Rumpeliges Kopfsteinpflaster: Die Bielefelder Straße. Das abgestellte Auto im Bild ist ein Hanomag „Komissbrot". - © Sammlung Polster
Rumpeliges Kopfsteinpflaster: Die Bielefelder Straße. Das abgestellte Auto im Bild ist ein Hanomag „Komissbrot". | © Sammlung Polster

Mittwochrätsel Auflösung Mittwochrätsel: Das Foto zeigt die Bielefelder Straße

Der Blick geht in Richtung Jakobikirche und das ehemalige EMR-Verwaltungsgebäude. Dort im Keller suchten die Menschen im Krieg Schutz

Herford. Das alte Foto von vergangener Woche zeigte die Bielefelder Straße. Es ist das Oktober-Blatt im historischen Herford-Kalender von Mathias Polster. Polster schreibt dazu: „Bielefelder Straße ist die alte Bezeichnung der Straße, die am Niedern Baum der ehemaligen Herforder Landwehr vorbei nach Bielefeld führte. Offiziell erhielt sie den Namen 1866. Erstmals erwähnt wurde sie 1466 als ,Groter Weg’ – großer Weg."
Sie lag im Verlauf der alten Salzstraße zwischen Lübeck und Köln und des Pilgerweges nach Santiago des Compostella. Das Teilstück hinter der Brücke zwischen Radewiger Straße und Stadtgrabenbrücke hieß bis 1939 noch offiziell Deichtorstraße.

Erhard Siekmann fällt dazu ein: „Beim Gebäude auf der rechten Seite handelt es sich meiner Meinung nach um das ehemalige Verwaltungsgebäude des „Elektrizitätswerkes Minden-Ravensberg GmbH", in dessen Mauern sich jetzt der Nachfolger Eon Westfalen-Weser befindet."

Information

Gewinne liegen abholbereit

Dreimal gab es beim Rätselbild den Kalender „Herford historisch 2017" von Matthias Polster zu gewinnen. Sie liegen zwei Wochen lang bereit in der Geschäftsstelle der NW, Lübberstraße 15-17. Die Gewinner sind Birgit Beckendorf, Giovanna Birnbaum und Wolfgang Antonin aus Herford
. Herzlichen Glückwunsch!

Detlev Piekenbrock ist sich sicher: „Im Haus auf der linken Seite hatten meine Eltern ihren ersten gemeinsamen Wohnsitz nach dem Ja-Wort. In den großen Bau rechts musste ich mich erst wieder reindenken, denn ich war noch vorgestern in dem neuen Gebäude des einstigen EMR, dann EON und jetzt irgendein Weserstrom. „Panta rei", sagten die ein alte Griechen, „alles ist im Fluss", wobei nicht der Stadtgraben gemeint ist, der auch überquert werden muss."

Nur wenig verändert: Die Bielefelder Straße heute vom gleichen Standort aus aufgenommen. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Nur wenig verändert: Die Bielefelder Straße heute vom gleichen Standort aus aufgenommen. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Burkhard Weier schreibt: „Die Bielefelder Straße mündete gegenüber der ganz hinten im Bild sichtbaren Jakobikirche auf die Radewiger Straße. Hinter den Fahrzeugen ist die Brücke über den Stadtgraben zu erkennen. In dem Haus rechts befindet sich heute die Hauptverwaltung der Eon Westfalen-Weser AG (früher einmal EMR)."

Günter Hampel hat erkannt: „Im Hintergrund die Radewiger Kirche, die Jakobikirche, ist Anlaufstelle auf dem Jakobsweg."

Friedrich Windeck schreibt: „So sah es auch noch einige Zeit nach dem Krieg aus. Wir befinden uns auf der Bielefelder Straße mit Blick auf die Radewiger Kirche. Rechts das Verwaltungsgebäude gehört dem damaligen Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg GmbH (EMR). Dahinter ist die Brücke über den Stadtgraben noch deutlich zu erkennen, der mit der Aa mal für kurze Zeit die Staatsgrenze zwischen dem französischen Kaiserreich und dem Königreich Westphalen bildete."

Karin Osterhage erinnert sich: „Das Bild „Tor zur Radewig" zeigt die Bielefelder Straße etwa aus Höhe Bielefelder Straße / Ecke Kreishausstraße. Heute gibt es hier keine Bäume mehr und das Kopfsteinpflaster ist einer Teerdecke gewichen. Im Verwaltungsgebäude des ehemaligen EMR war in den Kriegsjahren im Keller der Luftschutzkeller für die Bevölkerung der Umgebung. Wenn Fliegeralarm ertönte, schnappte man schnell das gepackte Notköfferchen und rannte hinüber. Vor den Kellerfenstern waren drei bis vier dicke Betonringe aufgeschichtet zum Schutz gegen Splitter. Im Anschluss an das Gebäude fließt der Stadtgraben und daran schließt sich der Wall an – rechts „Unter den Linden" und links der „Deichtorwall".

Die Häuser auf der linken Seite stehen noch, sind etwas modernisiert. Der Milchmann kam noch mit Pferd und Wagen. Er ging von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung und verkaufte seine Milch auch Halb- und Viertelliter weise. Milch war ein knappes, aber sehr begehrtes Gut. Glücklich war, wer die hinterlassenen Pferdeäpfel zuerst aufgesammelt hatte. Die Kirche ist die Jakobikirche, heute verputzt. Damals waren die Bruchsteine noch sichtbar. In dem hohen, spitzgiebeligen Haus gab es die Radewiger Apotheke und eine Bar. Auf der gegenüberliegenden Seite, wo heute das Fürstenau-Denkmal steht (nicht sichtbar), gab es einen bewachten Fahrradplatz. Zehn Pfennige kostete es. Das war viel Geld. Aber man war sicher, dass das wertvolle Stück – egal, wie klapprig es war – nicht geklaut wurde."

Ulrich Stille hat uns geschrieben: „Über das nasse Pflaster der Bielefelder Straße rattert auf der rechten Seite in Höhe des EMR-Verwaltungsgebäudes ein Kraftwagen in Richtung Radewiger Kirche, deren Gemäuer zu dieser Zeit im Gegensatz zu heute noch nicht verputzt ist. Der Wagen hält sich an den Hinweis auf dem Schild am Baum neben der Gaslaterne „Kraftfahrzeuge langsam und rechts fahren", denn er wird gerade von einem Fahrradfahrer überholt.

Noch interessanter ist aber der Pkw auf der linken Fahrbahnseite. Es handelt sich um einen Hanomag 2/10, der wegen seiner modernen Pontonform als „Kommissbrot" bekannt war. Ab 1925 haben die Hanomagwerke fast 16.000 Exemplare dieses „einäugigen" Kleinwagens mit nur einem Scheinwerfer gebaut, der es mit zehn Pferdestärken auf maximal 60 km/h brachte und zur Stabilisierung der Karosserie nur über eine einzige Tür auf der linken Seite verfügte."

Klaus-Dieter Stork ist folgendes eingefallen: „Es handelt sich um die Bielefelder Straße, sie überquert den Stadtgraben und mündet auf den Fürstenauplatz. Im Hintergrund ist die Radewiger Jakobikirche mit ihrer markanten Turmhaube zu sehen. Wegen der morschen Halterung des Turmkreuzes musste dieses vorübergehend demontiert werden und wird zur Zeit durch einen Dachdeckerbetrieb zusammen mit dem Kreuz der Neustädter Johanniskirche restauriert."

Jochen Hartig hat uns dies geschrieben: „Rechts ist die Verwaltung des EMR zu sehen, geradeaus die Jakobikirche, in der am 1. Dezember das 426. Radewiger Kohlfest gefeiert wird, welches an die Wiedereinweihung der ehemaligen Pilgerkirche – dann jedoch evangelisch – am 1. Advent 1590 erinnert. Leider kann ich zu dieser „Ecke" keine Anekdote erzählen – außer, dass aus Bielefeld kommend, früher der gesamte Verkehr hier durch lief – sich später teilend Richtung Capitol und „Alter Markt". Auch in die Richtung „Gänsemarkt" war mächtig etwas los."

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