Noch mit Fialen: Die Bürgerschule am Wilhelmsplatz, heute heißt sie Wilhelm-Oberhaus-Schule. - © Sammlung Polster
Noch mit Fialen: Die Bürgerschule am Wilhelmsplatz, heute heißt sie Wilhelm-Oberhaus-Schule. | © Sammlung Polster

Mittwochrätsel Auflösung: Neogotische Bildungsschmiede am Wilhelmsplatz

Viele Leser haben ganz persönliche Erinnerungen an die Wilhelm-Oberhaus-Schule. Eine ehemalige Lehrerin stellt den Pädagogen ein anerkennendes Zeugnis für deren nachhaltig gute Arbeit aus

Thomas Hagen

Herford. Das Mittwochrätsel vom vergangenen Mittwoch zeigte eine alte Ansicht der einstigen Bürgerschule, heute Wilhelm-Oberhaus-Schule. Eine katholische Bekenntnisschule, die auf eine mehr als 300-jährige Historie zurückschauen kann und auf die Gründung des Franziskanerpaters Franz Brüning zurückgeht. Der rote neogotische Backsteinbau entstand 1887. Rolf Westerhold freut sich: "Endlich kann ich mal wieder ein Rätsel lösen. Das ist die Wilhelm-Oberhaus-Schule, benannt nach dem gleichnamigen Priester. Ich wurde dort 1966 eingeschult, da hieß die Schule noch Volksschule Wilhelmsplatz. Beim Klingeln zum Ende der Pause mussten wir uns in Zweier-Reihen aufstellen und wurden dann von einem Lehrer klassenweise ins Gebäude gelassen. Lang ist es her, heute ist es viel lockerer. Gut erinnern kann ich mich an einen Wandertag zum Teich am Wüstener Weg mit Klassenlehrerin Fräulein Brauns. Im Rucksack ein Apfel, ein Butterbrot und zwei dreieckige Tüten Sunkist-Saft." Christel Großmann weiß es präzise: "Die Lösung: Wilhelm Oberhaus (Priester) geboren in Herford. Unser damaliger Jahrgang, der zur städtischen Realschule Uhlandstraße 1954 überwechselte, wurde in der altehrwürdigen Schule Wilhelmsplatz als Gastschüler aufgenommen. Die städtische Realschule wurde wegen Raumnot erweitert, so dass dort für uns kein Unterricht stattfinden konnte. Es waren nur die Mädchen, die in der Schule Wilhelms-Platz als Gastschüler ab 13 Uhr unterrichtet wurden. Ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern. Vor allem, wenn ich an heißen Sommertagen in der Hitze den Schulweg antreten musste. Die Jungen waren als Gastschüler in der Stiftbergschule untergebracht." Anette Theiling hat diese Informationen: "Die Grundschule wurde nach Wilhelm Oberhaus benannt, anlässlich der 30-jährigen Namensgebung wird es Ende September auch ein Schulfest geben. Dort wird auch eine Präsentation alter Bilder durchlaufend zu sehen sein. Eine Ausstellung zu Wilhelm Oberhaus wird durch die Schulkinder gestaltet. Jährlich besuchen die 4. Klassen am Todestag das Grab von Wilhelm Oberhaus." Detlev Piekenbrock hält diese Fakten bereit: "Es ist die Volksschule am Wilhelmsplatz, die nach dem Geistlichen Wilhelm Oberhaus benannt wurde, der am 31. Januar 1901 in Herford als Sohn des Fabrikanten Eduard Oberhaus das Licht der Welt erblickte und den Weg des katholischen Pfarrers im Erzbistum Paderborn wählte. Sein Leben endete zu früh nach 41 Jahren in der Hölle von Dachau. Meine Volksschuljahre erlebte ich an der Komturstraße, von wo es aber nur ein Katzensprung zu dieser Schule war, die ich oft sah, denn einige Jahre war auf dem Wilhelmsplatz immer die Kirmes, bevor sie dann umzog auf den Lübberbruch und später auf die Kiewiese. Eine Karussellfahrt kostete fünf (!) Pfennige." Klaus-Dieter Stork weiß: "Die frühere Bürgerschule am Wilhelmsplatz wurde 1888 auf der Pariser Weltausstellung mit einem Architekturpreis versehen. Der Dachreiter wurde 1968 entfernt. Der Geistliche Wilhelm Oberhaus hatte während seiner Tätigkeit als Priester in verschiedenen Gemeinden wiederholt Konflikte mit der gottes- und menschenfeindlichen Weltanschauung des Nationalsozialismus. Er wurde wegen seiner Predigt zum Elternrecht am 4. Mai 1935 im Jahre 1936 verhaftet. In dieser Predigt sagte er: "Die Kinder, liebe Eltern, gehören euch nach Gott; erst dann dem Staat!" Nach mehreren Prozessen und Verurteilungen wurde er am 10. Oktober 1941 ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo er am 20. September 1942 verstarb." »Die Kinder fielen wegen ihres guten Grundwissens auf« Gisela de Pagter schreibt: "Gewiss werden viele Herforder etwas über die Persönlichkeit dieses Mannes wissen. Ich, evangelisch und nicht in Herford zur Grundschule gegangen, muss da passen. Wir Bielefelder Kinder gingen in die Melanchthon-Schule, benannt nach dem Weggefährten Martin Luthers. Dennoch verbindet mich mit der Wilhelm-Oberhaus-Schule einiges. Als frischgebackene Realschullehrerin vertraute mir unser damaliger Schulleiter überwiegend die Fünftklässler an. Einige dieser Kinder fielen mir sofort auf wegen ihres guten Grundwissens. Ich fragte nach der Grundschule, und immer wieder - auch in den folgenden Jahren - lautete die Antwort: Wilhelm-Oberhaus-Schule. Was für ein Kompliment! 2015 konnte ich diese Schule einmal von innen anschauen. Die Besucher gingen dort hinein, wo auch heute die Kinder das Gebäude betreten. Nur die Tür war der Architektur angepasster gestaltet, als sie es heute ist. Die ersten Schritte ließen nicht nur mich anhalten. Es war zu lesen: "Wir übermitteln christliche Werte." Im Gespräch mit den katholischen Kollegen griff ich diese Worte sofort auf. "Ja, auch unsere türkischen Kinder lernen über unseren Glauben und mit ihm über unsere Kultur. Die Eltern befürworten das." Wir Besucher waren angenehm überrascht und erfreut über diese Einstellung. Dann ein Blick in die Klassenräume. Kinderzeichnungen, Fotos von der jeweiligen Klasse mit den Vornamen der Kinder. "Wir sind offen für alle Glaubensrichtungen, vertreten jedoch die katholische Konfession und die wird seitens Elternschaft und Schülern miterfahren," so die Kollegen." Gerhard Heitholt hat eine Vielfalt von Erinnerungen: Das Foto zeigt die damalige Volksschule Wilhelmsplatz der Stadt Herford wohl im Zustand vor oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Als im Wiederaufbau nach dem Krieg auch neue Schulen gebaut wurden und eine Schulreform kam (Grundschule, Hauptschule...), wurde die Volksschule zu einer Grundschule als (einzige) katholische Bekenntnisschule der Stadt Herford. Sie wurde benannt nach dem Herforder katholischen Vikar Wilhelm Oberhaus. Ich habe seine Leidensgeschichte gelesen, was schon sehr erschütternd war. In diesem Gebäude nun begann Ostern 1947 in der allgemein sogenannten "schlechten Zeit" eine Schullaufbahn als i-Männchen. Bekanntlich war Besatzungszeit und es herrschte überall Mangel, der Schwarzmarkt blühte und die Währungsreform kam erst ein Jahr später. Da waren meine Eltern froh, dass meine Tante Berta in Exter noch einen alten angeschimmelten Lederranzen auf dem Dachboden hatte. Aufpoliert war er dann das wichtigste und wertvollste Stück meiner Schülererstausstattung. Übrigens sagten alle damals Tornister statt Ranzen. Von einer Schultüte habe ich nichts gesehen. »Als Stadtkind konnte ich mit richtigen Schuhen laufen« Später dann, in den ersten D-Mark-Jahren, konnte ich vielleicht mal für fünf der zehn Pfennige einige Zuckereier beim Kolonialwarenhändler auf dem Schulweg kaufen. Auch war ich froh, als Stadtkind von Beginn an mit "richtigen" Schuhen zur Schule gehen zu können: Bei unseren Bekannten und Verwandten auf dem Land rings um Herford war nach dem Kriege das Tragen von Holzschuhen, gerade auch für Kinder, noch gang und gäbe. Als Stadtschule hatte "meine" Volksschule Wilhelmsplatz auch gleich nur einen Jahrgang pro Klasse - natürlich ein Vorteil zu den damaligen umliegenden Dorfschulen - und für Jungen und Mädchen gab es getrennte Klassen. Die zu sehenden Kellerfenster rechts im Bild gehörten damals zur Hausmeisterwohnung. Neben dessen üblichen Aufgaben musste er zu der Zeit noch mit Handglocke, von Stockwerk zu Stockwerk gehend, die Stunden und Pausen einläuten. Das Umfeld war interessanter: Links am Platz floss die aufgestaute Bowerre vorbei, wo das EMR im Gebäude am Wall Strom aus Wasserkraft erzeugte; und am Ende des Schulhofes war die Hauptfeuerwehr der Stadt untergebracht mit den für uns Jungen so interessanten Fahrzeugen. Noch ein großer Unterschied zu heute: Wie alle Schüler damals sind wir die ganzen Grundschuljahre täglich zu Fuß zur Schule gegangen..."

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