Christian Becker füttert seine Freilandhühner. - © Friderieke Schulz
Christian Becker füttert seine Freilandhühner. | © Friderieke Schulz

Kreis Herford Raus aufs Land: Der Hof Meyer Arend ist ein Bio-Erfolgskonzept

Der Biohof von Christian Becker in Herford

Friderieke Schulz

Kreis Herford. Christian Becker ist Biolandwirt aus Überzeugung. Seit 1850 ist seine Familie auf dem Hof Meyer Arend in Herford-Herringhausen ansässig. Es war sein Großvater Albrecht Meyer Arend, der vor vielen Jahren mit seiner Sauenhaltung entscheiden musste: „Entweder vergrößern oder ein neues Konzept entwickeln, um den Hof am Leben zu erhalten“, erzählt Becker. Wie seinem Großvater ging es vielen Landwirten im Kreis. Überall haben sie ihre Höfe weiterentwickelt und ihr Angebot erweitert. Zu finden sind diese Höfe in der Broschüre „Landservice“ der Landwirtschaftskammer NRW. Einige davon stellt die NW dienstags vor. „Mein Großvater entschied sich, nur noch Ackerbau zu betreiben, dann stieg ich in die Landwirtschaft ein“, erinnert sich Christian Becker. Nach seinem Studium in Osnabrück lernte er auf verschiedenen Biobetrieben in Deutschland und merkte schnell, dass Bio das Richtige für ihn ist. „Ich stehe hinter dem Konzept. Für mich ist das die beste Art, Landwirtschaft zu machen“, sagt Becker. Mit der gesammelten Erfahrung pachtete er 2001 den Hof von seinem Onkel. „2002 haben wir auf Bio umgestellt. Die ersten zwei Jahre wurde hier jedoch nur gebaut“, erinnert sich der 39-Jährige. Denn nicht nur die Ställe sollten allen Bioanforderungen entsprechen, auch einen Laden wollte Becker auf dem Hof integrieren. Bis dieser 2004 fertiggestellt war, verkaufte er seine ersten Waren auf dem Herforder Wochenmarkt. Und obwohl die Direktvermarktung erst mit Becker auf dem Hof einzog, hat sie dennoch Tradition. „Ich weiß, dass unsere Vorfahren früher schon mit einem Eierwagen die Stadt beliefert haben“, so der Landwirt. Über Eier ist Becker inzwischen weit hinaus gewachsen und konnte mit seinem Konzept den Hof erhalten. Das Sortiment in seinem Bio-Hofladen umfasst alles, was benötigt wird. Vieles davon stammt direkt vom Hof selbst. „Wir haben Hühner, Hähnchen, Schweine und Bullen“, sagt Becker."Die Kunden schätzen die Transparenz" Wer den Hofladen anfährt, kann sich vor Ort selbst ein Bild von den Haltungsbedingungen der Tiere machen. Und die Kunden schätzen die Transparenz: Viele von ihnen kommen längst nicht mehr nur zum einkaufen her. Mit der ganzen Familie besuchen sie den Hof und schauen sich die Tiere an. Viele nutzen auch den Mittagstisch oder das Ladencafé, um in Herringhausen noch etwas zu entspannen. Wer möchte, kann hier zudem ein Bio-Catering buchen. „Das hat sich alles mit der Zeit so entwickelt“, erzählt der 39-Jährige. Dadurch wuchs der Kundenstamm und auch die Nachfrage nach einem umfangreicheren Sortiment. Deswegen erweiterte Becker den Laden 2006. Dabei war ihm, wie bereits bei dem Bau 2001, vor allem eines wichtig: „Ich möchte zum einen die Tradition und den Charakter eines Hofladens mit vielen Holzbalken wahren und dennoch modern sein“, sagt Becker. Ein Aspekt dabei ist auch die Nutzung moderner, alternativer Energien."Ich arbeite mit regionalen Partnern" Von seinen mehr als 4.000 Artikeln kann jedoch nicht jeder aus seinem Betrieb stammen. „Ich arbeite mit regionalen Partnern sowie mit einem Biogroßhandel zusammen, denn da weiß ich, woher die Produkte kommen“, sagt er. Vermarktet werden diese im Laden von etwa 15 Mitarbeitern, mit denen Becker ebenfalls wie mit seinen Tieren umgeht. Einmal im Monat spendiert er seinem Team eine Massage von einem professionellen Masseur – der Umgang ist familiär. Dennoch ist der Job für Becker nicht immer einfach. „Aber genauso habe ich es mir immer erträumt. Ich habe nie damit gerechnet, dass meine Ideen auf so viel Zuspruch treffen“, sagt er und erzählt, dass ihn nach wie vor vor allem die Kombination aus Landwirtschaft und Vermarktung reize. „Ich bin an der Basis bei meinen Tieren und sehe, wie sie sich morgens über ihr frisches Stroh freuen. Das ist für mich so toll, dass es mir dann auch nicht auf eine Stunde mehr ankommt“, sagt Becker zufrieden. Nächste Folge: In der nächsten Woche lesen Sie, warum das Ausbildungsgehalt von Matthias Hentzschel die Basis seiner heutigen Arbeit ist.

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