostermeier steht Tierwohl an erster Stelle

Der Familienbetrieb Klostermeier in Herford-Falkendiek

Friderieke Schulz

Kreis Herford. Bereits im Mittelalter betrieb die Familie Klostermeier Handel. "Hier, auf unserem Hof, war nämlich eine Meierei für das Herforder Kloster ansässig - daher auch unser Name", weiß Karl-Heinz Klostermeier. Während sich das Kloster auflöste, blieb der Betrieb der Familie in Herford-Falkendiek bestehen und wandelte sich. Wie ihnen ging es vielen Landwirten im Kreis Herford. Überall haben sie ihre Höfe weiterentwickelt und das Angebot erweitert. Zu finden sind diese Höfe in der Broschüre "Landservice" der Landwirtschaftskammer NRW. Einige davon stellt die NW dienstags vor. Nach der Auflösung des Klosters war der Handel mit den hofeigenen Produkten lange eine Einnahmequelle. "Auch meine Mutter verkaufte noch Gemüse und Eier in der Nachbarschaft", erinnert sich der 51-Jährige. Als später die Spezialisierung der Betriebe zunahm, mussten sich auch der Landwirt und sein Vater entscheiden und bauten die Rindviehhaltung und Mast aus. Heute sind bis zu 500 Rinder, Bullen und Mutterkühe auf dem Hof zu Hause, doch Milch gibt es keine. "Die ist nur für die Kälber", sagt Klostermeier und erzählt, dass seine Tiere ausschließlich auf Stroh und der Weide gehalten werden - die Mast der verschiedenen Fleischrassen soll nachhaltig sein. Im Gegensatz zur konventionellen Mast, bei der Rinder nach 90 Tagen schlachtreif sind, verlassen seine frühestens nach einem halben Jahr den Hof. "Manche Mutterkühe habe ich seit 20 Jahren, da baut man ein Verhältnis auf und möchte, dass die Tiere zufrieden sind und sich wohlfühlen", so der Landwirt.Tierliebe stieß nicht überall auf Zustimmung Doch seine Tierliebe stieß nicht überall auf Zustimmung. "Der Markt hat kein Verständnis dafür, dass mein Fleisch wegen der Haltung teurer ist", weiß Klostermeier. Da er an seiner Haltung nichts ändern wollte, musste eine Alternative her. Es war Ehefrau Kerstin, die die Idee mit dem Laden hatte und so mietete sie ein Lokal in Bielefeld an, in dem die eigenen Fleischwaren verkauft werden sollten. "1994 kam unser Hofladen dazu, der irgendwann den Laden in Bielefeld ablöste", erzählt die 48-Jährige. Neben den eigenen Fleisch- und saisonalen Obstwaren bekommt sie Gemüse oder Honig aus der Nachbarschaft. Und auch Tochter Lena ist inzwischen Zulieferer.Haus- und Wollschweine Denn vor einigen Jahren kaufte Papa Karl-Heinz eine Sau, damit seine Kinder selbst erleben können, wie Schweine geboren und gemästet werden. "Das war Berta", sagt die Abiturientin und erzählt, dass sie gleich Spaß daran gefunden habe und es deswegen als Hobby weiter betreibt. "Inzwischen sind es zwei Hausschweine und zwei Wollschweine", lacht der Landwirt über die Ambitionen seiner Kinder. Denn auch Sohn Lars ist landwirtschaftlich interessiert und kümmert sich um die Hühner und Wachteln. Durch die Artenvielfalt auf dem Betrieb kamen auch die ersten Interessenten von außerhalb. Inzwischen erzählt Karl-Heinz Klostermeier öfter Schul- oder Kindergartengruppen etwas über seine Arbeit und darüber, warum die Rinder und Schweine ganz unterschiedlich aussehen. Doch nicht nur daran hat der Landwirt Spaß: "Wenn ich sehe, dass meine Tiere zufrieden sind, bin ich es auch." Nächste Folge: Am nächsten Dienstag lesen Sie, warum es bei Familie Ottensmeier in Bünde nicht nur um die Kartoffeln geht.

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