Aus den Kindertagen der Fotografie: Um 1880 entstand die Aufnahme der Mühle, die noch ein Mühlrad hatte. - © Kommunalarchiv
Aus den Kindertagen der Fotografie: Um 1880 entstand die Aufnahme der Mühle, die noch ein Mühlrad hatte. | © Kommunalarchiv

Mittwochrätsel Auflösung: Die Radewiger Mühle liegt an der Aa

1950 wurden noch neue Maschinen eingebaut. 1960 stellte man den Betrieb ein

Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das Mittwochrätsel-Foto der vergangenen Woche zeigte einen Vorgängerbau der Radewiger Mühle vor über 135 Jahren. Sie war, schreibt der Historiker Christoph Mörstedt in seinem Standardwerk „Mühlen im Kreis Herford", eine der ältesten und wichtigsten Mühlen im Kreisgebiet. Die Mühle gehört laut Mörstedt ursprünglich zum abteilichen Oberhof Adonhusa.

Nah am Wasser: 1979 wurde das Gebäude der Mühle zu Wohnungen und einem Restaurant umgebaut. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Nah am Wasser: 1979 wurde das Gebäude der Mühle zu Wohnungen und einem Restaurant umgebaut. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Nach 1913 konnte die Mühle 30 Tonnen Getreide am Tag mahlen, nach einer weiteren Aufrüstung 1950 50 Tonnen. Zwei Wasserturbinen mit 192 PS und Elektromotoren mit 192 PS trieben die Anlage an. Verarbeitet wurden Weizen, Roggen, Mais, Gerste, Hafer und die Hirseart Milokorn.

Detlev Piekenbrock schreibt: „Der gesuchte Fluss ist die kleine niedliche Aa, die sich am Ende der nach ihr benannten Wiesen vom Stadtgraben trennt, um ihn später hinter dem alten Krankenhausgebäude (heute Technisches Rathaus) wieder zu schlucken. Bei der erwähnten Mühle handelt es sich um die Radewiger Mühle, die ich in meinen Kindertagen noch live erlebt habe. Der Giebel im Hintergrund gehört zu dem Gebäude an der Radewiger Straße – kurz hinter der Brücke, in der damals das für Herford wichtige Hotel ,Haus der Väter’ seine Gäste empfing."

Information

Gewinne liegen abholbereit

Dreimal gab es beim Rätselbild das aktuelle Buch „Wandertour – Kurzurlaub für Teutonen" der NW zu gewinnen. Sie liegen zwei Wochen lang bereit in der Geschäftsstelle der NW, Lübberstraße 15-17. Die Gewinner sind Heike Fürhoff, Gerhard Kuhlmann und Malte Thoms aus Herford.

Herzlichen Glückwunsch!

Heike Fürhoff hat vor einiger Zeit an einer Stadtführung zum Thema Hexenverfolgung in Herford teilgenommen: „Dabei wurde uns der sogenannte ,Hexenkolk’, die tiefste Ausspülung an der Radewiger Mühle, vorgestellt. Hier wurden vermeintliche Hexen oder ,Zaubersche’ der Wasserprobe unterzogen."

Klaus-Dieter Stork weiß: „Man kann hier heute immer noch das Wasser rauschen hören. Die Wassermühle in der auf dem Foto abgebildeten Form existiert nicht mehr. Ein Nachfolgebau wird heute als Wohnhaus genutzt. Von der Brücke aus gesehen befand sich die Mühle am rechten Ufer der Aa. Was es mit dem Hexenkolk auf sich hat, ist auf einer Hinweistafel am Brückengeländer beschrieben. Im Mittelalter wurden Frauen, die der Hexerei angeklagt waren, der sogenannten Wasserprobe unterzogen.

Dazu wurden sie mit beiden Daumen an die gegenüberliegenden Zehen gefesselt und an ein Seil gebunden ins Wasser hinabgelassen. Kam das Opfer wieder an die Oberfläche, war das ein Zeichen der Schuld und damit die Hexerei erwiesen, da das Wasser als Reinheitssymbol das Opfer nicht akzeptierte. Versank der Körper im Wasser, galt die Angeklagte als unschuldig.

Die als schuldig angeklagten Frauen wurden in einem nahe gelegenen Wehrturm der damaligen Stadtbefestigung gefoltert, bis sie ihr Vergehen der Hexerei zugaben, um dann auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leib verbrannt zu werden. Diese grausame Methode war auch schon damals im Mittelalter nicht unumstritten. Der markante Treppen-Giebel im Hintergrund gehört zum ,Haus Bremen’ in der Radewiger Straße."

Wer nicht im Hexenkolk ertrank galt als überführt

Ulrich Stille schreibt: „Stadtarchivar Christoph Laue hat über die Mühle im ,Remensnider’ veröffentlicht. Sie ist ab 1224 urkundlich nachweisbar und ihr Wehr diente ursprünglich zur Anstauung der Aa im Zusammenhang mit dem Bau des Stadtgrabens als Verteidigungsanlage. Die Mühle war im Besitz der Abtei und diente als Korn- und Ölmühle. Später wurde sie verpachtet und schließlich verkauft.

Von 1604 bis 1765 war sie im Besitz der Stadt. Nach mehreren Bränden wurde die Mühle 1845 und 1912 wieder aufgebaut und erweitert. Allerdings lag der Wehrbereich, der auch als Wasch- und Badestelle genutzt wurde, ursprünglich ca. vier Meter unterhalb vom heutigen Standort und wurde erst 1933 verlegt. 1960 wurde die Mühle stillgelegt und 1979 in einen Wohnkomplex verwandelt, in dem heute auch mediterrane Gastronomie lockt. In jüngster Zeit gibt es Überlegungen, am Ufer der Aa entlang zur Radewiger Brücke eine Promenade zu bauen und so diesen geschichtsträchtigen Bereich aufzuwerten."

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