Theaterkreuzung 1960: Mitte rechts im Bild Althoff & Lakemeier, Mitte links die Möbelfirma Bock. - © Archiv Freie Presse
Theaterkreuzung 1960: Mitte rechts im Bild Althoff & Lakemeier, Mitte links die Möbelfirma Bock. | © Archiv Freie Presse

Mittwochrätsel Auflösung: Unser Foto zeigt die Theaterkreuzung im Jahr 1960

Die Bismarckstraße führt von der Kreuzung mit der Mindener Straße vom Bauhof der Firma zur Baustelle auf dem Stuckenberg

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das Mittwochrätsel-Foto von vergangener Woche zeigte die Theaterkreuzung mit der Mindener Straße, der Hansastraße und der Bismarckstraße, nach der gefragt wurde. Das Echo war überwältigend. Erika Kosswig, geb. Bock, kennt sich gut aus, denn sie ist auf dem Gelände der wohl vom Urgroßvater gegründeten Möbelfabrik Bock & Co. zwischen Mindener Straße und Eimterstraße aufgewachsen. Die Familie wohnte hier bis 1952. Dann baute man ein Haus im Großen Vorwerk: "Unten links im Bild sieht man als helles Gebäude die Möbelfabrik Bock & Co. Sie wurde 1841 gegründet und stellte zuerst Kinderwagen der Marke 'Herfordia', die bis nach Surabaya in Indonesien exportiert wurden, und Korbmöbel her. Die Pferdefuhrwerke konnten ohne zu wenden von einem Tor zum anderen durchfahren. Auf dem Hof der Fabrik konnten die Kinder wunderbar auf den Bretterstapeln spielen und vom Fahrradschuppen in den Gefängnisgarten gelangen - dort stand ein schöner Apfelbaum und die Äpfel schmeckten gut. Im hohen Gebäude zur Mindener Straße wohnte und arbeitete in den 1940er Jahren ein Schuster, der hatte einen Langhaardackel mit Namen Senta. Darunter lag der Eingang zu einem Luftschutzkeller. Nach dem Krieg wurde 1945 die Produktion umgestellt. Es wurden Spinde für die Kasernen der Engländer angefertigt, danach 'Tochterzimmer' und später Küchenmöbel. Ich habe selbst in den Semesterferien geholfen, Furniere zusammen zu kleben. In den 1960er Jahren wurde die Produktion eingestellt und Gebäudeteile scheibchenweise an Künstler vermietet. 1980 wurde der rechte Gebäudeteil an das FlaFla vermietet - bis zum Verkauf und Abriss 2006. Nun befinden sich Pit Stop und Carglas auf dem Grundstück. Äpfel aus dem Gefängnisgarten geklaut Das fünfte Haus auf der rechten Seite der Mindener Straße stadtauswärts von der Bismarckstraße aus gesehen ist die Nr. 36, da führt ein schmaler Weg zum Kino Scala - heute nicht mehr vorhanden. Hinter Nr. 36 stand eine kleine Hütte, dahinter gab es noch ein Plumpsklo. Die Mindener Straße war noch nicht verbreitert, das sieht man daran, dass vor Nr. 36 noch die Hecke zum Vorgarten steht. Auch die Anlieger unserer Straßenseite mussten später einen Streifen hergeben. So wurde der Bunkereingang abgerissen. Rechts neben der Fabrik Bock war an der Eimterstraße 4 Kohlenhandlung Kessler."Ende der 1980er Jahre gab es den Vorstoß von Künstlern wie Gerd Schnapp-Ebmeier, der hier sein Atelier hatte, die Fabrik ganz in ein Künstlerhaus mit kontinuierlichen Ausstellungsmöglichkeiten für Berufskünstler zu verwandeln. 1987 besuchte der Kreiskulturausschuss in dieser Sache das Atelier, berichtete die NW. Auch Wulf Lakemeier weiß aus eigener Anschauung: "Die Gebäude und das Gelände rechts oberhalb der Mindener Straße gehörten zum Bauunternehmen/Tischlerei/Zimmerei /Sägewerk Althoff & Lakemeier, das seit der Gründung im Jahr 1878 (das gleiche Gründungsjahr wie das der Brauerei Felsenkeller) bis 1970 dort ansässig war und dann einer mehrgeschossigen Wohnbebauung weichen musste. Im Werkverzeichnis der Firma stehen Bauten wie der Bismarckturm, Neustädter Kirchturm, Steinbogenbrücke der Lippischen Bahn über die Aa, Bahnhofsgebäude in Wittmund/Ostfriesland, Bauten der Brauerei Felsenkeller und vieles mehr. Auf dem Hang an der Kastanienallee befanden sich die Tongrube und die Ziegelei (heute Appelgarten und Stoppelsteege). Selbst Kabinen für (das Fahrgeschäft) 'Raketenfahrt zum Mond' wurden in der Tischlerei hergestellt und mit Alublech windschlüpfig verkleidet. Im begrünten Hinterland befand sich - direkt hinter dem Wasserturm der Dampfmaschine, die alle Maschinen über Transmissionsriemen antrieb - das Behelfsheim der Familie Lakemeier, die von der Sperrung des Stift Berges durch die englische Besatzungsmacht betroffen war und das Haus Bismarckstraße 32 räumen musste. Mein Elternhaus entstand durch Aufstockung des Behelfsheimes und hatte einen wunderschönen Garten. Die Firma wurde in den 1960er Jahren aufgeteilt in die Hampel KG (Bauunternehmen), geführt von Bauingenieur Werner Hampel und in die Lakemeier Holzbau KG (Zimmerei, Tischlerei, Bauelemente), geführt von Bauingenieur Dieter Lakemeier, der an der Eimterstraße 33 auf dem Gelände der ehemaligen Sandgrube, der Pferderemise und des Kutscherhauses ein modernes Werkstatt- und Bürogebäude errichten ließ, das inzwischen von einem Fitness-Studio genutzt wird. Das Gelände im Bild rechts unterhalb der Mindener Straße war als Lübberbruch das Veranstaltungsgelände der Stadt für Jahrmärkte und Ausstellungen/Messen. Ich habe noch heute den Werbespruch ,Aurora mit dem Sonnenstern? im Ohr, der mehrmals stündlich den noch geringen Verkehrslärm übertönte und uns in den 14 Messetagen gehörig auf die Nerven ging." Auch Elke Förster ist im Quartier aufgewachsen: "Das erste Haus links von der damaligen Bismarckstraßeneinmündung wurde für die Erweiterung der Kreuzung abgerissen. Hier befand sich die Schlachterei Pecher. Bei Frau Pecher bekamen Kinder, die allein einkaufen kamen, eine Scheibe Wurst. Für Kinder, die die Mutter begleiteten, gab es die Scheibe oft nur, wenn es von der gewogenen Ware ,etwas mehr sein? durfte. Auf der anderen Seite war der Kolonialwarenladen König, später Feldmaier, wo ich oft für meine Eltern und Großeltern Gemüse kaufte. Rechts oben im Bild sieht man Grabstellen des Marien-Friedhofs. Ganz links an der Mindener Straße liegt die Tankstelle Pöhler, dahinter waren Garagen. Auch mein Vater hatte eine. Rechts von der Tankstelle geht der Weg 'Zurichte' ab. Rechts davon waren damals die Fahrschule Lauszius, Lotto-Laube (ein Sohn hatte später das Friseurgeschäft im Parkhaus Altstadt), Schlachterei Pasler, ein Frisiersalon, die Spedition Dörnte und eine Änderungsschneiderei. An der Einmündung der Eimterstraße lag das Fahrrad- und Nähmaschinengeschäft Förster." Anne Baldischwyler erinnert sich: "Gegenüber der Fabrik an der Bismarckstraße baute Aldi seine zweite Filiale in Herford." "Erste Küchenzeile bei Saak und Ostermann gekauft" Rita Frentrup schreibt: "Mittig im oberen Teil des Fotos ist das ehemalige Möbelhaus 'Saak und Ostermann' zu erkennen. Dort haben wir 1972 unsere erste Küchenzeile und unser Schlafzimmer, Schleiflack cremefarben, gekauft. " Ulrich Stille erinnert sich : "Der weitläufige Bauhof von Althoff & Lakemeier war für mich als Kind wie eine Abenteuerlandschaft, in der auch noch Pferdefuhrwerke existierten. Daran erinnert heute noch der Bismarckturm, den die Firma 1906 aus Sandsteinquadern aus der Steinkuhle Fricke in Schwarzenmoor gebaut hat. Die Bismarckstraße führte damals geradewegs vom Bauhof der Firma zur Baustelle auf dem Stuckenberg." Klaus-Dieter Stork schreibt: "Die gefragte Straße ist nach dem Eisernen Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck benannt. Unten rechts auf dem Bild ist noch der Festplatz Lübberbruch zu erkennen, auf dem sich heute das Stadttheater und das Ravensberger Gymnasium befinden. Bis zum Jahre 1957 war das Lübberbruch an der Ecke Mindener/Hansastraße der zentrale Ort für Kirmes- und Zirkusveranstaltungen sowie Messen in der Stadt. " Jochen Hartig erinnert sich: "Die Firma Althoff & Lakemeier wurde während meiner Schulzeit im gegenüberliegenden Ravensberger Gymnasium abgerissen. Damals ahnte ich noch nicht, dass ich dort - dann aber schon an der Eimterstraße - eine Zimmererlehre beginnen würde. Diese damals bekannte Firma hatte auch die Justizvollzugsanstalt und die Weberei Weddingen gebaut. Den frei gewordenen Einmündungsbereich 'ziert' jetzt ein großer Wohnriegel, der sich bis zum hinten sichtbaren damaligen Möbelhaus Saak & Ostermann erstreckt. Die Einmündung der Bismarckstraße verengt sich auf dem Foto noch auf zwei Fahrstreifen. Dort ist später auch auf vier Streifen erweitert worden. Die Gärtnerei im Hintergrund gibt es heute nicht mehr. Unten sieht man - offensichtlich noch nicht gepflastert - den Theaterparkplatz, noch mit der lange erhalten gebliebenen Eiche." Stadtarchivar Christoph Laue erinnert an ganz alte Zeiten: "Links oberhalb der Ecke Mindener/Bismarckstraße war nach alten Flurkarten der sogenannte "Hexenplatz", wo bis ins 17. Jahrhundert die 'überführten' Herforder Hexen verbrannt und verscharrt wurden." Ingrid Schneidewind, Beate Konetzko und Michael Witlak schreiben: "Wir hatten in unserem Seniorenheim das zweite Mal einen Klönabend 'Herford früher und heute'. Dabei haben wir auch Ihr gutes Mittwochrätsel mit Ihren klassischen Bildern mit einbeziehen können. Wir hatten auch Ihre früheren Rätsel dabei, die eine Kollegin gesammelt hatte. Den Bewohnern hat es viel Freude gemacht und es entstanden schöne Gespräche."

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